Jochen Wilbert
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Jochen Wilbert

"Städtepartnerschaft ist wichtiger geworden"

  • vonNiklas Mag
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Bad Vilbel(nma). Der Brexit ist durch, die Briten geben ihren Platz in der Europäischen Gemeinschaft auf. Doch hat das Effekte auf europaweite Freundschaften, etwa die Städtepartnerschaft zwischen Bad Vilbel und Glossop? Jochen Wilbert, der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, hat die zähen Verhandlungen um den Brexit genau verfolgt. Schließlich betrifft der Austritt der Briten aus der Europäischen Union auch die Bad Vilbeler Partnerstadt. Glossop liegt in der englischen Grafschaft Derbyshire, rund 20 Kilomenter östlich von Manchester. Von der Größe ist die Stadt zu Bad Vilbel recht ähnlich. Seit mehr als zwanzig Jahren sind die beiden Städte verschwistert: "Mit der Norderweiterung kam das Vereinte Königreich 1973 zur EU. Die Partnerschaft zwischen den Städten Bad Vilbel und Glossop wurde mit der zweiten Welle der Städtepartnerschaften 1987 geschlossen", weiß Jochen Wilbert.

Er erklärt weiter: "Grundidee war und ist die Kommune als ›Keimzelle der Demokratie‹ zu stärken, um einem weiteren Weltkrieg vorzubeugen." Aus diesem Grund nenne man Städtepartnerschaften auch "die größte Friedensbewegung weltweit". "Dies vorausgeschickt gab und gibt es in beiden Gemeinden auf allen Ebenen Kontakte, Zusammenkünfte und gegenseitige Besuche", fasst Wilbert das Vereinsleben zusammen.

Besuche sollen nicht aufhören

Der Brexit habe jedoch auf die Partnerschaft mit der englischen Stadt und deren entsprechenden Vereins-Pendant keine Auswirkungen. "Der Verein ist direkt nicht betroffen. Eine Umstellung bedeutete vielmehr die britische Gemeindereform. Danach hat Glossop keinen Bürgermeister (mit Personal- und Budgetverantwortung wie Bad Vilbel) sondern wird vom ›Borrow of the High Peak‹ verwaltet, was mit unserem Landkreis vergleichbar ist." In Glossop und der dortigen "Twinning Association" gebe es sowohl Brexit-Gegner als auch -Befürworter. Diese Diskussionen habe man aus dem Vereinsleben aber immer herausgehalten. "Wir sehen deshalb auch überhaupt keinen Grund, die England-Fahrten, beziehungsweise die Besuche der Engländer in Deutschland, zu verringern oder einzustampfen", meint der Vorsitzende.

"Die Nachfrage auf beiden Seiten besteht und gibt uns recht." Was das angehe sei er der Meinung, dass eine Städtepartnerschaft wie die zwischen Bad Vilbel und Glossop durch die Brexit-Entscheidung eher wichtiger wird, als dass sie Gefahr laufen könnte, einzuschlafen. "Es ist und bleibt wichtig, den jeweils anderen auf persönlicher Ebene zu begegnen und nicht nur Kontakt über das Internet zu halten."

Von Bad Vilbeler Seite bestehe ohnehin keine Gefahr, dass die Partnerschaft ermüdet, erklärt Wilbert. Dem Verein gehe es gut, die Mitgliederzahlen stagnieren um die 100. "Wir sind derzeit vollauf damit beschäftigt das Besuchsprogramm für unser Gäste aus Glossop zusammenzustellen", kündigt Jochen Wilbert an. "Neben viel Zeit für den persönlichen Austausch soll auch in diesem Jahr wieder ein Ausflugsziel angesteuert werden, das sowohl historisch und kulturell attraktiv ist aber gleichzeitig auch Möglichkeiten bietet, die über den rein touristischen Aspekt hinausgehen." FOTO: ARCHIV

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