Weniger Durchgangsverkehr

Stadtrat Wysockis umstrittener "Masterplan"

  • vonJürgen W. Niehoff
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Die Überlegungen des Ersten Stadtrates Sebastian Wysocki (CDU) zur Lösung der Verkehrsmisere rund um Bad Vilbel stoßen nicht überall auf ungeteilte Zustimmung. "Nicht zielführender Alleingang" nennen es die einen, als "Wunschzettel" wird es von anderen bezeichnet.

In einem sind sich alle einig: Es muss eine Lösung für das Bad Vilbeler Verkehrsproblem gefunden werden.

Am eindeutigsten äußern sich die Bad Vilbeler Grünen zu Wysockis Verkehrskonzept: "Dies ist kein Masterplan, sondern ein Wunschzettel an unsere Nachbarn, Bad Vilbel vom Durchgangsverkehr zu befreien", meint ihr verkehrspolitischer Sprecher Clemens Breest. Die von Wysocki vorgetragenen Lösungsansätze seien zudem fast alle schon länger in der Diskussion, in der Planung oder sogar in der Realisierungsphase. "Hier wird deutlich, dass zukunftsweisende Antworten für heutige und morgige Mobilität nicht vom Magistrat zu erwarten sind", äußert sich Breest enttäuscht. Denn das vermeintliche Konzept behandele lediglich die Symptome, nicht aber die Ursachen.

So prognostiziert auch Hessens Verkehrsminister Tarek AlWazir (Grüne) auf Anfrage des Bad Vilbeler FDP-Landtagsabgeordneten Jörg-Uwe Hahn (FDP), dass auf der L 3008 im Bereich Büdinger Straße und Nordumgehung in Zukunft keine spürbaren Verbesserungen zu erwarten seien. Als Grund nennt er in einer Stellungnahme den deutlichen Bevölkerungszuwachs, der bis zum Jahr 2030 zu erwarten sei. Zudem könne mit dem Bau des Riederwaldtunnels, von dem sich auch Wysocki spürbare Entlastungen verspricht, erst 2020 begonnen werden. Die voraussichtliche Bauzeit beträgt dann noch ganze acht Jahre.

Kurzfristige Lösungen gefordert

Die Bürgermeister der Gemeinden, die am meisten von den Verkehrsstaus in Bad Vilbel betroffenen sind, fordern daher kurzfristige Lösungen. Und die lägen eindeutig auf dem Schienennetz, betonen Cornelia Rück (Schöneck, SPD), Gerhard Schultheiß (Nidderau, SPD) und Klaus Büttner (Niederdorfelden, SPD). Unterstützung bekommen sie dabei vom Glauburger Bürgermeister Carsten Krätschmer (SPD). Sie bekräftigen, mit dem Ausbau oder der Verbesserung der Niddertalbahn müsse umgehend begonnen werden. Einig sind sie sich auch darin, dass jeder Alleingang, wie jetzt der von Wysocki, der Sache nicht diene. "Nur gemeinsam sind wir stark und nur so können wir etwas beim Bund, beim Land oder auch bei der Bahn erreichen", kritisiert Büttner.

"In den vergangenen 30 bis 40 Jahren ist die Entwicklung komplett verschlafen worden. Und mit den von Wysocki vorgeschlagenen Maßnahmen würde es noch einmal weitere 20 Jahre dauern, bevor es zu einer Entlastung kommt", nimmt Nidderaus Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) Stellung. Auch er setzt auf den Ausbau der Niddertalbahn. Eine neue Straße durch den Frankfurt Grüngürtel hält er schon aus umweltrechtlichen Gründen für nicht machbar. Dagegen wehrt sich auch Cornelia Rück, denn damit würde der Verkehr Büdesheim übermäßig belasten. Zudem halten die Politiker wenig davon nur auf die Ampelumstellung an der Kreuzung der Büdinger Straße zu setzen und auf die Hilfe der umgebenden Gemeinden zu hoffen, wie dies Wysocki tue.

Aus dem Karbener Rathaus war keine Stellungnahme zu erhalten. Bekannt ist, dass die beiden Städte Bad Vilbel und Karben unterschiedliche Lösungsansätze beispielsweise hinsichtlich des Ausbaus der B 3 verfolgen.

Info

Was schlägt Verkehrsdezernent Wysocki vor?

"Masterplan Verkehrsentlastung Bad Vilbel 2030" nennt Bad Vilbels Verkehrsdezernent Sebastian Wysocki sein "Konzept zur Entlastung Bad Vilbels vom Durchgangsverkehr". Das sind die wichtigsten Vorschläge:

- Bau einer Südtangente vom Preungesheimer Dreieck via Friedberger Landstraße bis zur Bergener Umgehung.

- Die Straßenbahn-Linie 18 von Frankfurt bis nach Bad Vilbel verlängern.

- Den Ausbau der B 3 zwischen Massenheim und Karben von zwei auf vier Fahrstreifen bremst Wysocki aus. Für die Stadt Bad Vilbel" gehöre dieses Projekt "untrennbar" mit dem B 3-Ausbau in Karben zusammen." Für den Karbener Abschnitt aber gibt es bisher keine politische Einigkeit ? die Realisierung ist binnen mindestens der nächsten zehn Jahre unwahrscheinlich.

- Ausbau der S6, Elektrifizierung der Niddertalbahn nach Stockheim, Schnellbus nach Bad Homburg und Bergen-Enkheim zur U-Bahn-Station. "Langfristig" eine Regionaltangente Ost auf der Schiene von Bad Vilbel Richtung Offenbach, wofür die Planung "zügig angegangen werden" sollte.

- Ampeln anders schalten: Bis das alles soweit ist, stehen die Pendler weiter morgens und abends auf der L 3008 in und vor Bad Vilbel im Stau. Und was kann die Stadt hier selbst kurzfristig tun? "Wir sind an einer Änderung der Ampelschaltung zwischen Dottenfelderhof und der Friedberger Straße dran", erklärt Wysocki. Zur Entlastung will er die Kreuzung Büdinger/Gießener Straße/Im Rosengarten auch mit Ampeln ausstatten, damit der Verkehr flüssiger läuft.

- Langsame Lastwagen raus: Vor allem den langsam abbiegenden Schwerverkehr des Mineralwasserherstellers Hassia aus der Büdinger Straße fernhalten. Die Rosengarten-Zufahrt soll für Lastwagen gesperrt werden und der Hassia-Verkehr allein über die Zufahrt zur Friedberger Straße abgewickelt werden. "Mit Hassia wurde bereits konkret gesprochen", sagt Wysocki. (dpg)

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