Völlig zerstört ist diese Brücke über die Ahr in Ahrweiler nach der Flutkatastrophe.
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Völlig zerstört ist diese Brücke über die Ahr in Ahrweiler nach der Flutkatastrophe.

Hochwasserkatastrophe

Spendenkonto und schwere Maschinen: Eine Wetterauerin hilft den Flutopfern

  • VonChristine Fauerbach
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Eine Wetterauerin fährt ins Flutgebiet und findet ein Bild der Verwüstung vor. Auch das Haus einer guten Freundin ist komplett zerstört worden. Jetzt bittet die Vilbelerin um Hilfe.

Bad Vilbel – Die Bilder der Unwetterkatastrophe in Nordrhein-Westfalen Rheinland-Pfalz, Bayern und Sachsen sind brutal. Schlammlawinen verwüsteten in Sekunden ganze Städte, Dörfer, Existenzen. Häuser stürzten ein oder wurden verwüstet, die Infrastruktur zerstört. Die Not der Bevölkerung in den betroffenen Gebieten ist groß. Sie löste eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Unter den Hunderten von Helferinnen und Helfern sind auch viele aus Hessen in den Hochwassergebieten im Einsatz. Doch dringend benötigte Hilfe für die Hochwasseropfer kommt nicht nur von professionellen Rettern, sondern auch von Privatleuten.

Hilfe für Flutopfer aus der Wetterau: Hilfsgütern ins Krisengebiet

Eine von ihnen ist die Vilbelerin Daniela Hinkel. Sie ist in der vergangenen Woche erstmals mit Hilfsgütern und Geräten im Kofferraum nach Rheinland-Pfalz gefahren. Ihr Ziel: Bad Neuenahr-Ahrweiler. Dort wohnt eine Freundin, die sie seit Schultagen kennt. Bereits am Stadtrand endet die Fahrt für die Quellenstädterin. Nur noch eine der vier Brücken über die Ahr ist intakt. In der Stadt sind zwei Drittel der Häuser vom Hochwasser betroffen. Der Anblick ist erschreckend. »Der Eindruck vor Ort hat die Bilder im TV bei weitem übertroffen. Das Ausmaß der Schäden ist unvorstellbar. Schlimm ist der Gestank, den das Fernsehen nicht vermittelt. Es riecht penetrant nach Kloake«, sagt sie.

Bahngleise, Brücken, Mobilfunkmasten, Strom-, Gas- und Trinkwasserleitungen sind zerstört oder stark beschädigt. Straßen stehen unter Wasser oder versinken unter einer Schlammdecke. Hohe Barrieren aus Bäumen samt Wurzelwerk türmen sich in der Ortsmitte auf. Überall liegen Fahrzeuge herum. Teils hat sie die Wucht der Flutwelle auf Brückengeländer geworfen. Der Weg zum Haus ihrer Freundin wird für Daniela Hinkel zur Herausforderung. »Es war matschig und schwierig zu laufen.«

Hilfe für Flutopfer aus der Wetterau: Für jede Unterstützung dankbar

»Der Gestank ist besonders schlimm«, berichtet Daniela Hinkel.

Die Angst um ihre in Bad Vilbel geborene und aufgewachsene Freundin ist beim Blick auf die Zerstörung groß. Später erfährt Daniela Hinkel, dass eine Nachbarin, die im Rollstuhl saß, ertrunken ist, andere in letzter Minute von Feuerwehrleuten durchs Fenster gerettet wurden. »Wir sind seit der Schulzeit miteinander befreundet. Viele schöne Erlebnisse und Erinnerungen verbinden uns. Meine Freundin zog als junge Erwachsene nach Ahrweiler, gründete dort eine Familie, zog dann ihre zwei Kinder allein groß.«

In den 90er-Jahren kaufte sich die gebürtige Vilbelerin ein altes Häuschen, das direkt an die Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert gebaut ist. Das Haus war ihre Altersvorsorge. »Sie hat es renoviert und erst im vergangenen Jahr die Fassade sanieren lassen«, berichtet Daniela Hinkel. Zum Glück im Unglück hat ihre Freundin die Unwetterkatastrophe körperlich unversehrt überstanden. »Die reißende Flut bahnte sich ihren zerstörerischen Weg auch durch das kleine Haus meiner Freundin. Im Erdgeschoss stand das Wasser fast bis zur Decke hoch. Sie endete eine Handbreite unter der Zimmerdecke. Wohnzimmer, Küche, Bad, Parkett, Möbel, Geräte und alle Leitungen sind zerstört.« Das Haus ihrer Freundin muss komplett entkernt und saniert werden. »Der Schaden ist riesig und es gibt keine Versicherung, die dafür aufkommt. Wann und wieviel Hilfe von öffentlicher Stelle in Ahrweiler ankommt, ist ungewiss. Die Ahrweiler sind verzweifelt. Das Unwetter hat sie sehr hart getroffen. Sie sind für jede Hilfe dankbar.«

Hilfe für Flutopfer aus der Wetterau: Spendenkonto eingerichtet

Die Hilfsbereitschaft unter den Einwohnern sei riesig, denn »Not schweißt zusammen.« Beim Transport ihrer mitgebrachten, schweren Geräte vom Auto zur Straße ihrer Freundin halfen ihr spontan ein Baggerfahrer und sein Begleiter. »Die Geräte wie ein Bauentfeuchter, Stromerzeuger und Schmutzwasser-pumpen habe ich beim Geräteverleih Wetterau gemietet.« Zwar versperrten Treibgut und Schlamm den Weg in die Straße und zum Haus ihrer Freundin, aber die Hilfe der beiden Männer sei Gold wert gewesen. Mit dabei hatte Daniela Hinkel auch dicke Schläuche, Schaufeln, Eimer, Verlängerungskabel, Besen und Getränke. »Alle Geräte und Sachen kommen seit einer Woche in der Nachbarschaft meiner Freundin zum Einsatz.« Daniela Hinkel wird in dieser Woche erneut mit weiteren Hilfsgütern zu ihr fahren. Doch das reicht für die Sanierung des zerstörten Hauses nicht aus. Deshalb hat die Vilbelerin einen privaten Spendenaufruf gestart und dafür bei der Frankfurter Volksbank ein Konto eröffnet. Die Bankverbindung lautet: DE78 5019 0000 6901 0153 23. »Ich kann als Privatperson keine Spendenquittungen ausstellen, freue mich aber über jede Unterstützung für meine Freundin«, sagt Daniela Hinkel.

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