Ein soziales Kaufhaus für alle

Das Lieblingsstück gefällt oder passt nicht mehr, ist aber noch gut in Schuss? Viele spenden diese Kleider in den DRK-Kleiderladen in Bad Vilbel.

Das Lieblingsstück gefällt oder passt nicht mehr, ist aber noch gut in Schuss? Viele spenden diese Kleider in den DRK-Kleiderladen in Bad Vilbel.

Im Souterrain in einem Wohngebiet in Bad Vilbel findet man fast alles. Kleider, Hosen, T-Shirts, Anzüge, Brautkleider, Schuhe und Bettwäsche werden im Kleiderladen des Deutschen Roten Kreuzes Bad Vilbel in der Landgrabenstraße 10 angeboten. Aber auch Kinderspielsachen, Fahrräder, Laufräder, Bobbycars oder Möbel lassen sich finden. Der Kleiderladen von Silke Zuschlag ist wie ihr "drittes Kind". Sie ist Bereitschaftsleiterin des DRK in Bad Vilbel und führt den Laden. Ihre ganze Familie wird hier eingespannt. Zusammen mit 33 ehrenamtlichen Helfern betreibt sie das soziale Kaufhaus.

Verkauft wird fast alles im Kleiderladen. "Was reinpasst, nehme ich gerne", sagt Zuschlag. Sie habe auch schon Heckenscheren verkauft und nehme alles, was mit Textilien zu tun habe. Die Leute könnten alles bringen, aber "nur Sachen, die wirklich gut erhalten sind. Wenn man es selbst noch kaufen würde, ist es hier richtig." Möbel könne sie über Fotos vermitteln.

20 Prozent für Bedürftige

Die Sachen kann man zu den Öffnungszeiten direkt im Kleiderladen abgeben oder im Kleidercontainer um die Ecke werfen. Zuschlag und ihr Team nehmen die Stiefel dann mit in das Lager und begutachten sie. Nachdem die Stiefel überprüft sind und gegebenenfalls noch mal abgewischt wurden, wird der Preis festgelegt. Die Preise im DRK-Laden fangen bei vier Euro für eine Hose oder einen Rock, 2,50 Euro für ein T-Shirt oder 14,50 Euro für einen Anzug an. Bei Markenprodukten werden zwischen zwei und fünf Euro draufgeschlagen. Um die Preise festzulegen, fragt Zuschlag beispielsweise bei einem Fahrrad die Besitzer nach dem Alter des Rads und den Neupreis. Dann überlegt sie, was es auf Ebay oder Basaren noch kosten würde, und macht es dann immer noch etwas günstiger. Für Bedürftige mit Nachweis gibt es noch mal 20 Prozent Nachlass. Das sei aber der geringste Teil. Ob Jung oder Alt, alle kämen in den Kleiderladen. Generell sollten nur gut erhaltene, saubere Kleidungsstücke abgegeben werden. Das Team muss regelmäßig Kleidung aussortieren. Tausende Artikel gebe es hier. "Wenn ich 70 Blusen aussortiere, merke ich es nicht", erklärt Zuschlag.

In den Kleiderladen kommen viele Stammkunden – oft täglich, um zu schauen, ob es neue Dinge gibt. Am meisten ist dienstags im Kleiderladen los. Viele sortieren am Wochenende zu Hause aus und bringen dann dienstags die Sachen hier her. Im Februar sei allerdings nicht viel los. "Das ist ein toter Monat", sagt die Leiterin. Die Leute hätten ihre Winterkleidung schon gekauft und die fürs Frühjahr werde erst später eingekauft.

Zuschlag arbeitet eng mit der Stadt Bad Vilbel zusammen. Nachdem alle laufenden Kosten gedeckt sind, spendet Zuschlag regelmäßig Geld an soziale Projekte.

Leider gebe es aber auch unschöne Momente. Im Kleiderladen werde geklaut. "Das finde ich irre traurig", sagt die Rotkreuzlerin. In einem sozialen Kaufhaus, wo es generell günstiger ist und Ehrenamtliche arbeiten, sei es besonders armselig, dass Leute stehlen würden. Zudem würden die gespendeten Sachen nie verschenkt, da die Erwartung sonst dahin gehe. "Wir verschenken nichts, wir verkaufen." Aber auch mit Menschen, die um den Preis feilschen, habe sie ihre Last. Manchmal diskutierten die Kunden zehn Minuten und länger wegen 50 Cent. "Wir haben feste Preise. Wir sind hier nicht auf dem Flohmarkt."

Die DRK-Ortsvereinigung in Bad Vilbel möchte ein neues Domizil bauen und Fahrzeughalle, Rettungswache und Seminarräume an einem zentralen Ort zusammenbringen. Der DRK-Kleiderladen ist nicht davon betroffen. Er befindet sich in der Landgrabenstraße 10 und soll auch hier bleiben.

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