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Die Pfarrerinen Ulrike Mey (l.) und Christine Beutler-Lotz haben den Gottesdienst im Sommergarten gestaltet.

Sommertage als Hoffnungsschimmer

  • VonNiklas Mag
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Bad Vilbel (nma). Die Sommertage ersetzen diesmal den Vilbeler Markt, bedienen sich an dessen Traditionen. Einen festen Platz hat der sonntäglichen Schaustellergottesdienst. Normalerweise wird er im Autoskooter gefeiert. Eine Tradition auf dem Vilbeler Markt, um den Besuchern wegen der Pandemie mehr Platz zu bieten, diente diesmal der Sommergarten als Schauplatz.

Die Christuskirchengemeinde gestaltete den Gottesdienst gemeinsam mit Christine Beutler-Lotz von der evangelischen Schaustellerseelsorge der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau. »Ich freue mich total, dass wir diesen Gottesdienst feiern können. Das ist nicht selbstverständlich«, sagte Pfarrerin Ulrike Mey. Auf Bierbänken und unter Sonnenschirmen hatten sich zahlreiche Vilbeler niedergelassen. »Zwei Jahre ist der letzte Autoskooter-Gottesdienst her. Das war die Zeit als Corona nur eine Biermarke war«, erinnert sie. Lange konnten Gemeinden Gottesdienste nicht feiern. »Und mir fällt auf, dass wir in vielen Bereichen erst einmal aus dem Corona-Schlaf aufwachen müssen. Es ist nicht einfach, wieder an das Leben von früher anzuknüpfen.« Dennoch überwiege die Freude.

Begleitet wurde der Gottesdienst von Musikern der Christuskirchengemeinde. Den inhaltlichen Teil bestritten Mey und Beutler-Lotz gemeinsam. »Wo soll ich nur anfangen?«, fragt die Schaustellerseelsorgerin, die in den schwierigen Monaten für Schausteller eine wichtige Ansprechpartnerin gewesen ist.

Noch immer kein Alltag

»Noch immer haben Schausteller ihr Leben nicht zurück. Der Verlust aller Kontakte ist tiefgreifend.« Vor dem Beginn der Pandemie hätten die ersten Schausteller gerade ihre Wagen und Fahrgeschäfte fertig gemacht. Geld investiert und herausgeputzt. »Dann mussten sie alles wieder in die Hallen fahren.« Das soziale Leben sei für die viel reisendenden Unternehmer ebenso weggebrochen wie die Einnahmen.

»Stellen Sie sich das so vor: Die Schausteller wissen, sie kommen für ein paar Wochen nach Bad Vilbel. Sie haben hier dann ihre Kontakte«, erklärt Beutler-Lotz. »Metzger, Friseur, Bäcker, bekannte Gesichter. Das ist durch den Ausfall der Arbeit alles weggebrochen.« Das gehe nicht nur an die Existenz, sondern auch an das Innere, so Lotz. Geschmerzt habe es zudem, dass die Branche lange als Infektionsherd angesehen wurde. »Es gab kein Vertrauen in Hygienekonzepte, dabei sind Schausteller eigentlich so flexibel. Es hieß von den Behörden immer: ›Nächstes Jahr wieder‹«.

Erst mit den Sommertagen in Bad Vilbel habe sich das nun etwas gewandelt. Thomas Roie, Vorsitzender des Schaustellerverbandes Rhein-Main hatte schon bei der Ankündigung des Festes in der vergangenen Woche besorgt darauf hingewiesen, dass viele seiner Kollegen seit 2019 kein Geld mehr verdient hätten.

Ulrike Mey ergänzte: »Ich hoffe, dass diese Art des Herantastens an das, was geht und was nicht, eine neue Form des Miteinanders ist.« In der Christuskirchengemeinde würden die Chöre wieder proben und wenn die Pandemie eines gelehrt habe, dann, dass man immer flexibel sein müsse. Dass der Gottesdienst auf dem Vilbeler Markt auf diese Weise wie am Sonntag gefeiert werden konnte, sei dafür ein perfektes Beispiel.

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