Smart City

Smart City: Mega-Projekt in Bad Vilbel auf dem Prüfstand

  • vonThomas Kopp
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Smart-City-Entwickler Jörg Peter Schultheis musste sein Vorhaben im Bad Vilbeler Ausschuss verteidigen. Vieles ist noch unklar, und auch der Verkehr rund um den Quellenpark bleibt ein Thema.

Dem SPD-Mandatsträger Klaus Arabin ist es vorbehalten, am Dienstag in der Sitzung des Planungs-, Bau- und Umweltausschusses Projektentwickler Jörg Peter Schultheis aus der Reserve zu locken. So fragt er nicht nur, ob Schultheis jemals ein Projekt dieser Größenordnung gemeistert hat – geplant ist ein Innovationscampus mit 6500 dort arbeitenden und über 1000 dort temporär oder dauerhaft wohnenden Menschen.

Doch Arabin geht noch einen Schritt weiter: Bislang sei Schultheis nur durch eine innovative Friseurkette in Erscheinung getreten, aus der nie eine Kette geworden sei. Nun wolle er durch seinen finanzstarken Partner CESA rund 800 Millionen Euro in der Stadt investieren. "Wir haben viel Marketing-Dinge gehört, aber noch nicht einen Namen einer Firma, die dort einziehen soll. Stärken Sie mein Vertrauen in Ihre Vorstellungen", fordert er Schultheis dazu auf, konkret zu werden.

Ich hatte bis jetzt keinen Misserfolg

Jörg Peter Schultheis

Das kann der Bad Homburger Geschäftsmann nicht auf sich sitzen lassen. Ja, das mit der Friseurkette habe nicht so geklappt, wie er sich das vorgestellt habe. Trotz des Partners Procter & Gamble sei keine Kette daraus geworden, "aber ein sehr florierender Einzelbetrieb". Doch Schultheis habe weitaus mehr in seiner Karriere erlebt. Er spricht von einem Unternehmen mit 300 Mitarbeitern, das er mittlerweile veräußert habe. Auch habe er erfolgreich schnurlose Alarmanlagen im- und exportiert. "Ich hatte bis jetzt keinen Misserfolg", antwortet er.

Ein Projekt dieser Größe und dieser Strahlkraft existiere bislang weder in Deutschland noch in Europa. Deswegen habe er viele Profis mit ins Boot geholt, etwa die Architekten von Planquadrat, die in Indien eine intelligente Stadt und in Dubai modernste Gebäude errichten.

Seine Partner wollten nicht peu à peu, sondern das ganze Projekt in einem durchbauen. Nur dann könne man den Komplex im Ganzen vermieten. Schließlich sollen nach Schultheis’ Vorstellungen die Arbeiter verschiedener Firmen keine festen Büros beziehen, sondern sich auf dem gesamten Campus frei vernetzen und Ideen zusammenbringen. Bei 6500 Köpfen und einer geplanten Miete von 25 bis 28 Euro pro Quadratmetern lohne sich die Investition – nimmt man diese Zahlen als Basis, ergibt sich bei Vollauslastung eine Jahresmiete von gut 47 Millionen Euro.

Verkehrsproblem bleibt

Doch auch Thomas Reimann (FDP) erwartet mehr Substanz. Er will wissen, was es mit den immer wieder beschworenen Ankermietern auf sich habe. Schultheis antwortet, dass es mittlerweile Interesse an 60 000 der 141 000 zur Verfügung stehenden Quadratmetern gebe. Namen könne er dabei wegen der vereinbarten Vertraulichkeit nicht nennen, doch geht er etwa auf Gespräche mit einem größeren Technologieunternehmen aus Stuttgart ein. Aus den Absichtserklärungen der Unternehmen könnten erst handfeste Verträge werden, wenn Schultheis die Baugenehmigung habe. Dann soll es schnell gehen von der Grundsteinlegung im Jahr 2020 bis zur Fertigstellung 2024/2025.

Bleibt das Verkehrsproblem. Doch hier stößt Raimo Biere (Freie Wähler) mit seiner Kritik auf harsche Widerworte. Denn solange es keine Lösung für den täglichen Stau auf Nordumgehung und Homburger Straße gebe, wolle er keinem Projekt im Quellenpark mehr zustimmen.

Kein Car Sharing bei anderer Vermarktung

Das ruft eine umfassende Antwort des Ersten Stadtrats Sebastian Wysocki (CDU) hervor. Bad Vilbel habe vor über 20 Jahren die Voraussetzungen für die Vermarktung des Quellenparks geschaffen, inklusive der verkehrlichen Erschließung. Dadurch, dass es nun länger gedauert habe, hätte sich umliegender Verkehr die Straße erobert. Bad Vilbel könne deswegen aber nicht zurückstecken.

Wenn dort die Smart City nicht entstehe, werde das Gebiet anders vermarktet. Und da es dann vermutlich kein eigenes Mobilitätskonzept mit Car Sharing, 1500 Fahrradplätzen und mehr gebe, würden die Verkehrsprobleme an dieser Stelle noch größer. "Der Riederwaldtunnel wird kommen. Und der umliegende Verkehr wird wieder auf andere Strecken ausweichen, wenn im Quellenpark mehr Verkehr herrscht", ist er sich sicher.

Das überzeugt die Mehrheit von CDU, FDP und Grünen nach dreieinhalbstündiger Diskussion. Klaus Arabin (SPD) und Raimo Biere (FW) enthalten sich, Lucia André (SPD) enthält sich.

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