Das Geschrei der Graureiher, die auf dem Dortelweiler Friedhof nisten, stört manchen Anwohner. Doch Ronald Agel, dem Fachdienstleiter, der unter anderem für die Friedhöfe zuständig ist, sind noch keine Probleme zu Ohren gekommen.
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Das Geschrei der Graureiher, die auf dem Dortelweiler Friedhof nisten, stört manchen Anwohner. Doch Ronald Agel, dem Fachdienstleiter, der unter anderem für die Friedhöfe zuständig ist, sind noch keine Probleme zu Ohren gekommen.

Friedhofsgäste

Sind die Reiher auf dem Dortelweiler Friedhof Störenfriede oder Grund zur Freude?

  • vonPatrick Eickhoff
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Seit rund 1,5 Jahren haben sie auf dem Dortelweiler Friedhof ihr Zuhause gefunden. Doch die Graureiher, die in mehreren Nestern oben in den Bäumen sitzen, haben sich nicht nur Freunde gemacht.

Morgens 10.30 Uhr. Auf dem Friedhof in Dortelweil ist nicht viel los. Und auch von den Graureihern, die seit etwas mehr als einem Jahr am Lehnfurther Weg ihr Zuhause gefunden haben, sind nicht an ihren Nestern. »Das ist auch gut so«, sagt ein Anwohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. »Ich habe nichts gegen die Tiere, aber ich finde es sollte eine Lösung gefunden werden. Sie sind sehr laut.« Das störe nicht nur Anwohner, sondern auch die Friedhofsbesucher. »Mit letzter Ruhe hat das nicht immer viel zu tun.«

Ronald Agel, Fachdienstleiter Park- und Gartenanlagen, Freizeiteinrichtungen, Spiel- und Sportplätze sowie Friedhöfe, ist deutlich entspannter. »Wir haben mit den Vögeln keine Probleme«, sagt er. »Sie machen nichts an den Bäumen und bereiten uns bisher überhaupt keine Sorgen.« Doch der Fachdienstleiter betont, er sei »kein Vogelexperte« und könne deshalb nicht mit der größten Expertise aufwarten. »Aus unserer Sicht stören die Tiere nicht, und ein wenig Lärm, das muss man aushalten können.« Agel informiert, dass »man in Bad Vilbel mal einige Probleme mit Pfauen hatte«. Das sei deutlich lauter und anstrengender gewesen.

Reiher fressen Mäuse

Gewässerökologe Gottfried Lehr sind keine Beschwerden oder Probleme mit den Tieren bekannt. »Ich freue mich sehr, dass der Reiher wieder zurück in der Wetterau ist«, sagt er. Denn dieser fresse eben nicht nur Fisch, »sondern beispielsweise auch Mäuse«. Die Tiere könnten ja auch nicht erahnen, dass es sich um einen Friedhof handelt. »Das interessiert die Reiher nicht. Denen geht es darum, möglichst weit oben in einem großen Baum zu sein, und diese Möglichkeit ist auf dem Friedhof gegeben.«

Die Reiher haben gleich mehrere Nester gebaut.

Peter Paul vom BUND-Ortsverband erläutert, dass »die Reiher sehr wassergebunden sind«. Deshalb mag es auf den ersten Moment komisch vorkommen, wieso sie auf einem Friedhof beheimatet sind. »So weit ist es nicht«, ergänzt Gottfried Lehr. »Zu den Teichen sind es vielleicht zehn Flugsekunden, die laufen ja schließlich nicht dort hin«, sagt er und lacht.

Kaum Arbeiten an den Bäumen

Insgesamt könne man froh sein, wenn Tier- und Vogelarten wieder in den Wetteraukreis zurückkehren. »Und wenn man sich den Platz anschaut, dann ist der auch gar nicht so seltsam.« Die Möglichkeit, dass die Tiere sich vermehren, schließt Lehr aus. »Reiher bilden manchmal Kolonien, aber davon gehe ich in diesem Fall nicht aus.« Die Tiere seien ja schon einige Zeit vor Ort, und von größeren Problemen habe er nichts gehört. »Ich freue mich sehr, dass die Tiere wieder da sind.«

Und auch auf dem Friedhof reagiert man gelassen. »Wir lassen sie weitestgehend in Ruhe«, sagt Fachdienstleiter Ronald Agel. »Das heißt, wir versuchen auch an den Bäumen nicht so extrem zu arbeiten, um sie am Ende nicht zu verscheuchen oder zu erschrecken.«

Der Graureiher ist in etwa 90 Zentimeter groß und wiegt zwischen einem und drei Kilogramm. Das Gefieder auf der Stirn und dem Oberkopf ist weiß, am Hals grauweiß und auf dem Rücken aschgrau mit weißen Bändern. Er fliegt mit langsamen Flügelschlägen und zurückgezogenem Kopf. Graureiher ernähren sich hauptsächlich von Fisch, jedoch auch von Amphibien, Kleinsäugern, Reptilien, Jungvögeln und Insekten. Er brütet meist in Wassernähe und sucht auf Äckern und Wiesen sowie in flachen Gewässern nach Nahrung. Quelle: NABU

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