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Auf der Fläche rechts soll sich in Zukunft das Segmüller-Gebäude befinden. Links ist die die Nordumgehung kurz vor Massenheim zu sehen.

Möbelriese in Bad Vilbel

Segmüller-Ansiedlung in Bad Vilbel rückt näher: Aktuelle Planungen vorgestellt

Am Dienstagabend stellten mehrere Gutachter ihre Ergebnisse zu einer Segmüller-Ansiedlung in Bad Vilbel vor. Ziel ist die planungsrechtliche Verankerung des Möbelhauses.

Die »5. Änderung des Bebauungsplans Im Schleid« lautet der unscheinbare Tagesordnungspunkt hinter dem sich viel versteckt: 45 000 Quadratmeter Verkaufsfläche, davon 800 Quadratmeter Kleinsortiment, ein großer Parkplatz und ein bis zu 28 Meter hohes Gebäude. Das sind die Eckdaten für die Segmüller-Filiale, die in Bad Vilbel entstehen soll. Das entsprechende Gebiet wird im Süden von der L 3008 begrenzt, im Westen von der B 3. Die 13,4 Hektar große Fläche füllt damit einen großen Teil der Wiesen zwischen der Kernstadt und Dortelweil und ist vom Nordbahnhof per Fuß gut zu erreichen.

Segmüller-Filiale in Bad Vilbel soll kleinen Park bekommen

Um regionalplanerische Probleme zu vermeiden, hatte sich das Stadtparlament im Februar für eine komplette Neuplanung entschieden. Die ersten Gutachter-Berichte dazu wurden dem Ortsbeirat Kernstadt am Dienstagabend vorgestellt. »Damit soll die planungsrechtliche Grundlage zum Bau eines Möbelmarktes abgesichert werden«, erklärte Stadtplanerin Stefanie Horn von IMB-Plan. Büro- und Lagerflächen sowie ein Restaurant sind geplant, der Eingangsbereich öffnet sich nach Süden, genau wie die große Stellplatzanlage. Bis zu 28 Meter hoch wird das Gebäude sein. »Es wird nur so viele Stellplätze geben wie benötigt. Hinzukommen Abstellmöglichkeiten für Lastenfahrräder und Ladestationen«, sagte Horn. 30 Ladesäulen für E-Autos sind geplant, doch kann hier nachgerüstet werden.

Ihr Kollege Johannes Wolf berichtete über die Umwelteinflüsse des Möbelmarktes: »Ein kleiner Park im Osten beinhaltet ein Regenrückhaltebecken, das naturnah gestaltet wird und so auch ökologischen Wert schafft.« Das Dach werde zu 100 Prozent begrünt und auch eine Fassadenbegrünung in Richtung B 3. »Segmüller muss außerdem 148 000 Euro für den Eingriff in das Landschaftsbild zahlen.« Durch die Dachbegrünung liege das Gebäude aber mit Öko-Punkten deutlich im Plus. Schallschutzgutachter Yannick Zwilling kommt zu dem Schluss, dass sich der Lärm des Möbelhauses im Rahmen halten werde. Der Verkehrslärm hingegen würde passive Maßnahmen erfordern.

Segmüller kommt nach Bad Vilbel: „Büdinger Straße kaum belastet“

Verkehr ist ohnehin ein großes Thema bei der Segmüller-Ansiedlung. Denn in Kombination mit der neuen Therme und »Spring Park Valley« fürchten viele Vilbeler und auch die Opposition den Verkehrskollaps in und um die Quellenstadt, weshalb Experte Claas Behrendt von IMB-Plan eine Prognose für das Jahr 2030 erstellt hat. Dabei kam er zu sehr überraschenden Ergebnissen: »Dadurch, dass das Kleinsortiment von 3000 Quadratmetern auf 800 reduziert wurde, rechnen wir mit deutlich weniger Fahrten.« Interessant sei vor allem, dass die Büdinger Straße laut seinen Berechnungen kaum von der Segmüller-Filiale belastet werde. »Das Viadukt dort ist nur einspurig in jede Richtung. Die Leute wissen das, deshalb werden sich die Verkehre verlagern.«

Der Riederwaldtunnel werde ebenfalls viel abfangen können. »Die B 3-Auffahrten werden das Möbelhaus allerdings spüren. Trotzdem kamen wir hier zu befriedigenden Ergebnissen.«

Wirtschaftsforscherin Monika Kollmar erklärte: »Es gibt im Kleinsortiment kaum Überschneidungen mit der Frankfurter Straße. Wir sind tief in alle umliegenden Innenstädte eingestiegen und kommen zu dem Ergebnis, dass keine Zentren durch Segmüller geschädigt werden.« Andere Möbelhäuser wie Porta in Dortelweil würden die Auswirkungen aber vermutlich deutlich spüren. Das Einzugsgebiet der Segmüller-Filiale schätzt die Expertin auf zwei Millionen Menschen. Vor allem aus dem Norden kommende Kunden könnten 30 bis 45 Minuten Fahrtzeit in Kauf nehmen.

Bad Vilbel: Kritik an Planungen für Gastro-Betrieb im Segmüller

Susanne Lorenzini (Grüne) sieht die Ansiedlung von Gastronomie kritisch: »Der Radweg geht dort entlang, ich sehe hier eine Konkurrenz-Situation zur Innenstadt.« Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU) entgegnete: »Auch Kantinen in Bad Vilbel, wo es günstige Mittags-Angebote gibt, werden ja nicht überrannt. Ich denke, die gastronomischen Angebote in Bad Vilbel sind für Leute, die gemütlich essen gehen wollen, deutlich attraktiver als die in einem Möbelhaus.« Auch was die Verkehrsströme angeht, fragen die Grünen nach: »Das ist schwer vorstellbar«, kommentiert Andreas Lohbeck die Verkehrsprognose von Claas Behrendt. Dieser antwortet: »Sie kennen das von Baustellen. Wenn eine Straße gesperrt wird, gibt es danach ein paar Tage Chaos, dann suchen sich die Fahrer andere Wege.« So werde das auch in größerem Maßstab in und um Bad Vilbel geschehen, wenn das große Möbelhaus komme. Mit Gegenstimmen der Grünen wurde die Vorlage für die Änderung des Bebauungsplans durchgewunken. Am kommenden Dienstag tagt der Planungs,- Bau-, und Umweltausschuss. Auch hier steht die Änderung des Bebauungsplans auf der Tagesordnung.

13,4 Hektar umfasst das gesamte Gebiet. Seit über zehn Jahren wird über eine Ansiedlung des Möbelmarktes diskutiert. »Segmüller ist weiterhin am Standort interessiert«, erklärte der Erste Stadtrat Sebastian Wysocki im Frühjahr, neue Nachrichten dazu gibt es nicht. Knackpunkt war jahrelang das Kleinsortiment. Umliegende Kommunen fürchteten, dass Segmüller den Einzelhändlern die Kunden abgräbt, weshalb die hierfür vorgesehene Verkaufsfläche auf 800 Quadratmeter reduziert wurde. nma

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