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Knochenarbeit muss Peter Beltz leisten, um die Apfelbäume im Lehrgarten gegen den Mottenbefall zu schützen.

Apfelgespinstmotten

Schutz für Streuobstwiesen

  • VonNiklas Mag
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Der Obstbauverein rüstet sich für den alljährlichen Kampf gegen die Apfelgespinstmotte. Deren Larven bedrohen die Streuobstwiesen zwischen Bad Vilbel und Frankfurt.

Peter Beltz hieft sich das schwere Sprühgerät auf den Rücken. Rund 40 Kilogramm wiegt dieses, wenn es mit dem antreibenden Benzingemisch und natürlich dem Sprühstoff vollgetankt ist. Der Motor rattert und ein feiner Sprühnebel trifft die Apfelbäume im Lehrgarten des Obstbauvereins Bad Vilbel südöstlich des Roten Berges.

Etwas mehr als 50 Obstbäume stehen in diesem Lehrgahrten des Obstbauvereins Bad Vilbel. Ein paar wenigen ist der Befall durch die Gespinstmotte immer noch anzusehen. Sie tragen nur stellenweise Blätter oder wirken völlig verdörrt.

»Die Larven der Apfelgespinstmotte wickeln die Bäume in ein weißes Netz ein und zerfressen dann die Blätter. Das überlebt ein Baum vielleicht ein oder maximal zwei Mal, aber es ist verheerend«, weiß Peter Beltz. Über mehrere Jahre würden überlebende Bäume dann nur noch verkümmerte Früchte tragen und seien anfällig für einen weiteren Angriff der Mottenlarven, die sich derzeit viel zu stark ausbreiten. Die zu warmen Winter und steigenden Temperaturen der vergangenen Jahre würden dazu führen, dass die Populationen der Motten im Winter nicht mehr ausreichend reduziert werden, erzählt Beltz. Das kippt das Gleichgewicht und sorgt für starken Befall und damit in weiß eingehüllte Streuobstwiesen mit absterbenden Apfelbäumen.

Wie ein Tropfen auf den heißen Stein

»Wir haben die Bäume im Winter gestutzt. Die Tiere sitzen gerne auch in den Astgabeln, weshalb wir einige Bäume zurückgeschnitten haben.« Diese regelmäßige Pflege sei in Kombination mit dem speziellen biologischen Mittel, das Beltz auf den Bäumen verteilt, die einzige Chance, die Streuobstwiesen vor Befall zu schützen. »Der Dottenfelderhof hilft dabei ganz stark mit und die Stadt Bad Vilbel und die Gerty-Strohm-Stiftung tragen die Kosten«, sagt Beltz. Leider sei die Arbeit des Obstbauvereins ein Tropfen auf dem heißen Stein.

»Hier im Vilbeler Wingert gibt es viele Grundstücke mit Streuobstwiesen, wo kaum klar ist, wem die gehören. Viele Leute wissen nicht einmal, dass sie hier irgendwann mal eine Wiese geerbt haben«, sagt Beltz. Diese Wiesen blieben ungepflegt und böten der Apfelgespinstmotte so eine Möglichkeit, sich völlig ungestört ausbreiten zu können. »Wir sind als Obstbauverein dran, ein Kataster zu erstellen, um Besitzer kontaktieren zu können. Aber das Liegenschaftsamt darf wegen Datenschutz keine Daten herausgeben.« Dementsprechend lückenhaft seien die Informationen und mühsam deren Beschaffung. »Wir würden als Obstbauverein den Leuten durchaus die Pflege abnehmen.«

Schließlich sei es nicht nur im Zuge der Gesundheit der Streuobstwiesen, sondern auch im Sinne aller Vilbeler nötig, die Apfelgespinstmotte im Zaum zu halten. »Man stelle sich vor, zum Hessentag sind die Streuobstwiesen ganz in weiße Gespinste eingewoben«, gibt Beltz zu bedenken.

Prävention zahlt sich aus

Der Obstbauverein wolle nun die warmen Tage nutzen, um die Bäume weiter mit dem Mittel zu bearbeiten, denn dieses wirkt nur, wenn es über 15 Grad warm ist und innerhalb von drei Tagen kein Regen fällt. Immerhin: Nach einem extrem starken Befall in 2017, der das Problem für jeden sichtbar gemacht hatte, zahle sich die aufwendige Prävention des Obstbauvereins aus.

»Wir hatten im vergangenen Jahr eine wirklich gute Ernte. Der Befall durch die Motte war im Rahmen.« Beltz hofft darauf, dass sich in Zukunft Besitzer von Streuobstwiesen auffinden lassen und der Apfelgespinstmotte durch großflächige Pflege der Streuobstiwesen wieder etwas Boden entzogen werden kann.

320 Tage im Larvenstadium

Etwa 320 Tage dauert das Larvenstadium der Gespinstmotte. In dieser Zeit leben sie unter ihren selbstgesponnen Gespinsten. Sie durchlaufen verschiedene Entwicklungsschritte, die in einer etwa dreiwöchigen Puppenruhe endet. Die weißen Mottenfalter, zu denen sich die Raupen entwickeln, sind in der Dämmerung aktiv und haben eine Lebenserwartung von etwa 20 bis 30 Tagen. Nach fast als zwei Wochen beginnen die Weibchen damit, bis zu 150 Eier in weiteren Apfelbäumen zu verteilen. nma

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