Im Herzen des alten Bad Vilbel: Eckhardt Riescher empfängt seine Gäste als Schultheiß Bermann vor dem Brunnen- und Bädermuseum. FOTOS: NIKLAS MAG
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Im Herzen des alten Bad Vilbel: Eckhardt Riescher empfängt seine Gäste als Schultheiß Bermann vor dem Brunnen- und Bädermuseum. FOTOS: NIKLAS MAG

Mit dem Kulturführer

Mit dem Schultheiß auf Entdeckungstour

  • vonNiklas Mag
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Der Rote Berg liegt im Bad Vilbeler Nordosten und ist bekannt als ehemaliges Weinanbaugebiet, doch auch für den roten Sandstein, der hier über viele Jahre abgebaut wurde. Historiker Eckhardt Riescher gab nun interessante Einblicke.

Wegen der Corona-Pandemie ist es schon länger her, dass Historiker Eckhardt Riescher seine historische Kleidung aus dem Schrank holen konnte. Doch am Samstag führte der Experte wieder eine kleine Gruppe durch die Quellenstadt und hinauf auf den Roten Berg. Was klingt, wie einem Tolkien-Roman entsprungen, bezeichnet letztlich die Erhebung in Bad Vilbels Nordosten, flankiert von der Hanauer Straße und der Lohstraße. "Aus Tirol zogen zwei Brüder mit dem Nachnamen Bermann im 17. Jahrhundert nach Bad Vilbel. Matthias Bermann verkörpere ich heute", erklärte Eckhardt Riescher den Teilnehmern der Exkursion vor dem Brunnen- und Bädermuseum in der Innenstadt.

Historisch korrekt war Riescher gekleidet, konnte die Schutzmaske für bessere Verständlichkeit weglassen, aber die Teilnehmer trugen sie überall, wo es etwas enger wurde. "Ich verkörpere heute Schultheiß Matthias Bermann", fuhr Riescher fort. Die reiche Familie Hindelang hatte damals Werbung für das Dorf Vilbel gemacht, beide Bermann-Brüder kamen schnell in der Quellenstadt an, einer heiratete sogar in die Familie Hindelang ein. "Der Familie gingen schließlich die Erben aus und plötzlich sah sich Matthias Bermann in der Verantwortung, das Familiengeschäft weiterzuführen", so Riescher.

Bermann habe über die drei Vilbeler Steinbrüche die Kontrolle gehabt und sei zudem Schultheiß der Stadt gewesen. An verschiedenen Stellen in Bad Vilbel ist der typische rote Sandstein aus den Vilbeler Steinbrüchen zu sehen. Einige Mauern tragen ihn, auch die Wasserburg und das Haus in der Frankfurter Straße 1. "Vilbeler Fachwerkhäuser stehen typischerweise in einem etwas schrägen Winkel zur Straße und haben kleine Fenster an den Seiten. Das war Absicht, damit die Bewohner aus dem Haus in die Straße sehen können", weiß der Historiker. Anfang des 18. Jahrhunderts habe es in Vilbel einen Wasser-Boom gegeben. Weiterhin seien in der Frankfurter Straße zahlreiche Gasthäuser und Wirtshäuser entstanden.

"Nahezu jedes zweite Haus war eines davon", so Riescher auf dem Weg durch die Frankfurter Straße. Dazu hätten der Goldene Engel gehört, aber auch das Haus "Zur Krone", in dem noch heute ein gleichnamiges Restaurant sitzt, wenn das Haus auch ein Neubau ist. Ein Friseur befindet sich mittlerweile im ehemaligen Gasthaus "Zur Rose". "Diese hatten einen tollen Garten mit einem Steg über die Nidda", weiß Riescher. Das Geschäft sei gut gelaufen, allerdings hätten viele über den Steg die Zeche geprellt, so dass der Wirt ihn wieder entfernen musste.

Straße in den Berg gebaut

Riescher führte die Gruppe sodann in Richtung Christuskirche, den Grünen Weg entlang. Bis vor knapp 100 Jahren war dieser lediglich ein Feldweg. Die Hanauer Straße sei im Prinzip in den Berg geschlagen worden, älteren Häusern würde man die "Schalen" noch ansehen, die für ihre Erbauung aus dem Berg geschlagen wurden. Immer höher stieg die Gruppe zum alten Steinbruch. Meterhohe Wände aus rotem Sandstein, Markierungen von Arbeitern und Bohrlöcher für Sprengladungen zeugen noch vom Abbau-Alltag und lassen keinen Zweifel mehr, warum der Berg "rot" genannt wird.

"Gäbe es in Bad Vilbel keine Burg, wäre das auch eine tolle Kulisse für Festspiele", findet der Stadtführer. Am oberen Rand des Steinbruchs ging es dann entlang über zugewucherte Weinterrassen durch das ehemalige Weinanbaugebiet. Der Wetterauer Wein war allerdings, wie Riescher erläuterte, eher eine Art Alltagswein.

Nächste Führung

Auf www.geschichtsvereinbad-vilbel.de können Gruppen Führungen zu verschiedenen Themen buchen. Sogar nachts führt Eckhardt Riescher mit Taschenlampen durch den Steinbruch. Am Samstag, 31. Oktober, startet um 18 Uhr die Führung "Von großen und kleinen Schurken" mit Riescher als Nachtwächter vor dem Brunnen- und Bädermuseum. Anmeldeformular auf der Webseite; Infos unter Tel. 0 61 01/55 93 12. nma

Auf www.geschichtsvereinbad-vilbel.de können Gruppen Führungen zu verschiedenen Themen buchen. Sogar nachts führt Eckhardt Riescher mit Taschenlampen durch den Steinbruch. Am Samstag, 31. Oktober, startet um 18 Uhr die Führung "Von großen und kleinen Schurken" mit Riescher als Nachtwächter vor dem Brunnen- und Bädermuseum. Anmeldeformular auf der Webseite; Infos unter Tel. 0 61 01/55 93 12. nma

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