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Holger Schneider ist verärgert. Schon wieder soll er eine Vertragsstrafe an die Firma Parkwatcher berappen, weil er sein Auto auf dem Rossmann-Parkplatz an der Frankfurter Straße abgestellt hatte. Im Drogeriemarkt hat er eingekauft.

Rossmann-Parkplatz

Wieder Abzock-Ärger in Bad Vilbel: „Es geht Parkwatcher nichts an, was meine Frau macht“

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Holger Schneider hat schon wieder Ärger mit der Firma Parkwatcher. Schauplatz ist der Rossmann-Parkplatz an der Frankfurter Straße 120 in Bad Vilbel.

Bad Vilbel – Als Holger Schneider Mitte April mit seiner Frau und der kleinen Tochter einkaufen ging, ahnte er noch nichts von dem kommenden Ärger. Ziel des Paars aus Niederdorfelden war die Rossmann-Filiale an der Frankfurter Straße 120 in Bad Vilbel, wo Schneider erneut ein Erlebnis mit der Firma Parkwatcher hatte.

Schon 2019 hatte sich der heute 60-Jährige an diese Zeitung gewendet, weil er sich abgezockt fühlte. Damals hatte er den Rossmann-Parkplatz nach einem Einkauf im Drogeriemarkt für zwei oder drei Minuten verlassen, weil er auf der anderen Straßenseite Immobilienangebote im Fenster einer Bank anschauen wollte. Das wurde ihm als »widerrechtliches Parken« ausgelegt, was eine Geldforderung über 36 Euro von Parkwatcher zur Folge hatte. Sein Anwalt widersprach, Schneider hörte nie wieder etwas von der Sache. Nun ist etwas Ähnliches passiert, diesmal geht es um 37,50 Euro.

»Wir haben das Auto abgestellt, ich bin einkaufen gegangen - bei Rossmann und nirgendwo anders. An der Kasse sagte meine Frau, sie geht mit der Tochter schon mal raus, weil sie noch was erledigen will«, schildert Schneider. Er kaufte viel, Windeln und Milchnahrung für rund 100 Euro. Anschließend ging er zum Auto, »da kam auch meine Frau schon wieder«. Er lud ein, chauffierte nach Hause und sah einen Zettel der Parkwatcher an der Scheibe. Wie Schneider vermutet, dürfte der Parkwächter gesehen haben, wie die Ehefrau eine Tasche aus dem Auto holte und auf die andere Straßenseite ging.

Ärger um Parkwatcher in Bad Vilbel: Beobachtete jemand Frau und Kind?

»Ich habe gewartet, bis eine Zahlungsaufforderung kam und dann eine E-Mail geschrieben. Parkwatcher antwortete mir schon am nächsten Tag per Brief. Sie gingen aber auf den genauen Sachverhalt nicht ein, sondern schickten einen Standard-Vordruck.« Darin stand, Schneider habe gegen die Geschäftsbedingungen verstoßen und solle zahlen. Wie das Unternehmen mitteilte, war dies bereits die letzte Aufforderung.

Schneider gab den Vorgang wieder seinem Anwalt, der einen Brief aufsetzte. »Er hat geschrieben, dass es Parkwatcher nichts angeht, was meine Frau macht, sondern dass ich Fahrzeughalter bin und das Gelände nicht verlassen habe.« Von dem Gebaren der Parkwatcher hält Schneider nichts, »es ist unverschämt«, betont er. Er will den Vorfall publik machen, da sich viele Leute seiner Ansicht nach einschüchtern lassen.

Nach wie vor wollen Holger Schneider und seine Frau bei Rossmann einkaufen. »Wir sind öfter in Bad Vilbel und gehen gerne dorthin«, sagt er. Allerdings findet es Schneider nicht kundenfreundlich, die Parkplätze so rigide kontrollieren zu lassen. Seines Erachtens warten die Mitarbeiter von Parkwatcher nur darauf, jemandem eine Knolle verpassen zu können. Laut der Pressestelle der Dirk Rossmann GmbH (Burgwedel) überwachen Parkordnungsdienste wie beispielsweise Parkwatcher viele Stellplätze der Rossmann-Ladengeschäfte. »Hinweise darauf finden unsere Kundinnen und Kunden auf entsprechenden Schildern am Parkplatz«, erklärt eine Sprecherin des Unternehmens Auftraggeber der Parkraumüberwachung sei aber nicht Rossmann, sondern der Eigentümer der jeweiligen Parkfläche.

Bad Vilbel: Ordnungsdienste überwachen Parkplätze

»Die Dirk Rossmann GmbH ist im Falle Bad Vilbel lediglich Mieter des Ladengeschäftes und hat keine Verträge mit dem Parkordnungsdienst«, heißt es weiter aus der Pressestelle. Daher habe Rossmann keine Weisungsbefugnisse gegenüber Parkwatcher.

In der Regel kämen die Parkordnungsdienste den Kunden und Kundinnen mit einer kulanten Stornierungsregelung entgegen, sofern diese nachweisen können, einen entsprechenden Einkauf getätigt zu haben. Als Nachweis diene beispielsweise ein Kassenbeleg. Die Firma Parkwatcher meldete sich auf Anfrage dieser Zeitung zwecks Stellungnahme nicht.

Vertragsstrafe statt Bußgeld

Laut dem ADAC sind Knollen von privaten Parkordnungsdiensten auf Supermarktplätzen vom Grundsatz her rechtmäßig. Das Falschparken auf privatem Grund gilt demnach als Besitzstörung, weshalb Grundstückseigentümer wie beispielsweise Supermärkte dagegen vorgehen können. Viele Supermärkte beauftragen laut ADAC private Parkraumbewirtschafter, die Verstöße wie falsches oder zu langes Parken ahnden können, sofern sie die Geschäftsbedingungen ausgeschildert haben. Bei den Knollen handelt es sich nicht um Bußgelder, sondern um Vertragsstrafen. (ihm)

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