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Corona-Fall in Bad Vilbeler Kita

Schlange stehen für Sicherheit

"Ausnahmezustand" in der Kita Kunterbunt: In Bad Vilbels größter Kindertageseinrichtung awurde nach einem positiven Coronafall am Sonntag zum Massentest geladen.

Vor der Kita Kunterbunt an der Elisabethenstraße kommen im Minutentakt neue Kinder mit ihren Eltern an, bis auf den Bürgersteig reicht die Schlange zwischenzeitlich. Langsam, aber stetig bewegen sich die Wartenden vorwärts, durch das kleine Tor der Kita hindurch am Eingang vorbei auf das Außengelände.

"Wann bin ich dran, Mama?", fragt ein kleines Mädchen. Ebenso wie die anderen rund 130 Kinder in der Ü3-Betreuung muss sie an diesem Sonntagvormittag zum Coronatest.

Denn ein dort betreutes Kind wurde jüngst positiv auf das Virus getestet, wie der Wetteraukreis am Donnerstag mitgeteilt hatte. "Wegen eines Falls in der Familie wurde auch das Kind getestet, das Ergebnis fiel positiv aus", hieß es. "Da das Kind jedoch asymptomatisch war, besuchte es vor dem Test weiterhin die Kita." Die Folge: Alle Erzieher und Kinder der Ü3-Betreuung sowie der Hortbetreuung müssen in Quarantäne, zudem wurde durch das Gesundheitsamt zum Test gebeten.

Kostenfreier Massentest

Diese Massentests, bei denen auch asymptomatische Personen kostenfrei getestet werden, hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Juni installiert, um Ausbrüche an Schulen und Kitas früh zu erkennen und einzudämmen. Für die Kita Kunterbunt sei die aktuelle Situation durchaus eine "Ausnahmesituation", die sich niemand gewünscht habe, sagt Leiterin Susanne Erdmann.

Gemeinsam mit ihrem Team ist sie tätig - jedoch nur unterstützend für das Gesundheitsamt. Denn: Mit Auftreten eines Coronafalls in der Kita greift das Infektionsschutzgesetz, das Gesundheitsamt übernimmt die weiteren Schritte, die dann nicht mehr in der Verantwortlichkeit der Kita liegen, erklärt Erdmann. "Das Gesundheitsamt hat uns die gesamte Zeit sehr gut und eng begleitet", lobt sie.

So auch an diesem Sonntag: An zwei Teststationen streichen auf dem Spielplatz Mitarbeiter des Gesundheitsamts Kinder und Betreuungspersonen ab. "Wir haben eigens für diesen Fall eine Sonderschicht beim Landeslabor vereinbart, so dass die Testergebnisse schon am Sonntagabend oder Montagvormittag zu erwarten sind", erklärte Amtsarzt Dr. Reinhold Merbs im Vorfeld.

Auch dieser schnelle und vergleichsweise reibungslose Ablauf sowie die gute Kommunikation sind es, die auch die Eltern Verständnis zeigen lassen. "Natürlich könnten wir uns an einem Sonntag Schöneres vorstellen", sagt eine Mutter.

"Aber wir machen uns schon Sorgen und es ist gut, dass wir bald Gewissheit haben." Trotz der "Ausnahmesituation" ist von Chaos oder Panik dabei keine Spur. Im Gegenteil: Der Aufbau der Teststationen etwa sei so fix von statten gegangen, dass man bereits um eine halbe Stunde früher als geplant die ersten Tests hätte vornehmen können, erzählt eine Mitarbeiterin.

Nach 75 Minuten ist alles erledigt

"Bereits nach 75 Minuten waren alle Tests durchgeführt, die Proben konnten deshalb sogar früher als geplant an das Labor geschickt werden," teilte der Bad Vilbeler Sozialdezernent Jörg-Uwe Hahn nach einem Abschlussgespräch mit den Beteiligten mit.

"Bestenfalls ergeben sich keine weiteren positiven Fälle", hofft Einrichtungsleiterin Erdmann. Zwar wird die Anordnung der Quarantäne in jedem Fall weiter bestehen bleiben, unabhängig von den Testergebnissen. Denn: Ein Coronatest gilt aus medizinischer Sicht immer nur als Momentaufnahme; ein Ergebnis nie als hundertprozentige Sicherheit zu verstehen.

Dennoch ist die Aussage gerade den Eltern, bei denen Kita-Leiterin Erdmann in den vergangenen Tagen große Sorge beobachtet hat, wichtig. "Abstands- und Hygieneregeln halten wir ohnehin ein, aber natürlich wären wir bei einem positiven Testergebnis noch deutlich vorsichtiger, um Ansteckungen zu vermeiden", sagt ein Vater gerade mit Blick auf das Familienleben.

Nun hoffen alle Kitaeltern - und Angestellte auf das Testergebnis.

Quarantäne bis 3. September

In der Kita Kunterbunt wurden alle Erzieher und Kinder der Ü3-Betreuung (circa 80) und der Hortbetreuung (50) seit Freitag bis einschließlich 3. September unter Quarantäne gestellt. Ausgenommen sind ausdrücklich die rund 25 Kinder und Erzieher in der U3-Betreuung, da diese getrennt von den anderen Gruppen betreut werden. Die Angehörigen der betroffenen Kinder sind laut Wetteraukreis von der Quarantäne nicht betroffen. Sie können also zur Arbeit oder in die Schule gehen. Arbeitgeber und Schulen sollten aber darüber informiert werden, dass man in einem Haushalt mit einem Kind in Quarantäne lebt. Zudem sollte jeder auf mögliche Symptome achten. jkö

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