Endlich was zu tun: Daniel Schneider (l.) und Dieter Becker freuen sich, dass es wieder ein kulturelles Angebot in Bad Vilbel gibt. 	FOTO: PATRICK EICKHOFF
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Endlich was zu tun: Daniel Schneider (l.) und Dieter Becker freuen sich, dass es wieder ein kulturelles Angebot in Bad Vilbel gibt. FOTO: PATRICK EICKHOFF

Daniel Schneider organisiert Kulturprogramm

Schicksal selbst in die Hand nehmen

  • vonPatrick Eickhoff
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Heute startet vor dem Dortelweiler Sport- und Kulturforum die Reihe »Summer-Emotions«. Veranstaltungstechniker Die Gäste dürfen sich auf Theater, Lesungen, Coverbands und international bekannte Artisten freuen.

Selten hat sich Daniel Schneider so gefreut, seine Bühne in einen Lkw zu laden. Den selbstständigen Meister für Veranstaltungstechnik hat die Corona-Krise schwer getroffen. Keine Veranstaltungen, keine Aufträge. »Ein Ende ist erst mal nicht in Sicht«, bedauert er. Deshalb nimmt er sein Schicksal selbst in die Hand. Heute startet ab 19 Uhr sein Festival »Summer-Emotions« auf dem Platz vor dem Sport- und Kulturforum. In den kommenden drei Wochen gibt es jeden Abend Unterhaltung für bis zu 250 Gäste. »Von Poetry-Slam, Theater bis zu Musikern und Artisten ist für jeden etwas dabei.«

Demonstration in Köln als Auslöser

Die Idee ist Schneider gekommen, als er Mitte Mai von einer Demonstration in Köln hörte, die darauf aufmerksam machen sollte, dass Veranstaltungen mit dem richtigen Abstand möglich sind. »Ich bin zwar kein Veranstalter, sondern eher Techniker, aber ich wollte zeigen, dass das auch in Bad Vilbel geht.« Hilfe bekommt er von Künstler Dieter Becker. »Ich habe mein Netzwerk genutzt und mich um die Künstler gekümmert«, sagt er. Auch sein Terminkalender ist derzeit leer. »Normalerweise plant man das ganze Jahr durch. Jetzt ist bis Ende des Jahres nichts geplant.«

Becker kündigt an, dass sich die Zuschauer über ein starkes Programm freuen dürfen. »Die Künstler treten teilweise im Ausland auf, haben normalerweise ausgebuchte Terminkalender.« Den Auftakt macht heute die Coverband »LeeCovers«, die sich Soul- und Discosounds widmet. Danach folgte eine bunte Mischung. Von bekannten Comedians wie Jörg Knör und Andy Ost über Magier Harry Keaton bis hin zum Kindertheater ist die Bandbreite groß. Ein ganz besonderes Highlight sei auch die Show der »Sterne des Varietés«. Becker verrät: »Sie haben sogar die Weltmeisterin im Cyr-Wheel dabei.« Artistin Carmen Lück zeigt in dem halben Rhönrad - ein rund zwei Meter durchmessender Ring aus Stahl - Teile ihrer Weltmeisterkür in Bad Vilbel.

Besonders freut die beiden, dass die Künstler auf Gagen verzichten. »Sie haben sofort gesagt, dass sie für den Eintritt spielen und das Projekt gerne unterstützen wollen«, sagt Schneider, der natürlich hofft, dass das Risiko sich auszahlt. »Uns allen sind die Einnahmen weggebrochen.« Dieter Becker freut sich indes auf eine ganz spezielle Ausgabe des Kleinkunst-Cafés. »Im Haus der Begegnung haben wir dafür leider keine Möglichkeit. Jetzt gibt’s die Open-Air-Variante.«

Unterstützung von Gastronomen

Unterstützung kommt auch von der örtlichen Gastronomie. »Die Genusserie, Apfelkern & Kolibri und der Lindenhof kümmern sich um die Bewirtung der Gäste«, freut sich Schneider. Einlass für die Veranstaltungen um 19 Uhr ist immer um 17.30 Uhr. »Dann haben die Gäste auch genug Zeit, sich zu stärken.« Bad Vilbel hält zusammen. »Ich habe lange nach dem passenden Platz gesucht, bis die Stadt es mir ermöglicht hat, das Festival in Dortelweil zu organisieren.« Jetzt hoffen er und Dieter Becker darauf, dass viele Leute kommen und diese sich dennoch an die Abstände und Hygieneregeln halten.

Die Gäste dürfen als Toiletten die Anlage im Sport- und Kulturforum nutzen. »Dafür sind wir sehr dankbar«, sagt Schneider. Das sei nicht selbstverständlich. Denn die »Summer-Emotions«-Reihe sollte auch in Frankfurt stattfinden. Weil er aber wegen aktueller Verordnungen keine Dixi-Häuschen aufstellen darf, hätten es Toilettenwagen sein müssen. Da gab es unter anderem Probleme mit dem Anschluss. »Deshalb haben wir die Veranstaltung in Frankfurt abgesagt und konzentrieren uns ganz auf Bad Vilbel.«

Karten werden in Tischgruppen verkauft. »Wir orientieren uns an einer Varieté-Bestuhlung. Mit den Tischen bekommen wir eine Struktur, und die Gäste können beim Programm etwas Essen oder Trinken.«

Dass zufälligerweise auch der Theatersommer in der Burg in diesen Tagen startet, stört die beiden Organisatoren nicht. »Wir hatten ein Gespräch mit Intendant Claus-Günther Kunzmann. Ich denke nicht, dass es große Überschneidungspunkte gibt«, sagt Schneider. Die beiden sind optimistisch und hoffen selbstverständlich auf gutes Wetter. »Auch wenn die Vorsicht zu Recht groß ist, hoffen wir, dass die Leute Lust auf Kultur haben.« Wer weiß, vielleicht hat Daniel Schneider seinen Lkw dann in diesem Jahr auch nicht zum letzten Mal beladen.

Informationen zu zahlreichen Veranstaltungen gibt es unter info090140.wixsite.com/summer-emotions. Karten gibt es auf https://bit.ly/3fO5OIF. Sie kosten zwischen 5 und 30 Euro. Die Tickets werden in Zweier-, Dreier-, Vierer- und Sechser-Tischgruppen verkauft. Hintergrund ist die bestmögliche Umsetzung der Hygieneregeln. wpa

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