Oberleitungs- und Weichenarbeiten werden entlang der Main-Weser-Bahn erledigt, hier hinter dem Bad Vilbeler Bahnhof in Höhe des Abzweigs zur Niddertalbahn. Deshalb ist die Strecke komplett gesperrt worden.
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Oberleitungs- und Weichenarbeiten werden entlang der Main-Weser-Bahn erledigt, hier hinter dem Bad Vilbeler Bahnhof in Höhe des Abzweigs zur Niddertalbahn. Deshalb ist die Strecke komplett gesperrt worden.

S6-Ausbau

S6-Ausbau: Neue Masten für die S-Bahn

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Die Bahnhöfe zwischen Dortelweil und Frankfurt-West waren gleich an zwei Wochenenden menschenleer. Denn dort kommt das Ausbauprojekt für die beiden S-Bahngleise voran.

Langsam erhebt sich der gelbe Förderkorb in die Höhe. Auf der Plattform stehen zwei Arbeiter. Ganz oben am Mast angekommen, stoppen sie das Teil. Gegenüber passiert genau das gleiche. Die beiden Förderkörbe auf den kombinierten Straßen- und Schienen-Fahrzeugen stehen auf den Gleisen der Main-Weser-Bahn, schweben eher weit darüber, ungefähr in Höhe, wo hinter dem Bad Vilbeler Bahnhof die Niddertalbahn in Richtung Gronau abzweigt. In luftiger Höhe verrichten die Arbeiter ihr Werk. Sie spannen neue Fahrdrähte quer über die Gleise. An mehreren Tagen fahren sie immer wieder hoch und runter, um die in der Fachsprache Querfeld-Drähte genannten Leitungen einzuziehen.

Ein paar hundert Meter gen Süden sind weitere Trupps im Einsatz, denn dort werden neue Masten gesetzt. Auf freier Strecke südlich von Bad Vilbel, zum Teil auf Frankfurter Gemarkung. Eigentlich sollte ein Helikopter die Masten aus dem Lager neben dem Vilbeler Nordbahnhof holen und von oben neben die Gleise setzen. Eine heikle Mission, denn die Piloten müssen dabei so vorsichtig agieren, dass sie die bestehenden Leitungen nicht zerstören. Doch der angesagte Helikopter blieb aus. Grund: Wegen der Corona-Pandemie durften die beiden Schweizer Piloten nicht einreisen oder hätten erst einmal 14 Tage in Quarantäne gemusst.

S6-Ausbau Wetterau: Bahnstrecke zweimal gesperrt

Der Projektleiter für den Streckenausbau musste also umdisponieren. »Wir haben die Masten dann mit einem Zwei-Wege-Bagger an die vorgesehenen Punkte gebracht und aufgestellt.« Insgesamt acht neue Masten für zusätzliche Oberleitungen seien eingebaut worden. Zudem seien neue Oberleitungen gespannt worden. An anderen Bahnhöfen, etwa in Frankfurt-West, hätten Weichenarbeiten stattgefunden. In Berkersheim war ein weiterer Trupp von Arbeitern tätig und hat mittels einer riesigen Maschine Bohrpfähle für eine neue Brücke eingebracht.

Dieser neue Mast für die Oberleitungen liegt am Bad Vilbeler Bahnhof bereit. Acht neue Masten sind entlang der Strecke bereits aufgestellt worden.

Insgesamt war also eine Menge los an dem gesperrten, 13 Kilometer langen Abschnitt der Bahnstrecke. Für die umfangreichen Arbeiten mussten an zwei Wochenenden die Strecke komplett gesperrt werden. Der Fernverkehr wurde von Friedberg her kommend über Hanau umgeleitet, die S 6 fuhr nur zwischen Friedberg und Karben. Zwischen Groß-Karben und Frankfurt wurden Busse eingesetzt, die zwei verschiedene Routen fuhren. Einmal gab es Schnellbusse mit nur wenigen Haltestellen, dann wiederum andere Busse, die an sämtlichen Bahnhöfen hielten.

»Die Vollsperrungen der Bahnstrecke waren notwendig, damit die Arbeiter sich ungehindert im Gleisbett bewege konnten«, begründet Fassing. Es werde bis zum Sommer auch noch weitere Sperrungen geben. Am Osterwochenende war das besonders wichtig, denn der Strom musste aus den Fahrdrähten abgeschaltet werden. Über den bereits verlegten Weichen und über dem potenziell ersten von zwei zusätzlichen Gleisen zwischen Ginnheim und der Maybachbrücke beim Bahnhof Eschersheim wurden ebenfalls neue Oberleitungen verlegt. Auch im Bad Vilbeler Bahnhof war auf den Gleisen an mehreren Stellen viel Betrieb. Zusätzliche Weichen und zusätzliche Fahrdrähte wurden gezogen, berichtet Fassing. Über einer bereits im Juni vergangenen Jahres eingebauten Weiche sei der Fahrdraht neu justiert worden.

S6-Ausbau Wetterau: Zwangspausen einlegen

Der Einbau von neuen Oberleitungen sei ein sehr komplexer Vorgang. Der sei noch nicht abgeschlossen, weshalb die Strecke an allen Wochenenden in den Sommerferien erneut voll gesperrt werden müsse. »In der letzten Ferienwoche wird zudem eines von zwei aktuellen Gleisen zusätzlich gesperrt.« All diese Arbeiten dienen einem Zweck: Dem Ausbau der Main-Weser-Bahn. Die S-Bahn erhält laut Deutscher Bahn eigene Gleise. Zurzeit verkehren auf den beiden Gleisen zwischen Friedberg und Frankfurt-West sowohl die S-Bahnen als auch Fernzüge, Güterzüge und der Regionalverkehr. Die Strecke gilt seit vielen Jahren als komplett überlastet. Da der Fernverkehr Vorrang hat, muss die S 6 immer mal wieder etwa in Bad Vilbel, am Frankfurter Berg oder eben in Frankfurt-West Zwangspausen einlegen, damit die höherrangigen Züge vorbeifahren können.

Der Leiter des Ausbauprojektes, Julian Fassing, zeigt auf den Bad Vilbeler Bahndamm, der für die zusätzlichen Gleise verbreitert werden soll.

Im Spätsommer soll laut Projektleiter Fassing das erste Teilstück des zusätzlichen Gleises, und zwar zwischen Bockenheim und Eschersheim, in Betrieb gehen. »Wir sind da voll im Zeitplan.« Wer aber nun denkt, dann sei alles fertig, irrt. Das Millionen-Projekt sieht ein zusätzliches Gleis bis Bad Vilbel vor sowie den barrierefreien Umbau aller Bahnhöfe entlang der Strecke. Da dürfte es noch manche Streckensperrung geben.

S6-Ausbau Wetterau: Zeitplan des ersten Bauabschnitts

Die erste Baustufe des Projektes zum Streckenausbau verläuft zwischen Frankfurt-West und Bad Vilbel. Auf dem 13 Kilometer langen Abschnitt wird die Main-Weser-Bahn von zwei auf vier Gleise erweitert. Die S-Bahn verkehrt künftig auf den östlichen Gleisen. Zudem werden alle Bahnsteige an den Bahnhöfen auf eine einheitliche Länge von 210 Metern und eine Höhe von 96 Zentimetern gebracht, damit die Fahrgäste stufenlos in die Bahnen einsteigen können.

Der Zeitplan sieht vor, ein Teilstück der Gleise im Spätsommer in Betrieb zu nehmen. Zwischen Bad Vilbel und Frankfurt-West sollen zudem neue Schallschutzwände errichtet werden.

Noch in diesem Jahr sollen das zweite Gleis für die Fernbahn und auch die Schallschutzwände zwischen Fern- und S-Bahn gebaut werden. Von 2021 bis 2022 werden dann die S-Bahngleise und -bahnsteige umgebaut und in Betrieb genommen, sieht der Zeitplan vor.

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