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S6-Ausbau: »Pro Bahn« kritisiert »Ba(h)nane«

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Von: Holger Pegelow

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Den Befürwortern des Gleisausbaus von »Pro Bahn & Bus« platzt der Kragen. Grund: Das Aktionsbündnis »Ba(h)nane« kritisiert abermals die Arbeiten zum Ausbau der Main-Weser-Bahn.

Wer in diesen Tagen mit der Bahn nach Frankfurt fährt, kann es unschwer übersehen. Die Arbeiten zum viergleisigen Ausbau der Main-Weser-Bahn sind in Gange. An vielen Punkten zwischen Bad Vilbel Süd und Frankfurt West wird vermessen, abgesteckt und gebaggert.

Das Aktionsbündnis »Ba(h)nane«, das sich seit Jahren erfolglos gegen den Ausbau der Strecke stemmt, sieht »eine zunehmende Zahl illegaler Praktiken der Deutschen Bahn«. Als die Mitglieder kürzlich in der Eschersheimer Turnhalle zusammenkamen, wurde von einer »Häufung rechtswidriger Aktivitäten« gesprochen. Man beruft sich darauf, dass die Genehmigungsbehörde, das Eisenbahnbundesamt, ein erneutes Planänderungsverfahren mit Offenlegung gefordert habe, »das bis heute auf sich warten lässt«, sagte Ba(h)nane-Koordinator Michael Hub.

Betont wurde, dass die Bahn bisher keine Bestandsgenehmigung für die bestehende Bahnstrecke nachweisen könne. Wiederholt wird seitens der Ausbaugegner, dass nach dem Ausbau der Strecke nicht mehr S-Bahnen fahren würden als jetzt schon. »Worum es wirklich geht, ist der an der Öffentlichkeit vorbei geplante massive Ausbau des Güterzugverkehrs auf der Main-Weser-Bahn als Teil einer europäischen Güterzug-Magistrale, über die auch Gefahrgüter mit hohem Risikopotenzial transportiert werden sollen«, so Hub weiter. Die Forderungen von »Ba(h)nane«: Stopp der Arbeiten, erneute Planfeststellung für den Abschnitt 1 mit Offenlegung und Prüfung von alternativen Streckenverläufen für Güterzüge entlang der Autobahn 5.

Falsche Zahlen

Damit zeigt sich der Fahrgastverband »Pro Bahn Hessen« ganz und gar nicht einverstanden. Er wirft den »Ba(h)nane« »bewusst einseitige Informationen« vor. Ein Beispiel dafür sei der Fahrplan der S6. So sei zum Fahrplanwechsel durch das Weglassen von Uhrzeiten suggeriert worden, dass nun ganztägig eine Taktausdehnung erfolgt und der Ausbau damit nicht mehr notwendig sei. »Dabei wurde der seit 20 Jahren in der Hauptverkehrszeit bestehende 15-Minuten-Takt nur um eine weitere Stunde – montags bis freitags zwischen 19 und 20 Uhr – ausgedehnt. In der Zeit nach 19 Uhr sind die Verstärkerzüge im Regionalverkehr zwischen Frankfurt und Mittelhessen nämlich nicht mehr im Einsatz. Nur so waren zwei Fahrtenpaare der S6 unterzubringen«, erläutert Landesvorsitzender Thomas Kraft.

Zudem nutzten die Ausbaugegner in ihren Verlautbarungen nur die Einwohner- und Einpendlerzahlen des Wetteraukreises. Dass aber der Ausbau auch notwendig sei, um mehr Regionalzüge in die Region Mittelhessen einsetzen zu können, werde verschwiegen.

Mittelhessen vergessen

Mittelhessen mit Gießen, Marburg und Wetzlar mit ihren zusammen rund einer Million Einwohnern werde überwiegend über diese Strecke mit dem Regionalzug- und Fernzugverkehr an das übrige deutsche Schienennetz angebunden. »Dass viele Menschen von dort nach Frankfurt zur Arbeit pendeln, wird ebenfalls ignoriert«, betont Kraft. Zu der Behauptung, dass Teilgenehmigungen ausstünden, würden von den Gegnern keine konkreten Beweise vorgelegt.

Vielmehr werde mit solchen Aussagen nur Verunsicherung geschürt. »Wenn das Gesamtprojekt nicht genehmigt wäre, dann hätten nicht in dem Umfang die Bagger anrollen können, dazu gehören auch Teilgenehmigungen.« Unsachlich argumentiert werde auch mit den Kosten. 1998 waren 250 Millionen D-Mark für das Projekt veranschlagt worden, mittlerweile liege man für den ersten Bauabschnitt bei mehr als dem Doppelten. Das ist aus Sicht von »Pro Bahn« nicht verwunderlich, denn allein die Inflation und die Verteuerung im Baugewerbe hätten daran schon einen großen Anteil. Das Aktionsbündnis gegen den Ausbau spricht hingegen von einer Kostenexplosion um 250 Prozent.

Die Äußerungen von »Ba(h)nane« seien »ein trauriges Beispiel, wie die an sich gute und wichtige Bürgerbeteiligung zum Schaden der Allgemeinheit zur Verhinderung wichtiger Projekte missbraucht wird«.

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