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Robert Kreis erinnert sich an eine gute alte Zeit

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Bad Vilbel. Seine »Highlights« der vergangenen 30 Jahre präsentierte Robert Kreis in seinem gleichnamigen Programm am Mittwochabend in der Alten Mühle. In der Brunnenstadt ist er kein Unbekannter und so begeisterte er das Publikum von Anfang an mit seinem klassischen, fast schon altmodischen Musikkabarett.

Bad Vilbel. Seine »Highlights« der vergangenen 30 Jahre präsentierte Robert Kreis in seinem gleichnamigen Programm am Mittwochabend in der Alten Mühle. In der Brunnenstadt ist er kein Unbekannter und so begeisterte er das Publikum von Anfang an mit seinem klassischen, fast schon altmodischen Musikkabarett. Auch wer sich die Vorstellung an diesem Abend zum ersten Mal ansah, konnte sich dem Charme des singenden Holländers kaum entziehen.

In Frack, mit Pomade im Haar mit aufgemaltem Menjoubärtchen keck über der Lippe, wirkt Kreis wie ein charmantes Relikt aus der Vergangenheit. Seine Musik scheint aus längst unwiederbringlichen Zeiten in unsere Tage herüber zu wehen. Aber in seinen Couplets, wie auch in seinen Zwischenmoderationen, hat sich der 1949 auf Java geborene Kreis eine kritische und scharfe Beobachtung der Gegenwart bewahrt.

Zum Klavier singend oder plaudernd ließ Kreis seine Bühnen- und Privaterlebnisse der vergangenen drei Jahrzehnte Revue passieren. Er schaute episodisch zurück auf seine ersten Auftritte und skizzierte seinen künstlerischen Werdegang im deutschsprachigen Raum, verbunden mit Erinnerungen an lustige Ereignisse vor und hinter den Kulissen. Seine Tourneen führten ihn durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, wo er sein Publikum mit Kleinkunst aus der großen Schellackzeit begeisterte.

Einmal mehr zeigte er sich als Sammler, nicht nur von Schellackplatten, sondern auch diverser Klatsch- und Gesellschaftszeitschriften aus jeder Zeit, aus denen er mit Charme, Wortwitz und Situationskomik kleine Anzüglichkeiten und Anekdoten zitierte.

Natürlich kamen seine vielgeliebten Chansons und Couplets der Weimarer Zeit, beispielsweise von Otto Reutter (»Alles wegen de Leut’«), Rudolf Nelson (»Das Nachtgespenst«) oder Willi Rosen nicht zu kurz.

Den Bühnenhelden und -heldinnen der damaligen Zeit setzte Kreis mit seinen Stücken kleine Denkmäler: Er besang »Ella vom ›Heißen Eck‹«, träumte, »Wenn ich Richard Tauber wär’«, trällerte von »Lotte Samajanski« und drehte sich dabei nicht »Immer im Kreis«, wie sein Eingangschanson hieß. Zwischendurch zauberte er manche Geschichte aus dem Hut, die fatal an die wirtschaftliche Lage unserer Tage erinnerte, die aber in den Goldenen Zwanzigern oder Anfang der 1930er Jahre geschrieben wurde. In seiner Show erinnerte Kreis an die Berliner »Roaring Twenties« und die Weltwirtschaftskrise, und er ließ in seiner leicht mokanten, schnellen Sprechweise das sprichwörtliche »Berliner Tempo« hören: »Es ist immer noch so aktuell«, zwinkerte er den Damen in der ersten Reihe zu.

»Ich bedauere sehr, dass der Nationalsozialismus ein wunderbares Potenzial an Künstlern, Wissenschaftlern und genialen Menschen vernichtet hat. Dieses Vakuum ist bis heute schmerzlich zu spüren«, sagte Kreis. »Mein Ziel ist es, eine große Ära der Kleinkunst vor dem Vergessen zu bewahren.« Man dürfe nicht nur schauen, was alles verloren gegangen sei, sondern auch, was trotz allem bis heute erhalten geblieben sei, meinte Kreis.

Mit seinem Auftritt gelang es ihm auf frappierende Weise, die Leichtigkeit und Frivolität der Kleinkunst- und Boulevard-Zwanziger wiederzubeleben. Und er weckte die Hoffnung auf mehr davon.

»Ja, 30 Jahre waren eine schöne Zeit«, stellte Kreis zum Schluss seiner Ein-Mann-Revue fest. »Und ich freue mich auf die nächsten 30.« Zumindest in der Zugabe spielte er bereits ein Stück aus seinem neuen Programm »Wendekreis«. Dabei werden ihm sicher wieder nicht nur die Zuschauerinnen zu Füßen liegen und Zugaben fordern.

Andreas Hofmann

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