Einstündige Reanimation, Kehlkopf- und Lungenkrebs: Edeltraud Stegemann hat einen langen Leidensweg hinter sich. Ihr Mann und Rückhalt Wolfgang Stegemann ist froh, dass es der 74-Jährigen wieder besser geht. Jetzt kämpfen beide um einen zeitnahen Impftermin für sie.
+
Einstündige Reanimation, Kehlkopf- und Lungenkrebs: Edeltraud Stegemann hat einen langen Leidensweg hinter sich. Ihr Mann und Rückhalt Wolfgang Stegemann ist froh, dass es der 74-Jährigen wieder besser geht. Jetzt kämpfen beide um einen zeitnahen Impftermin für sie.

Luftröhrenschnitt und Herzstillstand

Bad Vilbel: Risikopatientin kämpft verzweifelt um Impftermin

  • vonPatrick Eickhoff
    schließen

Edeltraud Stegemann atmet nach einem Luftröhrenschnitt durch den Hals, hat einen Herzstillstand und Lungenkrebs besiegt. Einen Impftermin gegen Corona hat die Bad Vilbelerin bisher nicht.

Edeltraud Stegemann hat in ihrem Leben bereits einiges durchgemacht. Dass die 74-Jährige heute mit Hilfe eines Rollators wieder laufen kann, grenzt an ein Wunder. Seit einer Fehlbehandlung - 2014 kam es bei ihr nach einer fehlgeschlagenen Kalium-Substitution zum Herzstillstand mit einstündiger Reanimation - ist Edeltraud Stegemann nicht mehr die Frau, die sie einmal war. Die ehemalige Sportlehrerin leidet unter Lungen- sowie Kehlkopfkrebs. Letzterer sorgt dafür, dass sie durch einen Luftröhrenschnitt im Hals atmet.

Eine Maske? »Vollkommen sinnlos«, wie sie sagt. »Ich trage natürlich trotzdem provisorisch eine, aber gefährdet bin ich durch die Öffnung am Hals.«

Bad Vilbel: Risikopatientin kämpft verzweifelt um Impftermin - Mails bleiben unbeantwortet

Ihr Mann Wolfgang Stegemann berichtet: »Laut Bescheinigung unseres Hausarztes gehört meine Frau zur Höchstrisikogruppe für schwere Covid-19-Verläufe.« Er hat Angst. »In sechs Jahren ist es uns nun gelungen, mit positiver Einstellung meine Frau wieder vom Koma-Patienten zu einem lebenswerten Leben mit Rollstuhl und Rollator zu verhelfen«, sagt er. »Das alles könnte durch eine Coronaerkrankung zerstört werden.«

Wolfgang Stegemann sagt diese Sätze keineswegs niedergeschlagen. Er blickt zu seiner Frau. »Wir kämpfen weiter und schaffen das«, sagt er. Deshalb hat er das Heft des Handelns in die Hand genommen und versucht, einen Impftermin für seine Frau auszumachen. »Leider bisher ohne Erfolg.« Wolfgang Stegemann schreibt an den Wetteraukreis, wird verwiesen ans Gesundheitsamt - und umgekehrt. »Oft habe ich auch gar keine Antwort erhalten.« Stegemann macht weiter, schreibt an Gesundheitsminister Jens Spahn, den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, das Regierungspräsidium in Kassel. »Er hat auch um einen häuslichen Impftermin für mich gebeten«, sagt Edeltraud Stegemann. Alle Briefe blieben unbeantwortet.

Impftermin für Risikopatienten: Ärztliches Attest muss vorliegen

Die 74-Jährige, die ebenfalls unter Bluthochdruck und einer Erkrankung des Nervensystems (Critical-Illness-Syndrom) leidet, versteht das alles nicht. »Wieso einfach nicht geantwortet wird, und keiner weiß, was los ist. Das kann ja nicht sein.«

Michael Elsaß, Sprecher des Wetteraukreises, erläutert auf Anfrage: »Mit einem ärztlichen Attest kann Frau Stegemann vorgezogen werden.« Das funktioniere aber nicht telefonisch. »Wir brauchen ein ärztliches Attest und das muss vom Amtsarzt beurteilt werden. Es versuchen viele Leute, vorgezogen zu werden. Damit meine ich explizit nicht den Fall von Frau Stegemann, aber es gibt auch einige, die sich an der Schlange vorbei drängeln wollen. Da brauchen wir eine ärztliche Einschätzung.« Dann sei auch das mit dem Impftermin keine Problem.

Das hat Wolfgang Stegemann gemacht, erst ohne Antwort, dann mit der Aufforderung nach einem Attest. Das hat er eingereicht. »Mittlerweile ist sie wohl gelistet, aber einen Termin haben wir nicht. Es kann nicht sein, dass Personen in häuslicher Pflege vergessen werden«, sagt er. »Ich habe das Gefühl diese Gruppe spielt in den Überlegungen zur Corona-Impfung keine Rolle.«

Alle Informationen des Wetteraukreises zum Thema Corona, Impfungen und den aktuellen Maßnahmen gibt es auf der Homepage des Kreises unter www.wetteraukreis.de/aktuelles/corona/.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare