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Schwerstarbeit für die Beine: Mit Kleidung und Ex-Quellenkönigin Bianca Zorbach im Schlepptau muss unser Reporter Niklas Mag den Beckenrand erreichen.

Selbstversuch

Rettungsschwimmer bei der DLRG: Leben retten im Selbstversuch

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Der DLRG-Ortsverein Bad Vilbel sieht die Zukunft mit großer Sorge. Was die Lebensretter leisten müssen - dann, wenn es richtig ernst wird - hat unser Reporter im Selbstversuch ausprobiert.

Und dann reicht die Kraft einfach nicht mehr. Ich bin definitiv keine Wasserratte, als Kind aber immer gerne im Meer, im Schwimmbad und Badeseen getaucht. Jetzt liegt in 3,20 Meter Tiefe dieser kleine Ring, und ich komme einfach nicht an ihn heran. Eigentlich bin ich zu diesem Zeitpunkt nicht einmal 30 Minuten im Wasser. Doch die zuvor absolvierten Übungen mit der DLRG haben meiner Beinmuskulatur so weit zugesetzt, dass ich die nötige Energie nicht mehr mobilisieren kann, um zum Beckenboden des Bad Vilbeler Freibades zu tauchen.

Für Michael Luy, Yannick Pflug und Bianca Zorbach ist das eine Routineübung. Die drei haben sich bereiterklärt, mir einen kleinen Einblick in die Arbeit der DLRG Bad Vilbel zu gewähren. Im und außerhalb des Wassers. Dafür nimmt sich der Vorsitzende, Michael Luy, Zeit. Er möchte auf die aktuell schwierige Situation der DLRG in Bad Vilbel aufmerksam machen: "Wir haben das Hallenbad nicht mehr. Dort konnten wir abends ab 20 Uhr rein", sagt er.

Er hat einen Stapel E-Mails mitgebracht. Alles Anfragen von Bad Vilbelern, die nach Kursen oder Training fragen. "Die Nachfrage können wir momentan nicht bewältigen." Derzeit kann die DLRG das Karbener Bad als Ausweichmöglichkeit nutzen. Doch nur sonntagabends und nur zwei Bahnen. "Bei unseren vielen Angeboten ist das kaum möglich. Bis die Jugendgruppen geschwommen sind, können wir unsere Kurse erst für 21.30 Uhr ansetzen. Dafür hat sich dann natürlich kaum noch jemand angemeldet", schildert Yannick Pflug. Der Erste Vorsitzende warnt eindringlich: "Wenn ich heute keine Rettungsschwimmer mehr ausbilde, dann habe ich in der Zukunft keine mehr." Dabei werden diese in der Quellenstadt gebraucht. Nicht nur, wenn im Sommer im Freibad die Hölle los ist. "Auch beim Quellenfest oder beim Open-Air-Kino braucht man uns", weiß Bianca Zorbach.

Selbstversuch als Rettungsschwimmer: Schwimmen ohne Arme

Was die DLRG abseits des Vereinslebens leistet, nämlich wenn es ins Wasser geht, darf ich nun selbst herausfinden. Es gibt eine kurze Einweisung und Vorführung des Befreiungsgriffs von Pflug und Zorbach: "Ein Ertrinkender ist in Panik und möchte sich sofort festklammern. Im schlechtesten Fall tut er das direkt am Kopf des Retters", sagt Pflug. Ähnlich dem Polizeigriff, muss der Retter dem Ertrinkenden den Arm auf den Rücken drehen und dessen Kinn nach oben ziehen, um die Atmung zu ermöglichen. "Und dann rückwärts in Richtung Ufer schwimmen."

Zuerst darf ich jenes Rückwärtsschwimmen ausprobieren. Ohne Arme, denn diese sind schließlich im Ernstfall beschäftigt. Und das ist nicht einfach. Nach etwa einer halben Bahn, atme ich bereits schwerer. So anstrengend ist es für mich als geübten Radfahrer, den Kopf nur mit Beinarbeit über Wasser zu halten und dabei noch vorwärts zu kommen.

Die zweite Lektion macht das ganze noch komplizierter. Ex-Quellenkönigin und langjähriges DLRG-Mitglied Zorbach mimt eine Ertrinkende, hält sich im Wasser an meinem Hals fest. Einfach war der Befreiungsgriff bereits an Land nicht, im Wasser ist dieser noch schwerer. Erst als ich unter ihrem Arm durch tauche, gelingt es mir, sie in die korrekte Position für den Transport zu bringen. Da mein Oberkörper mit dem Griff beschäftigt ist, müssen die Beine erneut Schwerstarbeit leisten. Nun gleich zwei Körper zielgerichtet in eine Richtung bewegen zu müssen, zieht die Kondition noch schneller ab. Doch das war noch die einfachere Übung.

Selbstversuch als Rettungsschwimmer: Sofort eingreifen

Ein Retter muss manchmal sofort eingreifen und kann sich nicht erst all seiner Klamotten entledigen, bevor er ins Wasser springt. Ich ziehe einen dünnen Overall an, der sich beim Schwimmen zuerst nicht anders anfühlt. Doch ab der Hälfte der Bahn spüre ich, wie jeder Schwimmstoß schwerer und schwerer wird. Mir gelingt es, auch mit der nassen Kleidung am Körper noch einmal Zorbach an den Beckenrand zu ziehen, doch die körperliche Anstrengung habe ich massiv unterschätzt.

Kaum auszudenken, wie viel Kraft ein Retter aufwenden muss, wenn er mehr als nur diese paar Meter zum Ertrinkenden schwimmen muss und dieser möglicherweise in Panik zappelt. Als Pflug die nachfolgende Tauchübung in das 3,20 Meter tiefe Wasser verlagert, ist bei mir Schluss. "Du hast dich aber sehr gut geschlagen", sagt Michael Luy. Ein Lob, das mich sehr freut, wenn ich auch schon den tagelangen Muskelkater vor Augen habe, der mir nun bevorsteht.

Kontakt zur DLRG

Wer sich der DLRG in Bad Vilbel anschließen will, kann sich unverbindlich informieren unter der Telefonnummer 0 177/888 35 74 oder per E-Mail an kontakt@bad-vilbel.dlrg.de

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