Verein stand kurz vor der Auflösung

Rettet die Bad Vilbeler Briefmarkensammler!

  • VonPatrick Eickhoff
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Wie rettet man einen Verein, der kurz vor der Auflösung stand? Beim Briefmarkensammlerverein Bad Vilbel sind die Mitgliederzahlen im Sinkflug. Dann haben sich einige Mitglieder zu einem Treffen mit dem früheren Vorsitzenden Ernst Busemann entschlossen. Der 84-Jährige will den Verein retten.

E s ist eine lange Liste, die Ernst Busemann mitgebracht hat. 17 Punkte möchte der neue Vorsitzende des Briefmarkensammlervereins in Bad Vilbel seinem neuen Vorstand präsentieren. »Die Wiederbelebung des Vereins geht nur, wenn möglichst viele Mitglieder mitmachen«, sagt er gleich zu Beginn. Mit ihm in einem kleinen Raum des Rathauses in Dortelweil sitzen der neue Schriftführer Dieter Haas und der ebenfalls neue Kassierer Johannes Holtappels. Die beiden lauschen dem 84-Jährigen. Der ehemalige Vorsitzende des Vereins hat sich eine Aufgabe ausgesucht, die größer nicht sein könnte: Er soll den Verein retten.

Busemann fasst erst die Situation zusammen: Keine Tauschtage wegen der Corona-Pandemie, eine alternde sowie sinkende Mitgliederschaft. »Dann ist leider und unerwartet der langjährige Vorsitzende Werner Scholten verstorben«, bedauert Busemann. Es habe Überlegungen gegeben, den Verein aufzulösen. Diese sind mittlerweile verworfen. Nach Vorgesprächen hat sich der langjährige Vorsitzende des Vereins Ernst Busemann bereit erklärt, den Verein anzuführen. Er habe es nicht hinnehmen wollen, dass der Verein im 50. Jahr seines Bestehens aufgelöst werden sollte. »Wir müssen neue Wege gehen«, sagt er. »Ich bin optimistisch, dass wir das schaffen können.« Ab Oktober soll wieder zu regelmäßigen monatlichen Treffen und im Frühjahr 2022 zu einem Großtauschtag eingeladen werden. Interessierte sind zu allen Treffen eingeladen. Besonders im Blick: die Jugend. »Zu meiner damaligen Zeit als Vorsitzender gab es die Jungen Philatelisten«, erzählt Busemann. Wie vor mehr als 20 Jahren sind auch wieder spezielle Treffen für Jugendliche vorgesehen. Busemann spricht von Flyern, Aushängen - auch an Schulen. »Es gibt mit Sicherheit Nachwuchs, den man für das Thema begeistern kann. Allerdings müssen diese auch erst mal auf uns aufmerksam werden.«

Anlässlich des Jubiläums würde Busemann gerne einen Großtauschtag veranstalten. »Was wir außerdem dringend brauchen ist eine Webseite«, so Busemann. Außerdem möchte der neue Vorsitzende regelmäßig Vorträge von Experten organisieren. »Sammler oder auch Bundesprüfer können von ihren Erfahrungen berichten. Auch das sorgt für Aufmerksamkeit«, so Busemann weiter.

250 Sammler im näheren Umfeld

Johannes Holtappels äußert Bedenken. »Wir müssen auch gucken, dass wir das alles stemmen können. Wir haben nicht mehr so viele aktive Mitglieder«, sagt er. Busemann ist sich sicher, dass man auch den ein oder andern »reaktivieren« könne.

Ernst Busemann hat vor einigen Jahren die goldene Ehrennadel der Stadt Bad Vilbel erhalten. Unter anderem für sein Engagement im Gemeinderat von Massenheim in den 1960er Jahren, als Vorsitzender der AWO Massenheim, die er 30 Jahre führte, als Mitglied des Kirchenvorstandes der evangelischen Gemeinde oder in seiner Tätigkeit für den Akzente-Verein in Bad Vilbel. »Den Satz ›Das packt der nie‹ habe ich schon oft gehört. Und wir haben es doch immer irgendwie hinbekommen«, sagt Busemann. Die Betonung liege aber auf dem »Wir«. »Sie können noch so viele Idee haben, man braucht immer Leute, die mitmachen.« Anschließend verweist der 84-Jährige auf eine Statistik der Deutschen Post. »Sie schätzt die Anzahl der Briefmarkensammler auf 1,5 bis 2 Millionen in Deutschland.« Durch den Ausstieg der Kapitalanleger vor rund 20 Jahren, sei der Preisverfall einiger Werte extrem. »Das ist ein Vorteil für Einsteiger«, sagt Busemann. »Für Bad Vilbel und umgebung schätze ich die Zahl der Sammler auf mindestens 250.« So mancher hätte echte Schätze zu Hause und müsse erst darauf aufmerksam gemacht werden, vermutet Dieter Haas. »Ich selbst habe in einer Kiste einige Ordner entdeckt. Die müssen wir mal durcharbeiten.« Das biete der Verein aich jedem Interessierten an - ohne gleich Mitglied zu werden, fügt Busemann an. »Einfach mal vorbeikommen«, sagt er. »Dankbar sind wir natürlich auch der Stadt für das Zur-Verfügung-Stellen von Räumlichkeiten sowie dem Haus der Begegnung. Wir werden auch da weiterhin das Gespräch suchen und freuen uns auf die Zusammenarbeit.«

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