Als der Rektor in den Hungerstreik trat

Das Georg-Büchner-Gymnasium (GBG) wird 50 Jahre alt. Zeit zum Feiern, aber auch für eine Rückschau. Verändert hat sich an erster Stelle die Optik der Schule, die heute deutlich einladender aussieht. Doch auch kuriose Geschichten gibt es. So trat ein Schulleiter einst sogar in den Hungerstreik.

Von APP

Das Georg-Büchner-Gymnasium (GBG) wird 50 Jahre alt. Zeit zum Feiern, aber auch für eine Rückschau. Verändert hat sich an erster Stelle die Optik der Schule, die heute deutlich einladender aussieht. Doch auch kuriose Geschichten gibt es. So trat ein Schulleiter einst sogar in den Hungerstreik.

Mit zwei großen Festen wird das Jubiläum am Wochenende gefeiert. "Man wird schließlich nur einmal 50", sagt Schulleiterin Claudia Kamm. Gemeinsam mit Teilen des Kollegiums steckt sie in den letzten Vorbereitungen für den Festabend. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sollen verbunden werden. Um die Veränderung in 50 Jahren nachvollziehen zu können, haben die Mitglieder des Organisationskomitees die Archive durchgesehen. "Zum Glück ist da viel überliefert worden", so Stefan Mey, Lehrer am GBG. Ob alte Zeitungsartikel oder Bildaufnahmen, alles war für die Lehrer interessant. "Besonders aus den Anfangszeiten ist sehr viel überliefert", sagt Kamm. "Es gibt Filmaufnahmen von Schulfesten oder Demonstrationen. Heute dürfte man das alles schon wegen des Datenschutzes gar nicht mehr, damals war das alles kein Thema."

Mit dem Fahrrad nach Holland

In Zehn-Jahres-Schritten werteten die Lehrer die Quellen aus. "Vieles, was wir da fanden, war sehr interessant", sagt Mey. "Das GBG hatte zum Beispiel eine sehr turbulente Anfangszeit. So fand am Anfang der Unterricht in Containern statt, der Betonmischer stand sozusagen direkt neben dem Klassenraum. Sieben Lehrer waren das damals und die Klassen waren natürlich viel größer." Viele Themen, die das Gymnasium noch heute beschäftigen, fanden damals ihren Ursprung. "Baumängel waren schon damals präsent", weiß Mey. "Ein Schulleiter trat damals sogar in den Hungerstreik, um dagegen zu protestieren. Heute kann man sich das alles kaum noch vorstellen."

Doch auch viele schöne Erinnerungen kamen bei den Recherchen ans Licht. "In den 90er Jahren gab es eine sehr politische Zeit", erklärt Mey. "Es gab ein enormes Engagement gegen Rechts, die Schüler demonstrierten im Innenhof für bessere Bildung." Zu den vielen schönen Erinnerungen gehört auch der häufige Schüleraustausch in die Partnerstädte ins englische Glossop und das französische Moulins, aber auch nach Huizen in den Niederlanden in den 70er Jahren, damals Partnerstadt Bad Vilbels. "Es gab sehr intensive Kontakte nach Holland, die Schüler fuhren einmal sogar mit dem Fahrrad dorthin", sagt Kamm. Heute wäre das kaum vorstellbar."

Besonders beeindruckend für die Lehrer war es, die Veränderungen zu sehen. "Früher war die Schule nur ein Ort zum Lernen, mehr nicht", sagt Katarina Paech, Lehrerin am GBG und Mitglied des Festkomitees. "Es gab kaum Grün, die Funktion war in allen Belangen der Optik übergeordnet. Das sah man auch am Gebäude: Damals war der Brutalismus modern, das Gebäude war von außen blanker Beton." Dies fand sich auch auf dem Schulgelände wieder, auf dem Pavillons entstanden, als das Hauptgebäude die Schüler nicht mehr fassen konnte. Seitdem hat sich viel verändert: Die Schule sollte angenehmer werden. Der Musentempel für Kunst und Musik kam dazu, statt klassischem Unterricht sollte hier eine Werkstattatmosphäre entstehen, sagt Paech.

"Grund dafür war auch, dass die Schüler immer mehr Zeit in der Schule verbringen", meint Kamm. "Die Schule ist nicht nur zu einem Ort des Lernens, sondern auch einem des Lebens geworden." Große Hilfe bei der Recherche waren auch die ehemaligen Lehrer. "Viele hatten Erinnerungen, die sie uns zur Verfügung gestellt haben", erklärt Kamm. "Einer brachte uns 10 000 Dias vorbei, die wurden dann sorgfältig digitalisiert."

Ein Raum für jedes Jahrzehnt

Die gesammelten Erinnerungen sollen nun in der kommenden Woche gemeinsam mit den Schülern im Rahmen einer Projektwoche aufbereitet werden. So soll für jedes Jahrzehnt ein Raum mit Erinnerungen entstehen, die dann am großen Festtag am Samstag besucht werden können, um dort in Erinnerungen zu schwelgen.

Dass der Geburtstag viele bewege, das sehe man an den vielen positiven Reaktionen. "Für viele ehemalige Schüler ist das wie ein Klassentreffen", sagt Kamm. "Es kommen viele alte Klassenkameraden, die man seit Langem nicht gesehen hat. Besonders von den ersten Jahrgängen gibt es da enormes Interesse, teils kommen sie von weit her."

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