Lara Göhring (l.) und Margarethe Hinterlang fahren am Wochenende zu einer Protestaktion nach Berlin.
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Lara Göhring (l.) und Margarethe Hinterlang fahren am Wochenende zu einer Protestaktion nach Berlin.

Demo gegen Agrarpolitik

Regionale Landwirtschaft: Wetterauer Bäuerinnen engagieren sich für die Zukunft

  • vonNiklas Mag
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Deutschlands Landwirte sind verärgert über die Agrarpolitik. Am Wochenende soll es in Berlin wieder Demos geben- gleich mehrfach. Mit dabei sind auch zwei Landwirtinnen aus der Wetterau.

Menschen wie Lara Göhring aus Ockstadt werden immer seltener. Die 32-Jährige ist Landwirtin und führt ihren eigenen Betrieb. Doch entscheiden sich immer weniger junge Leute dazu, die oft von den Eltern über Generationen geführten Höfe zu übernehmen. Die junge Mutter ist zudem Geschäftsführerin der Hessischen Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL). Mit ihr am Tisch sitzt Margarethe Hinterlang. Sie ist 65 Jahre alt und Rentnerin, hat ihren Beruf als Landwirtin auf dem Dottenfelderhof ausgeübt und engagiert sich weiterhin.

"Ihre schwierige Situation bringt Bauern überall in Deutschland seit Monaten auf die Straßen", berichtet sie. Verschiedene Protestgruppen hatten sich rasend schnell gebildet, ausgelöst vor allem durch das Agrarpaket der Bundesregierung, das im September verabschiedet wurde. Viele Landwirte fühlten sich durch neue Verordnungen - vor allem im Bereich von Dünge-Regularien - ihrer Werkzeuge beraubt, verantwortlich für Klima-Probleme gemacht und generell wenig wertgeschätzt. Natürlich sind die Kritikpunkte der Landwirte damit nur angeschnitten.

Politik orientiere sich am Weltmarkt

"Das Problem ist außerdem, dass sich die Agrarpolitik der Bundesregierung an den Weltmarktpreisen orientiert", fügt Göhring an. "Immer günstigere Preise für Lebensmittel, und für den Landwirt bleibt kaum etwas übrig. Da verstehe ich es, dass viele einen Hof nicht übernehmen wollen und Bauern auf die Straßen gehen", sagt Göhring.

Sie selbst werde mit Margarethe Hinterlang am kommenden Wochenende in Berlin dabei sein und im "ABL-Block" bei der Demonstration "Wir haben es satt" mitlaufen. Zahllose Organisationen, Landwirte und auch Verbraucher demonstrieren dort seit zehn Jahren regelmäßig unter diesem Namen für eine soziale und ökologisch gerechte Agrarpolitik, gesunde Nahrungsmittel, mehr Klimaschutz in der Lebensmittelherstellung und weniger Industrialisierung der Bauernhöfe.

Was Margarethe Hinterlang und Lara Göhring dabei etwas irritiert: Die Bewegung "Land Schafft Verbindung", die deutschlandweit aktiv ist und sich im Zuge der jüngsten Proteste gebildet hat, hat eine eigene Demonstration nur einen Tag vor "Wir haben es satt" angekündigt. "Ich kann nicht ganz verstehen, warum das so ist. Inhaltlich gibt es eigentlich keinen Grund dazu, zwei verschiedene Demonstrationen zu machen", überlegt Göhring.

Initiative für Bio-Landwirte wie für konvetionelle Landwirtschaft

Sie und Hinterlang wollen deshalb darauf aufmerksam machen, dass es mit der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft bereits eine Initiative gibt, die Landwirte organisiert, egal ob diese konventionell oder biologisch arbeiten, und auf gemeinsame, zukunftsorientierte politische Lösungen aus ist. "Wenn das bekannter wäre, wären wir vermutlich mehr und könnten mehr erreichen als mit einzelnen Bündnissen", sagen die beiden.

Neben zukunftsorientierten Lösungen fordert die ABL unter anderem faire Erzeugerpreise, fairen Handel, artgerechte Tierhaltung und die Unterstützung von bäuerlichen und gesellschaftlichen Initiativen. "Ich versuche überall, wo ich auf Landwirte treffe, sie für die ABL zu begeistern", schildert Lara Göhring.

Zuschüsse je nach Fläche

Die junge Mutter führt ihren Betrieb in Ockstadt erfolgreich, hat jedoch, wie sie erzählt, auch selbst allen Grund, sich gegen die aktuelle Situation zu wehren. So berichtet sie von EU-Geldern die an Landwirte gezahlt werden: "Diese Zuschüsse werden nur nach Fläche berechnet. Ein Landwirt, der große Felder hat, erhält enorm viel Geld, völlig egal, was er auf den Feldern tut. Mein Hof ist eher klein, dafür baue ich biologisch an und setze auf große biologische Vielfalt. Ich erhalte nur wenig Zuschüsse." Deshalb sei ein neuer Berechnungsschlüssel der Zuschüsse dringend nötig, findet sie.

Damit im Hinblick auf den Klimawandel auch kleine Betriebe belohnt werden, die sich mit den Problemen der Landwirtschaft mit Blick in die Zukunft beschäftigen und sich dafür einsetzen, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Nun stehen am Wochenende erst einmal die großen Demonstrationen in Berlin an.

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