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Refugium für Reptilien und Insekten

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Arbeitseinsatz: Benjamin Deller, Lisa Diehl und Patrick Möser legen letzte Hand an die Reptilienburg an. © CHRISTINE FAUERBACH

Das 2019 gestartete Wiesenprojekt der Naturfreunde Bad Vilbel kommt gut voran. Jetzt wurde auf der naturnahen Wiese eine Reptilienburg als Winterquartier und Lebensraum für verschiedene Reptilien, Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Käfer und weitere Insekten angelegt.

D er Winter kann kommen. Zumindest für Reptilien, Bienen, Hummeln und Käfer rund um das idyllisch am Waldrand gelegene Grundstück der Naturfreunde Bad Vilbel. Dort steht seit letzter Woche eine Unterkunft mit der rund acht mal zwei Meter großen Reptilienburg zur Verfügung. »Realisiert werden konnte die 4700 Euro teure Reptilienburg nur durch eine großzügige Spende der Frankfurter Wunderstiftung«, berichtet Norbert Nakoinz. Der 1. Vorsitzende des 1922 gegründeten Vereins, der zurzeit mehr als 330 Mitglieder zählt, darunter über 100 Kinder und Jugendliche, ist mit Reinhard Weiser, Monika Henß, Jutta Rentrop, Monika und Gerhard Sündermann zur Übergabe des Bauwerkes von Lisa Diehl gekommen.

Im Innern soll es trocken bleiben

Die Chefin des auf Naturschutz- und besondere Projekte spezialisierten Hanauer Garten- und Landschaftsbau-Unternehmens Diehl hat zusammen mit ihren beiden Mitarbeiter Benjamin Beller und Patrick Möser, knapp eineinhalb Tage zur Errichtung benötigt. »Wir haben zuerst eine 80 Zentimeter tiefe Grube ausgehoben, diese mit einer Drainageschicht aus kleinen Kieskörnern aufgefüllt und darüber per Hand eine Schicht aus regionalen Bruchsteinen gestaltet. Flache Steine bilden quasi das Dach der Reptilienburg, damit es in diese nicht reinregnet und es im Inneren trocken bleibt«, informiert Lisa Diehl die Vereinsmitglieder.

In der Reptilienburg fühlen sich Eidechsen, Blindschleichen und Ringelnattern wohl. Diese haben die Naturfreunde immer wieder auf ihrer Wiese seit Start ihres Wiesenprojektes vor drei Jahren gesichtet. »Wir haben uns entschlossen, eine Reptilienburg auf unserer 4000 Quadratmeter großen Wiese anlegen zu lassen, um die Reptilienvorkommen zu fördern und zu schützen. Zudem soll diese Strukturmaßnahme naturbegeisterten Besuchern und -innen die Beobachtung der Tiere ermöglichen«, berichtet der 1. Vorsitzende. Für die korrekte, fachliche Umsetzung zogen die Naturfreunde den Verein Arbeitsgemeinschaft Amphibien und Reptilienschutz in Hessen beratend hinzu.

»Unser Ziel ist, langfristig einen sicheren Ort für die Reptilien anzulegen, der nicht nur Versteck- und Eiablagemöglichkeiten, sondern auch eine frostfreie und trockene Überwinterung gewährleistet.« Doch nicht nur Reptilien bietet das neue Bauwerk einen sicheren Unterschlupf. In den »Nebengebäuden« finden auch andere Tiere einen Platz zum Überwintern. Im Osten wurde für Wildbienen, Hummeln und viele kleine Insekten ein Sandarium angebaut. Auf der westlichen Seite wurde ein Erdwall zum Bepflanzen mit vorgelagertem Totholz, aufgeschüttet. »Das Totholz ist ideal als Unterschlupf und Lebensraum für verschiedene Käferarten wie den Nashorn-, Hirschkäfer oder Eremit.«

Patenschaften für Wiesen

Verbaut haben die Garten- und Landschaftsbauer 13 Tonnen Bruchsteine, sechs Tonnen Kies, drei Tonnen Sand sowie Erde für den Wall. In heimischen Gärten haben die Garten- und Landschaftsbauer bereits mehrere Reptilienburgen angelegt. »Eine so große bisher noch nie, das ist für uns eine Premiere«, berichtet Lisa Diehl. Allen Gartenbesitzern, die ein Winterquartier für Schmetterlinge anlegen möchte, empfiehlt sie ein Vogelhaus mit Rindenmulch auszukleiden. Und Brennnesseln, die einzige Nahrungsquelle für Schmetterlinge, stehen zu lassen. Zur Freude der Naturfreunde will die Unternehmerin drei Wiesenpatenschaften übernehmen. »Wir suchen für das Wiesenprojekt Paten, die uns praktisch oder finanziell unterstützen«, sagt Norbert Nakoinz.

Bisher haben die Vereinsmitglieder verschiedene Maßnahmen zur naturnahen Gestaltung der Wiese realisiert. Sie entfernten hartnäckige Brom- und Kratzbeeren, setzten Sträucher und Hecken auf den Stock, fällten einige Bäume, pflanzten Obstbäume und legten drei artenreiche Blühstreifen mit Saatgut an. »Die Fläche hat sich sichtbar gewandelt. Verschiedene blühende Wildkräuter breiten sich immer weiter aus und bieten eine vielfältige Nahrungsquelle und Lebensraum für Insekten, Vögel und Säugetiere. Rehe und Schwarzwild aus dem angrenzenden Bad Vilbeler Wald schauen regelmäßig auf unserer Wiese vorbei. Beweidet wird die Wiese durch eine Schaf- und Ziegenherde, der beiden Schäferinnen Katharina und Larissa. Dadurch verbuscht die Wiese nicht wieder«, sagt Narkoinz.

Wildkräuter können sich ausweiten und das Projektziel, eine naturnahe Wiese zu gestalten, wird langfristig gesichert. Informationen zum Wiesenprojekt gibt es auf der Website unter www.wiesenprojekt-bad-vilbel.de.

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