Fast wie in Ferienzeiten: Am Bad Vilbeler Busbahnhof herrscht in diesem Tagen nur wenig Betrieb. 	FOTOS: JÜRGEN SCHENK
+
Fast wie in Ferienzeiten: Am Bad Vilbeler Busbahnhof herrscht in diesem Tagen nur wenig Betrieb. FOTOS: JÜRGEN SCHENK

Maskenpflicht im ÖPNV

So reagieren Bad Vilbeler auf die Maskenpflicht im ÖPNV

  • vonJürgen Schenk
    schließen

Seit einer Woche besteht die Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr. Wie verhalten sich die Fahrgäste? Wie kommen die Busfahrer mit der Situation zurecht? So ist die Lage am Vilbeler Nordbahnhof.

Die Busstation am Bad Vilbeler Nordbahnhof ist an diesem Morgen ziemlich verwaist. Im überdachten Wartebereich halten sich lediglich ein paar Leute auf. Vielmehr sind es auch in den an- und abfahrenden Bussen nicht. Man kann die Fahrgäste sozusagen an den Fingern einer Hand abzählen. Drei sind es, vielleicht auch vier. Alle tragen Masken, so wie es seit gut einer Woche im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) Pflicht ist. Wirklich toll findet das niemand. Normalerweise werden die Masken locker um den Hals getragen und erst kurz vor dem Eintritt in den Bus hochgezogen. Gründe dafür sind das erschwerte Atmen und die ohnehin stickige Luft im Innenraum der Fahrzeuge. Der neue Alltag stellt scheinbar seine eigenen Herausforderungen.

Busfahrer Erkan Uslu fährt die Linie zwischen Bad Vilbel und Offenbach Hauptbahnhof. Zurzeit habe er ein mulmiges Gefühl, gibt er zu. Zwei kleine Kinder und eine kranke Mutter warten zu Hause auf ihn. Da dürfe man bei acht bis zehn Stunden im Bus nicht zu viel nachdenken.

ÖPNV Bad Vilbel: Tägliche Fahrt zum Arbeitsplatz

»Händewaschen zwischendurch geht nur, wenn irgendwo jemand eine Toilette aufschließt«, berichtet Uslu. »Essen mit ungewaschenen Händen ist ja derzeit nicht unbedingt zu empfehlen. Es gibt auch immer wieder Fahrgäste, die ohne Maske einsteigen und dann diskutieren wollen. Weniger in Bad Vilbel, aber in Offenbach.« Und da müsse man erfahrungsgemäß sehr genau aufpassen, wen man anspreche und wen nicht.

Was vorherrscht, ist ein Gefühl des Zwangs. Umso weniger verstehen manche Leute, warum die Busfahrer keinen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen. Alexander Kellner aus Bad Vilbel ist einer von ihnen. Er ist auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen und fährt jeden Tag mit dem Bus zur Arbeit nach Enkheim. Während der gut 20-minütigen Fahrt mache sich bei ihm Unbehagen breit. Das beginne schon beim Berühren von möglicherweise kontaminierten Oberflächen. »Wenn jeder den anderen schützen soll, dann gilt das auch für die Fahrer«, findet er. Das Land Hessen hat jedoch anders entschieden: Busfahrer im ÖPNV müssen keine Masken tragen, wenn es Trenneinrichtungen gibt, die sie schützen. Und das ist im hessischen Personennahverkehr der Fall. Der Fahrerbereich ist abgesperrt, in den Fahrgastraum darf nur hinten eingestiegen werden.

ÖPNV Bad Vilbel: Verständis für Busfahrer

Auch Ramazan Kayabasi zeigt sich darüber erleichtert. Er befördert Fahrgäste auf den Heilsberg und nach Dortelweil. Zwischen 60 und 65 Menschen steigen pro Tag bei ihm ein und aus. Einen Arbeitstag mit Maske kann er sich kaum vorstellen. Es wäre für alle Fahrer belastend, mehrere Stunden schlecht Luft zu bekommen, meint er. Die Stadt Bad Vilbel habe außerdem darauf hingewiesen, dass auch Busfahrer am Steuer zu erkennen sein müssten.

Es gibt Stimmen, die Verständnis für diese Äußerungen zeigen. Überhaupt scheinen manche Leute einfach besser mit der gegenwärtigen Situation zurechtzukommen. Eine Schülerin, die nach Enkheim unterwegs ist, macht sich eigentlich gar keine richtigen Sorgen. Vermutlich braucht sie das wegen ihres Alters auch nicht. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig sei das alles schon, aber mehr nicht.

ÖPNV Bad Vilbel: Geschätzt wenig Ansteckungsrisiko

Auf der anderen Seite der Busstation wartet ein Berufstätiger auf den Bus nach Dortelweil. Der Mann hat vor der Krise in der Gastronomie gearbeitet. Jetzt versucht er mit einem Hofladen ein zweites Standbein aufzubauen. »Mit dem Busfahren habe ich gar kein Problem«, sagt er. »Da sitzen jetzt eh nur drei Leute drin und die verteilen sich über den ganzen Innenraum. Eine Person hinten, die anderen in der Mitte. Ich glaube nicht, dass das Ansteckungsrisiko in solchen Fällen besonders hoch ist.«

,Nicht alle Menschen können Masken aufziehen. Vorerkrankungen wie Asthma spielen eine Rolle. Für solche Patienten gilt eine Sonderregelung. Trotzdem müssen sie sich auf dem Weg zur Arbeit in öffentlichen Verkehrsmitteln schützen. »Eine Maske kommt für mich nicht in Frage«, erklärt eine Betroffene. »Im Bus verwende ich einen Schal, das geht leichter für mich.« Bei ihrer Tätigkeit im Einzelhandel müsse sie sich aber täglich mit dem gleichen Problem herumschlagen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare