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Mit seinem Lachen und seinem Können verzaubert Nicolai Friedrich die Zuschauenden in der Wasserburg.

Raunen und Staunen im Publikum

  • VonAnne-Rose Dostalek
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Bad Vilbel (dos). Können Seil- Enden einfach verschwinden? Ja, sie können. Zumindest wenn ein Zauberkünstler auf der Bühne der Burgfestspiele steht. Ganz lässig stopft sich Nicolai Friedrich zwei, drei, vier Seil-Enden in die Tasche, bringt sie zum Winken, lässt sie hier auftauchen oder dort und hält zum Schluss wieder einen komplett geschlossenen Seilkreis in seinen Händen.

Mit dieser Zauber-Einstiegsdroge beginnt Friedrich seine Show, und das Staunen steht den Zuschauern in den Gesichtern geschrieben: Wie macht er das nur? Diese Frage wird alle in den kommenden Stunden nicht loslassen - erst recht, als Friedrich mit der Mentalmagie loslegt. Denn die Sache mit dem Seil, das könnte Fingerfertigkeit oder ein Trick sein. Aber wie weiß Friedrich, an welches Wort ein Zuschauer in einer bestimmten Situation gedacht hat? Bei dieser Art von Magie setzt Friedrich sogar sein Smartphone ein und fordert Zuschauer auf, mitzumachen. »Sie werden von mir eine unglaubliche Vorhersage bekommen«, kündigt er an. Also QR-Code scannen, die Zauber-App öffnen, sich ein Wort ausdenken und auf eine Wörterliste warten, die ihnen zugeschickt wird. Eins, zwei, drei Zuschauer lesen sie vor. Weit entfernt steht Friedrich auf der Bühne, hoch konzentriert, mit Blick auf die Vorlesenden. »Sie haben an Dobermann gedacht«, ruft er dem Ersten zu. Sternschnuppe und Jubiläum sind die Wörter der anderen beiden, und allen drei ist ein ungläubiges Staunen anzumerken. Friedrich hat tatsächlich das Wort herausgefischt, das sie sich ausgewählt hatten. Smartphone und App als Requisit einer Zauberschau - darauf ist Nicolai Friedrich in der Corona-Zeit gekommen, als er wie so viele andere Künstler keinen Live-Auftritt mehr hatte. In dieser Zeit entwickelte er seine digitale magische Show.

Auch wenn Friedrich später noch einmal die Smartphone-Nutzer einbezieht, ist die Liveshow in erster Linie von seiner Bühnenpräsenz geprägt. Friedrich erzählt, er lacht, bewegt sich geschmeidig und schafft eine Atmosphäre von Leichtigkeit und Spannung. Mal setzt er Requisiten ein wie die klassischen Tüten, in denen ein Nagel steckt, dann wieder seine Mentalmagie. Oder beides. »Wenn dieses Experiment schiefgeht, wird es blutig«, warnt er und patscht auf die Tüten, eine nach der anderen. Es wird nicht blutig dank einer mutigen Zuschauerin, die ihn davor bewahrt, auf die falsche Tüte zu hauen. Die junge Dame staunt über sich selbst, Friedrich schüttelt erleichtert seine heil gebliebene Hand.

»Ich wollte schon als Kind immer nur zaubern«, erzählt Friedrich, denn schließlich sei es ungemein praktisch, wenn man einfach Dinge verschwinden lassen oder sich Wünsche erfüllen könne. Leider funktionierten diese Zauberkräfte nur auf der Bühne. Sonst wäre er längst Lottokönig mit sechs Richtigen. Das Publikum lacht, und Nicolai holt eine junge Dame auf die Bühne. Sie muss Lottozahlen ziehen aus einem Glasbehälter mit 49 Kugeln. Auf Anhieb sechs Treffer, wie sich herausstellt. Denn exakt diese Zahlen hat Friedrich vorhergesagt und auf den Zeichenblock geschrieben, den er dem Publikum zeigt.

Das Staunen setzt sich fort, als Friedrich Geburtsdaten nennt von ihm bislang unbekannten Menschen, ihr Sternzeichen weiß oder welche ihre Lieblingsstadt ist. Er lädt eine Frau ein, eine Gedankenreise zu machen, weiß die Farbe ihres virtuellen Kleides und zaubert den Hotelschlüssel mit der richtigen Zimmernummer herbei. »Das ist alles nur eine Frage der Aufmerksamkeit«, hatte Friedrich zu Anfang gesagt. Dass er es in der Sparte der Mentalmagie zu einem der ganz Großen geschafft hat, zeigen die Shows, die Erfolge, die Preise, die er in seiner fast 30-jährigen Bühnenlaufbahn gesammelt hat. Schon als Jugendlicher, Jahrgang 1976, wurde er in den »Magischen Zirkel«, einen internationalen Verband, aufgenommen. Die Zauberkunst lässt den Karbener nicht mehr los.

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