Das Gebetszentrum der Bad Vilbeler Ahmadiyya-Gemeinde in Dortelweil muss vorerst leer bleiben. Auch an Ramadan sind wegen Corona keine gemeinsamen Gebete gestattet.	FOTOS: PRIVAT
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Das Gebetszentrum der Bad Vilbeler Ahmadiyya-Gemeinde in Dortelweil muss vorerst leer bleiben. Auch an Ramadan sind wegen Corona keine gemeinsamen Gebete gestattet. FOTOS: PRIVAT

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Ramadan in Zeiten von Corona

  • vonNiklas Mag
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Heute beginnt der muslimische Fastenmonat Ramadan, was die Ahmadiyya-Gemeinden in der Wetterau vor eine Herausforderung stellt. Denn wegen Corona gilt bekanntlich das Kontaktverbot. Doch haben sich die Gemeinden schnell angepasst und außerdem viele Hilfsangebote in der Region organisiert.

Von Konzerten über Ostern bis hin zur privaten Geburtstagsfeier: Keine Veranstaltung in Deutschland darf in diesen Tagen noch stattfinden. Das trifft ab heute auch die muslimischen Feierlichkeiten zum Fastenmonat Ramadan. »Wir halten uns strikt an die Vorgaben der Bundesregierung und können seit Wochen nicht in die Moscheen und Zentren gehen und haben keine gemeinsamen Gebete. Das muss alles von zu Hause aus stattfinden«, sagt Ahmed Kalim, Präsident der Ahmadiyya-Gemeinde in Bad Vilbel.

»Wir verschicken jede Woche Briefe mit Informationen an unsere Mitglieder«, fährt er fort. Auch der Ramadan wird nun durchweg in den heimischen vier Wänden stattfinden müssen. Doch beteiligt sich die Bad Vilbeler Gemeinde weiterhin an zahlreichen Hilfsprojekten, zu denen die deutschlandweit tätige Ahmadiyya-Gemeinde aufgerufen hat. So nähen die Frauen der Gemeinden beispielsweise Behelfsmasken und spenden diese an Krankenhäuser, Ärzte und andere Einrichtungen. »In Bad Vilbel gingen die Masken zugunsten der Nachbarschaftshilfe und des Seniorenheims AGO in Dortelweil. Die Tafel wollen wir im Mai mit weiteren Masken versorgen«, teilt Ahmed Kalim mit. Rund 50 000 Masken seien deutschlandweit bereits fertiggestellt worden, 35 000 gespendet.

Bilder für ältere Menschen gemalt

»Ich male dir ein Bild«, heißt eine weitere Aktion der Gemeinden. Selbst gemalte Bilder, die in den Gemeinden entstehen, sollen älteren Menschen, die derzeit nicht von ihren Angehörigen besucht werden können, ein Lächeln ins Gesicht zaubern. »Wir haben auch der Stadt Bad Vilbel signalisiert, dass wir immer bereit sind zu helfen, gerade in dieser schwierigen Zeit«, fährt der Präsident fort.

In der Karbener und der Friedberger Ahmadiyya-Gemeinde sieht das nicht anders aus: »Die Moscheen und Gebetszentren sind natürlich auch bei uns geschlossen. Sämtliche Versammlungen finden online statt. Auch der Koran-Unterricht funktioniert über das Internet«, teilt Tahssin Rasheed, Imam der Gemeinden, mit. »Wir hatten für das Frühjahr und den Sommer einige Veranstaltungen geplant, aber auch die sind nun natürlich abgesagt.« Das betreffe auch den Ramadan, gemeinsame Gebete oder gegenseitige Besuche seien selbstverständlich nicht möglich.

»Doch auf das Fasten und den theologischen Hintergrund des Fastenmonats hat das Virus natürlich keine Auswirkungen. Das kann also so stattfinden wie sonst auch.«

Einkaufsdienste und Masken nähen

Auch in Karben und Friedberg richten die Ahmadiyya-Gemeinden ihren Blick auf die von dem Coronavirus hervorgerufenen Probleme in der Stadt: »Die Gemeinden haben den Städten ihre Hilfe angeboten. In Friedberg steht unsere Jugendorganisation beispielsweise bereit, für ältere Menschen oder Risikopatienten einkaufen zu gehen«, sagt Rasheed. Auch würden die Jugendlichen selbst kochen und das Essen ausliefern. »Unsere Frauenorganisation hat ebenfalls viele Masken genäht und wir sind jederzeit bereit, den Städten zu helfen, wo Hilfe benötigt wird.«

Hilfsbereitschaft steht bei den Gemeinden an erster Stelle, wie Hasanat Ahmad, stellvertretender Bundesvorsitzender der Ahmadiyya-Gemeinden, erklärt: »Wir haben gleich eine Taskforce ins Leben gerufen, als die Situation ernster wurde.« Man habe zuerst vor Ort in den Gemeinden helfen wollen, die Corona-Regelungen umzusetzen und das Gemeindeleben aufrechtzuerhalten. »Seminare für Kinder und Jugendliche finden nun beispielsweise online statt, außerdem war uns Aufklärung in Sachen Pandemie sehr wichtig«, schildert Ahmad. Mit Ärztinnen und Ärzten aus den deutschlandweiten Gemeinden sei das gelungen.

Weiterhin hätten die Ahmadiyya-Gemeinden im Rahmen der Organisation »Humanity First« zahlreiche Spenden im In- und Ausland verteilt. Der Fastenmonat Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Mondkalender. Das tägliche Fasten beginnt mit der Morgendämmerung und endet mit dem Sonnenuntergang.

Die Ahmadiyya-Gemeinde in Bad Vilbel ist im gesellschaftlichen Leben der Quellenstadt aktiv: Jedes Jahr räumen die Mitglieder nach dem Silvesterfeuerwerk am Neujahrsmorgen die Innenstadt auf.

Vor wenigen Wochen beteiligte sich die Gemeinde außerdem an einer Baumpflanzaktion im Kurpark und stiftete zwei Bäume für das Arboretum, das im Zuge des Hessentages entstehen sollte, der mittlerweile aber wegen der Corona-Pandemie abgesagt wurde. nma

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