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Anika Hensel und ihre Kollegen vom Mainäppelhaus sind ratlos. Doch vielleicht kann die Öffentlichkeit helfen, die mysteriöse Birnensorte am Rande des Vilbeler Waldes einzuordnen.

Rästelhafte Früchte

Rätselhafte Früchte im Vilbeler Wald

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Im Mainäppelhaus ist man ratlos, und auch Experten stoßen an ihre Grenzen. Im Feld direkt am Rande des Vilbeler Waldes stehen Birnenbäume, deren genaue Sorte niemand bestimmen kann.

Anika Hensel hat den Motor ausgeschaltet und schließt die Tür des kleinen umgebauten Quads, das sie zum Standort einer der mysteriösen Birnenbäume gefahren hat. Jeder Vilbeler, Berger oder Seckbacher ist an diesem Ort vermutlich schon dutzende Male vorbei gelaufen, denn es handelt sich um einen alten Baum. Er steht direkt am Rande einer Wiese, die an den Vilbeler Stadtwald grenzt.

Wind und Nieselregen machen eine Besichtigung dieser Stelle am Vormittag zwar unangenehm, aber nicht weniger spannend. Hensel, Mitarbeiterin des Mainäppelhauses, hat schließlich sogar ein paar Birnen gefunden, die noch einigermaßen nach Obst aussehen. Doch bereits im Sommer hat ein Mitarbeiter des Mainäppelhauses die Birnen in ihrer vollen Pracht fotografiert. "Gute Anschauungsexemplare gibt es leider keine mehr. Doch es ist ganz typisch für diese Birne, dass der Stiel zwei verschiedene Farben hat", erklärt die Obstexpertin.

Essbar und süß

Die Birne ist essbar, schmeckt süß und das Fruchtfleisch hat Stücke darin, die an Gries erinnern. "Es ist keine Lagerbirne. Vermutlich wurde diese in der Vergangenheit eher für die Versaftung verwendet." Seit rund 80 Jahren stehen die etwa 15 Birnbäume der mysteriösen Sorte in den Feldern südlich des Vilbeler Walds, in Richtung Bergen-Enkheim und Seckbach, doch ihr Name ist in Vergessenheit geraten.

Das Mainäppelhaus hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, die Sorte neu zu entdecken. "Deshalb haben wir vor einiger Zeit einen Aufruf gestartet, dass Leute, die diese Sorte kennen, sich bei uns melden", fährt Hensel fort. Bereits beim vergangenen Äppelfest haben die Mitarbeiter sich unter den Gästen umgehört, eine ältere Dame bezeichnete die Birne als Griesbirne. So hätte sie die Frucht zumindest immer gekannt. "Wir stehen natürlich in engem Kontakt mit Pomologen. Zwei solcher Experten haben sich die Birne angeschaut, doch auch sie konnten nicht sagen, um was für eine Sorte es sich handelt."

Selbst für Experten unbekannt

Es gebe ganz ähnliche Sorten wie diese, berichtet Hensel, diese würden zu den Bergamotte-Birnen gehören. Doch diese nicht. "Wenn schon die Fachleute die Gattung nicht einordnen können, dann besteht eine gute Chance, dass es sich hier um eine lokal vorkommende Birnensorte handelt, die nie beschrieben wurde", vermutet Hensel. Das nachzuholen wäre ein guter Auftrag für die neu gegründete Pomologie-Gruppe des Mainäppelhauses.

Unter Leitung von Maja Becker kümmern sich dort mehrere Interessierte um die wissenschaftliche Seite des heimischen Streuobstes. "Maja Becker engagiert sich sehr, und das ist wichtig. Denn was wir nicht benennen können, gerät in Vergessenheit", befürchtet Hensel.

Leider sei die Pomologie - also die Lehre von den Obstsorten - weiterhin ein Fachgebiet, das größtenteils von Ehrenamtlichen ausgefüllt wird. Dabei sei gar nicht bekannt, wie viel Potenzial in den Obstsorten der Streuobstwiesen stecken könnte. "Wir müssen unbedingt mehr herausfinden. Was hat diese Birnensorte für Eigenschaften, von der andere Sorten bei der Züchtung profitieren könnten?", meint sie. "Vielleicht ist sie besonders hitze- und trockenheitsresistent."

Hinweise erwünscht

Zuallererst möchte sie die unbekannte Sorte aber sichern. Ein Baum soll in den Erhaltungsgarten des Mainäppelhauses kommen, damit die Sorte keinesfalls in Vergessenheit gerät. "Das geht bei Obstbäumen ja zum Glück recht einfach", weiß Hensel.

"Und wenn es wirklich eine neue Sorte ist, müssen wir sie irgendwann benennen. Seckbacher Zuckerbirne zum Beispiel. Ist aber nur ein spontaner Einfall."

Vorerst ist weiter die Bevölkerung der Region gefragt. Möglicherweise kennt jemand genauere Details zu dem Obst, das auf den ausladenden Streuobstwiesen im Süden der Quellenstadt wächst. Die Mitarbeiter des Mainäppelhaus sind jedenfalls für jeden Hinweis dankbar.

Kontakt zum Mainäppelhaus

Die Mitarbeiter des Mainäppelhaus setzen sich für den Erhalt der Streuobstwiesen ein. Wer beispielsweise eine Streuobstwiese besitzt, diese aber nicht weiter bewirtschaften kann, kann diese beim Mainäppelhaus melden, die einen engagierten Obstbauern für die Wiese vermitteln. Die Kontaktaufnahme ist unter Telefonnummer 0 69/47 99 94 oder unter info@mainaeppelhauslohrberg.de möglich. Und das natürlich auch, wenn jemand die mysteriöse Birnensorte identifizieren kann.

Die Mitarbeiter des Mainäppelhaus setzen sich für den Erhalt der Streuobstwiesen ein. Wer beispielsweise eine Streuobstwiese besitzt, diese aber nicht weiter bewirtschaften kann, kann diese beim Mainäppelhaus melden, die einen engagierten Obstbauern für die Wiese vermitteln. Die Kontaktaufnahme ist unter Telefonnummer 0 69/47 99 94 oder unter info@mainaeppelhauslohrberg.de möglich. Und das natürlich auch, wenn jemand die mysteriöse Birnensorte identifizieren kann. (nma)

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