Bad Vilbeler Mahnwache (von links) : Marius Thiel, Till Bause, Nicolas Gerena und Malin Müller haben sich an der Protestaktion beteiligt. FOTOS: NIKLAS MAG/PRIVAT

Dottenfelderhof nimmt an Aktion teil

Bad Vilbel: Protest aus der Entfernung – 30 Transparente statt Demozug

Einmal im Jahr findet die Demonstration »Wir haben es satt« in Berlin statt. In diesem Jahr anders, wegen der Corona-Pandemie. Der Dottenfelderhof beteiligt sich allerdings auch 2021 an dem Protest und hat über 30 Plakate nach Berlin geschickt, die vor dem Kanzleramt aufgehängt wurden.

E s sind nicht nur Höfe, sondern auch Umweltverbände, Firmen und Institutionen aller Art, die normalerweise im Januar in Berlin zusammenkommen. Unter dem Titel »Wir haben es satt!« wird dann für die Agrarwende, ökologischere Landwirtschaft und bessere Unterstützung seitens der Regierung gekämpft. Unter den rund 30 000 Demonstranten befanden sich im vergangenen Jahr auch Mitarbeiter des Dottenfelderhofs.

Dieser arbeitet schließlich nicht nur ökologisch nachhaltig, sondern leistet in Sachen Forschung und Ausbildung wichtige Arbeit. »Wir haben uns in diesem Jahr an der Aktion Fußabdruck beteiligt und mit rund 30 Leuten ein großes Transparent und die kleineren Plakate gebastelt«, erläutert Margarethe Hinterlang vom Dottenfelderhof. Die bemalten Plakate oder »Fußabdrücke« wurden für die Protestaktion am vergangenen Samstag in Berlin vor dem Kanzleramt aufgehängt. »Es waren hauptsächlich junge Leute, die hier auf dem Hof arbeiten oder mit uns zu tun haben, die die Fußabdrücke gebastelt haben«, so Hinterlang.

Freiwilliges Jahr auf dem Hof

Hofmitarbeiter Marius Thiel findet: »Es ist wichtig, auch während der Corona-Zeit die Flagge für die Landwirtschaft zu schwenken.« Die Politik schaue weiterhin nur zu, während in der Landwirtschaft das Grundwasser mit Pestiziden belastet werde und Bauern sich an den immer stärkeren Auswirkungen des Klimaschutzes abarbeiteten, während Lebensmittel immer günstiger werden müssen. »Deshalb wurde die Plakataktion ins Leben gerufen, damit auch dieses Jahr ein Protest stattfinden kann.« Malin Müller kommt aus Berlin und macht genau wie Marius Thiel derzeit ein Freiwilliges Ökologisches Jahr auf dem Hof: »Vergangenes Jahr war ich dort und ich finde das wichtig. Denn Landwirte sind die Versorger der Gesellschaft und wenn diese keine Unterstützung bekommen, dann hat die Landwirtschaft keine Zukunft.«

Immer größer, weiter und industrieller zu arbeiten, das sei kein geeigneter Weg mehr. Moderne Zeiten erfordern vielmehr biologische Nachhaltigkeit, meint die junge Landwirtin. Subventionen für die Landwirtschaft gebe es zwar, doch weiß Mitarbeiter Till Bause: »Diese werden falsch verteilt und kommen nicht dort an, wo das Geld wirklich helfen würde.« Die Agrarwirtschaft könnte zudem eine Menge zur Abmilderung der Klimakrise beitragen, ist er sich sicher. Während die Plakate der jungen Hofmitarbeiter auf dem Weg nach Berlin sind, hängen diese ein großes Transparent vor dem Hofladen auf.

Denn auch die zahlreichen Kunden sollen auf die Protestaktion hingewiesen werden. Es sind derzeit viele, die auf den neuen Parkplatz fahren. Wie anderen Einkaufsmärkten hat auch dem Laden auf dem Dottenfelderhof die Corona-Krise einen gewissen Aufschwung beschert. »Die Leute sind zu Hause und kochen mehr. Viele probieren neue Sachen aus, wollen sich die Zeit nehmen, um gute Produkte zu nutzen. Das spüren wir in den vergangenen Monaten«, weiß Margarethe Hinterlang.

Deutlich mehr Platz im Laden

Dass der neue Hofladen steht, sei für diese Zeit natürlich ein Glücksfall, denn dieser bietet deutlich mehr Platz als der kleine, alte Hofladen. Zudem gleiche er das Defizite wieder aus, die der Hof an anderer Stelle macht. »Der Schulbauernhof ist einigermaßen über die Runden gekommen bisher, aber es ist nicht einfach.« Veranstaltungen fallen aus, zudem kämen im Normalfall viele Schüler aus dem Ausland. Die Mitarbeiter des Schulbauernhofs hülfen nun in der Landwirtschaft aus.

Ebenso habe das Hofcafé geschlossen. Damit fehle dem Hof ein wichtiger Besuchspunkt. »Das ist ja normalerweise ein Platz, wo man sich einfach mal hinsetzen kann«, weiß Margarethe Hinterlang.

Die »Wir haben es satt«-Demo fand am Samstag in Berlin statt. Vor allem Kritik an Landwirtschaftsministerin Julia Glöckner (CDU) wurde laut, »Agrarindustrie abwählen, Agrarwende jetzt!«, lautete das Motto im Hinblick auf das Wahljahr 2021. Neben der großen Plakataktion, fuhren rund 30 Traktoren hupend durch das Berliner Regierungsviertel. Die Veranstalter hatten wegen Corona dazu aufgerufen, nicht wie sonst zur Demonstration nach Berlin zu kommen. nma

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