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Vermessungsingenieure ermöglichen den Berufsschülern mit einer Drohne den Blick auf die Baustelle aus der Luft. Die Drohne erstellt ein 3D-Bild des Geländes.

Praxiserfahrung auf der Baustelle

Die Baubranche boomt. Doch es gibt Probleme beim Nachwuchs. Dem will der Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure Frankfurt-Rhein-Main mit dem Projekt "Initiative Zukunft Fachkraft" entgegenwirken.

I nteressiert nähern sich die Schüler dem helikopterähnlichen Gerät, dass im Mittelpunkt der Baustelle steht. Mehrere Lichter blinken auf, als die Drohne in die Luft abhebt und über dem Gelände am Nordbahnhof kreist. 15 Schüler der Hohen Landesschule Hanau bekamen am Mittwoch im Rahmen der "Initiative Zukunft Fachkraft" die Gelegenheit, hinter die Kulissen der Baustelle der Alea AG am Nordbahnhof zu blicken.

Stephan Och, Geschäftsführer der TPI Vermessungsgesellschaft und Besitzer der Drohne erklärt. "Vermesser laufen heute nicht mehr mit Maßband und Block herum, vieles wurde in den vergangenen zehn Jahren durch die Technik so vereinfacht und verbessert, dass die Anforderungen ganz andere sind."

Drohne am Flughafen erlaubt

Automatisch erstellt die Drohne ein 3-D-Bild des Geländes, das anschließend weiter verwendet werden kann, etwa zur Baukontrolle. Innerhalb kurzer Zeit ist etwas geschafft, das viel Aufwand gewesen wäre. Die Drohne, die Och heute dabei hat, ist ein Unikat, gebaut für den Einsatz am Frankfurter Flughafen und die einzige Drohne, die dort auch tatsächlich fliegen darf ohne einen Alarm auszulösen. "Doch der Einsatz von Drohnen ist heute auf vielen Baustellen gang und gäbe", weiß Och. "Und die Geräte werden ja auch immer billiger."

Das alte Bild der dreckigen Baustelle sei überholt, ist indes Thomas Reimann überzeugt, Vorstandsmitglied der Alea AG und Mitinitiator des Projektes "Zukunft Fachkraft" beim Bund Deutscher Baumeister Rhein-Main. Dieses soll Schülern Berufe in der Bauwirtschaft näherbringen.

"Dafür müssen wir oft bei den Eltern anfangen", weiß Reimann. "Wir müssen mit den alten Klischees aufräumen und zeigen, was ein Beruf in unserer Branche heute ist: Ein verlässlicher Beruf mit gesichertem Auskommen. Körperliche Schwerstarbeit, das gehört der Vergangenheit an."

Dass dabei ein Studium oft gar nicht vonnöten ist, das erklärt er am Beispiel des Poliers, des Vorarbeiters auf der Baustelle. "Die Ausbildung ist hier kürzer als ein Studium, und das Einstiegsgehalt ist in vielen Fällen sogar höher als das eines Frischlings, der direkt von der Uni kommt und in den Beruf einsteigt."

Der Polier gehört zu den wichtigsten Personen auf der Baustelle. Er koordiniert die Abläufe und ist für die anderen Arbeiter verantwortlich. "Als Bauunternehmer sage ich immer, dass der Polier meine rechte Hand ist, ich muss mich in allen Fällen auf ihn verlassen können", sagt Reimann. Damit geht viel Verantwortung einher, die sich aber auch in der Bezahlung widerspiegelt. "Vor allem jedoch wird es nie langweilig. Jeder Tag ist anders, jede Baustelle hat ihre ganz eigenen Herausforderungen."

Zusatzausbildung zum Polier

Nach drei Jahren Ausbildung, etwa als Maurer, und zwei Jahren einarbeiten folgt dann die Zusatzausbildung als Polier, die etwa ein halbes Jahr dauert. Doch dann ist er am Ziel. "Ein sicherer Job, ein Leben lang". Am besten sei es jedoch, die Ausbildung bei einem mittelständischen Betrieb zu machen, dort seien die Chancen auf beruflichen Aufstieg am größten.

Die 15 Schüler hören gespannt zu. "Ich könnte mir definitiv vorstellen später in diesem Bereich zu arbeiten", meint etwa Iman (16).

Gute Voraussetzungen bringt er mit: Mathe ist eins seiner besten Fächer. Daher ist er auch heute beim Besuchstag mit dabei, denn er will sich erkundigen, bevor er seine Entscheidung trifft. "Definitiv überrascht hat mich, wie viel man mittlerweile durch Technik machen kann", sagt er. Doch auf der Baustelle zu arbeiten, das kann er sich weniger vorstellen. "Ich bin eher an der Planung interessiert, daher könnte ich mir eher vorstellen, Architekt zu werden. Aber das kann sich ja auch noch ändern, ich bin gespannt was der Tag so bringt."

Unentschlossen ist auch noch Imran (19). "Ich finde das bisher sehr spannend, denn man bekommt ja nicht jeden Tag die Möglichkeit hinter die Kulissen zu blicken", erklärt er. So hat er auch die Chance genutzt sich mit den Arbeitern vor Ort und dem Polier auszutauschen, um aus erster Hand zu erfahren, wie die Arbeit ist.

"Dass ich später in diesem Bereich arbeiten möchte, das steht für mich fest", erklärt Imran. "Doch was genau das Richtige für mich ist, das versuche ich heute herauszufinden. Dafür ist das heute eine tolle Gelegenheit."

Die "Initiative Zukunft Fachkraft" soll Schülerinnen und Schüler in der Rhein-Main-Region für einen der 330 Ausbildungsberufe in der Bauwirtschaft begeistern. Dafür nehmen die Initiatoren an Berufsinformationstagen teil und organisieren Aktionen wie die Baustellenbegehung. Die Kooperation mit den Schulen ist einer der Grundpfeiler der Initiative. (app)

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