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Polizei sucht Säuglings-Mutter mit Massentest

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Bad Vilbel (süd). Es ist der Donnerstag nach Pfingsten, der 27. Mai, gegen 18.15 Uhr. Ein Mann ist mit seinem Fahrrad auf einem unbefestigten Weg an der Nidda unterwegs, sieht einen blauen Müllsack, öffnet ihn und entdeckt ein totes Baby. Nun soll ein Massengentest die Mutter ausfindig machen.

Gut fünf Monate später an der Fundstelle: Willi Zimpfer vom Erkennungsdienst der Polizei packt diesen blauen Müllsack aus und legt ihn für die Fotografen und Kamerateams an die Fundstelle. Anlass für diesen Ortstermin: Polizei und Staatsanwaltschaft wollen die Mutter des gewaltsam getöteten Säuglings mit einem Massengentest finden, nachdem die bisherigen Hinweise und Spuren nicht zu ihr geführt haben. Dieser Test beginnt am 13. November.

Polizeisprecher Jörg Reinemer und Kriminalhauptkommissar Klaus Schmidt, Leiter der Arbeitsgruppe »Magdalene« - dieser Name wurde dem toten Kind gegeben -, erläuterten vor Ort Einzelheiten. Bis jetzt habe die Polizei keine heiße Spur. Rund 40 Hinweise waren nach diversen Presseaufrufen eingegangen, alle sind abgearbeitet. Ohne Ergebnis blieb auch der Abgleich der am Baby gefundenen eindeutigen DNA-Spuren der Mutter mit den beim Landeskriminalamt vorhandenen Daten.

Ortskenntnissse wahrscheinlich

Deshalb wollen die Ermittler die Mutter nun mit Hilfe eines Massentests finden. Weil der Fundort vermuten lasse, dass die Mutter des wenige Tage nach der Geburt erstickten Säuglings über Ortskenntnisse verfügt, kommen mehrere tausend Frauen aus der Quellenstadt für einen solchen Test in Frage. Die Polizei hat zunächst rund 5000 Frauen im Alter von 15 bis 45 Jahren aus der Kernstadt sowie aus Massenheim und vom Heilsberg ermittelt. Von diesen werden zunächst 1500 im Alter von 15 bis 25 Jahren angeschrieben. Sie werden gebeten, zwischen dem 13. und 21. November im Feuerwehrstützpunkt zu erscheinen, um ihre DNA abzugeben. Dieser Vorgang dauert nur wenige Sekunden, mit einem Wattestäbchen wird im Mundraum ein Abstrich gemacht. Zuvor werden noch die Personalien aufgenommen, erklärte Schmidt. Zum Einsatz komme neueste Technik, die Wattestäbchen werden in Röhrchen gesteckt, die sofort verschlossen werden dürfen. Diese werden vom Gerichtsmedizinischen Institut in Münster auf Übereinstimmungen untersucht. Werden erste Anzeichen festgestellt, geht die Probe ans Landeskriminalamt, wo dann detailliert geprüft werde. Schmidt rechnet damit, dass die Ergebnisse der erste Reihe nach drei bis vier Wochen vorliegen. Die genommenen Proben werden nach der Untersuchung vernichtet, so Reinemer.

Teilnahme ist freiwillig

Die Teilnahme am Test ist freiwillig, »wir hoffen aber auf rege Beteiligung«, sagte der Polizeisprecher. Die Erfahrung zeige, dass über 90 Prozent der Angeschriebenen an einer solchen Aktion teilnehmen. Die anderen müssen damit rechnen, dass die Polizei nachfragt, warum sie nicht gekommen sind. Bleibt die Untersuchung bei den ersten 1500 Frauen ohne Ergebnis, werden die anderen zum Test gebeten, führt auch das zu keiner Spur, wird eine Ausweitung auf die verbliebenen Stadtteile, auf Frankfurt und die anderen Nachbarkommunen der Quellenstadt angestrebt, erläuterte Reinemer.

Der tote Säugling wurde am Donnerstag nach Pfingsten am Niddaufer in Höhe des Freibades aufgefunden. Nach Einschätzungen der Gerichtsmediziner war die Mutter in der 32. bis 36. Kalenderwoche schwanger, als das Kind geboren wurde. Es hat nach der Geburt noch gelebt und wurde dann erstickt. Am Fundort abgelegt wurde der Müllsack mit dem Kind vermutlich an Pfingsten. Unter dem Namen »Magdalene« wurde das Kind unter großer Anteilnahme der Bevölkerung am 8. Juni beigesetzt.

Die Polizei hat alles Wissenswerte zum getöteten Säugling und zum bevorstehenden Massentest auf einer eigens angelegten Internetseite veröffentlicht: . Außerdem wird ab dem heutigen Samstag um 9 Uhr die Telefonnummer 0 60 31/79 16 25 eingerichtet. Hier können Fragen zur Reihenuntersuchung gestellt, aber auch Hinweise auf die Mutter gegeben werden.

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