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Plötzlich im luftleeren Raum

  • vonChristine Fauerbach
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Bad Vilbel (cf). Künstlerin Ute Ringwald hat durch die Corona-Krise umsonst Konzepte für Ausstellungen erarbeitet, Ausstellungen wurden abgesagt und Auftragsarbeiten sind weggebrochen.

Ihre Bilder versprühen Lebensfreude und Humor. Auf ihren bunten, oft großformatigen Werken, fängt Ute Ringwald starke Frauen lustvoll ein. Die Bandbreite der Motive, in denen sie ihre wohlgeformten mit reichlich praller Sinnlichkeit ausgestatteten Heldinnen des Alltags in kräftigen Farben zeigt, ist groß. Augenzwinkernd interpretiert sie Themen, Schlagzeilen und Trends.

Bildcollage: »Stay at home«

Wie ihre »Achtsamkeitsübungen«: Gebannt hat sie diese auf Leinwände mit Titeln wie »Kleine Achtsamkeitsübung: Bewusst gehen« oder »Große Achtsamkeitsübung: Nachhaltiger Umgang mit Meer & Fisch«, »Leichte Achtsamkeitsübung: Natürliche Entspannung« sowie »Fröhliche Achtsamkeitsübung: Bunte Entwicklungshilfe«. Bei der letzten Übung bestäubt eine elfenhafte Frau eine Lilienblüte. In Japan übernähmen das die Menschen, weil es keine Bienen mehr gebe, wie Ringwald berichtet.

Die Bilder zeigen die üppigen Heldinnen bei Übungen, die den Betrachtern auf vergnügliche Art zeigen, wie sie sich in einer immer schneller und hektischer werdenden Welt auf das Wesentliche besinnen können. Zu sehen sind diese und weitere Werke gerade in der Ausstellung »Pralle Naturliebe - Humoreske Malerei« in der Remisengalerie von Schloss Philippsruhe in Hanau. Die Serie »Pralle Naturliebe« vereint Acrylbilder, Aquarelle, Collagen mit in der Natur gesammelten Fundstücken und mit Buntstiftzeichnungen kombinierte Naturmaterialien.

So wie in ihrer Corona-Bildcollage »Stay at home«. Da schauen zwei sich zuwinkende Frauen aus Schneckenhäusern heraus. »Meine Inspirationen hole ich mir auf Spaziergängen, auf denen ich auch das Material für meine Collagen wie Steine oder Blüten finde. Ich möchte mit meinen Bildern bei den Betrachtern das Bewusstsein für die Natur wecken, sie ermuntern mit offenen Augen unterwegs zu sein. Deshalb fand ich den Lockdown ohne Autos und Flugverkehr schön. Ich habe in den Streuobstwiesen und im Feld noch nie so viele Leute, vor allem junge, spazieren und radeln gesehen.«

Alle Ausstellungen abgesagt

Ute Ringwald will mit Werken wie »natürliche Entspannung« Leute ermuntern, eine Pause einzulegen und zumindest zeitweise aus der schnellen, digitalen und synthetischen Welt auszusteigen und stattdessen die Natur mit allen Sinnen zu betrachten und offen für Neues zu sein.

Ein Beispiel hierfür ist ihre Collage mit Fridolin, der seine Holzscheibe liebt, mit der er spielt. »Ich komme aus Gutach im Schwarzwald, bin ein Landkind und setze mich immer wieder in meinen Arbeiten mit der Natur auseinander.« Durch die Corona-Krise ist das Jahr für die Malerin, Diplom-Designerin und Kunstgeragogin beruflich bisher eine einzige große Herausforderung. »Alle geplanten Ausstellungen, für die ich Konzepte erstellt und Bilder gemalt habe, wurden in kürzester Zeit abgesagt. Allein für die Ausstellung ›Menschenwerk‹ in Aschaffenburg habe ich mich ein halbes Jahr vorbereitet.« Die Veranstalter hatten 26 Künstler eingeladen, sich Gedanken über die Präsentation ihrer Werke in »lost places« zu machen - wie Gärtnereien oder Fabriken, die abgerissen werden oder eine Kaserne, die umgebaut werden soll.

2018 war sie Inselmalerin auf Sylt

Passend zum von Decken und Wänden abblätternden Putz wollte Ute Ringwald, die seit 1996 in Bad Vilbel lebt und arbeitet, ihre Bilder auf Kunstrasen liegend zeigen. »Nicht nur Ausstellungen wurden abgesagt, sondern auch Auftragsarbeiten sind stark rückläufig. Ausstellungen sind für mich als Künstlerin wichtig. Einmal für den Kontakt mit dem Publikum, zum anderen finanziell durch den Verkauf der Bilder. Auch Aufträge aus der Werbung und von Firmen sind weggebrochen, das ist heftig. Es ist, als ob man von einer Minute auf die andere in einem luftleeren Raum schwebt«, sagt die Künstlerin, die 2018 Inselmalerin auf Sylt war. Deshalb hat sie sich über die Anfrage des Hanauer Kulturvereins gefreut, der ihr die Ausstellung mit Abstands- und Hygieneregeln ermöglicht.

Die Ausstellung »Pralle Naturliebe - Humoreske Malerei« von Ute Ringwald präsentiert der Hanauer Kulturverein noch bis Sonntag, 28. Juni, in der Remisengalerie, Schloss Philippsruhe, Philippsruher Allee 45, in Hanau. Die Ausstellung ist Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Coronabedingt fand keine Vernissage statt. Abstands- und Hygieneregeln sind von den Kunstliebhabern einzuhalten. cf

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