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»Pflegemöglichkeiten besser ausschöpfen«

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Von: Christine Fauerbach

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Experten von Hessen Forst informierten unter anderem über den Bad Vilbeler Stadtwald. © Christine Fauerbach

Bad Vilbel (cf). Mit dem drastischen Appell an die Kommunalpolitiker zum Thema Klimawandel: »Bitte alle umschalten: Wir haben bereits fünf nach 12« beendete Bernd Reißmann seinen Vortrag »Waldmanagement für den Kommunalwald im Forstamt Nidda in Zeiten des Klimawandels«. Der Forstamtsleiter gehörte mit Anselm Möbs und Revierförster Eckhard Richter zu den drei Experten von Hessen Forst in der ersten.

Sitzung der Kommission für Umweltschutz, Land und Forstwirtschaft im Sport- und Kulturforum Dortelweil.

In der von Ehrenstadtrat Klaus Minkel (CDU) geleiteten Sitzung, informierten die Experten in ihren Beiträgen unter anderem über Folgen der Erderwärmung, über Auswirkungen des Kohlendioxidausstoßes, den Vorteil klimaangepasster Mischwälder sowie über den Waldwirtschaftsplan.

Anselm Möbs erklärte, dass im Bad Vilbeler Wald die Schutz- und Erholungsfunktionen Vorrang vor der Nutzfunktion genieße. Dennoch werde der Wirtschaftswald unter anderem mit seinem Beitrag zum Klimaschutz nicht außer Acht gelassen. Eine schonende Nutzung in Zeiten des Klimawandels trage zur Pflege des Erholungswaldes bei. »Hierzu haben wir keine fertigen Modelle oder Konzepte vor Augen. Wir arbeiten prozessorientiert mit den Grundsätzen der naturgemäßen Waldbewirtschaftung«. Möbs und Reißmann informierten unter anderem über die Schutzfunktionen des Waldes.

Erst Schutz-, dann Erholungsfunktion

Für den Bad Vilbeler Stadtwald laute die Reihenfolge: Zuerst Schutz-, dann Erholungsfunktion und dann Rohstofflieferant. Bei den Baumarten können »Fichten und Buchen bei zunehmender Trockenheit nicht mehr wachsen. Eichen und Douglasien erweisen sich als klimaneutraler, und auch Kiefern verfügen über eine höhere Trockenheitsresistenz.« Dem Bad Vilbeler Stadtwald stellte Anselm Möbs basierend auf Daten einer Stichprobeninventur von 2008/09, eine Topausstattung mit einem ungewöhnlich hohen Starkholz- (45 Prozent der Masse), einem sehr geringen Nadelholz- (9,5 Prozent) und einem sehr hohen Edellaubholzanteil (23,9 Prozent) aus. Auch der Anteil an Laubholz-Habitatbäumen sei hoch. Bei Habitatbäumen handelt es sich um lebende oder tote, stehende Bäume, die anderen Pflanzen oder Lebewesen speziell abgegrenzte Lebensräume bieten. Die »Verjüngungssituation« mit einem »auffällig hohen Edellaubholzanteil« sei ebenfalls günstig. Unterrepräsentiert im Stadtwald ist die Eiche, stark vertreten sind Edelholzlaubbäume und Buchen.* Möbs und Reißmann empfahlen den Politikern ein »besseres Ausschöpfen der Pflegemöglichkeiten« durch Anwendung von Auslesedurchforstung, Sicherung des Baumartenreichtums, ein Habitatbaumkonzept sowie die Gewährleistung der Verkehrssicherung im Erholungswald.

Bei der Auswahl der Baumarten müsse Wert auf zukunftsorientierte Standortanforderungen und die Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse gelegt werden. Die Stilllegung von Waldflächen sei dagegen nur ein Teilaspekt der Multifunktionalität des Waldes.

Reißmann vertiefte die Aussagen seines Vorredners und belegte mit zahlreichen Untersuchungsergebnissen, dass der »Forst- und Holzsektor der wichtigster CO2-Speicher sei. Ohne ihn wären die jährlichen nationalen Treibhausgas-Emissionen etwa 14 Prozent höher.«

Im Foyer des Forums hatte Claus Metz mit einer Fotoausstellung »Hessen Forst oder naturnaher Bürgerwald?« gegen die Bewirtschaftung des Bad Vilbeler Stadtwaldes durch Hessen Forst protestiert.

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