Pedro Albert ist der neue Herr der Zahlen

Bad Vilbel (khn). Das Klischee eines Beamten aus der Finanzverwaltung geht so: Ein dröger Mensch brütet über Zahlen, geht zum Lachen in den Keller, ist eher ein Sesselheld und kommt dröge daher. Wer mit dem neuen Leiter der Kämmerei, Pedro Albert, redet, dem kommen solche Bilder nicht in den Kopf.

Der 49-Jährige lacht herzhaft, setzt seine Stimme bewusst ein, spricht über doppische Haushalte und gleich danach über die Vorzüge von speziellen Sitzkissen. Er macht in seiner Freizeit Kraftsport, und zusätzlich zu seinem Job ist er Standesbeamter. "Es geht mir nicht um Zahlen", sagt Albert, "sondern um Herausforderungen."

Am Montag, 2. April, tritt Albert seinen neuen Posten als Chef der Kämmerei an. Solange sitzt er noch im Nachbargebäude des Rathauses an der Parkstraße. Dort ist er seit drei Jahren Leiter des Rechnungsprüfungsamts. Wer zu ihm will, betritt ein hutzeliges Haus mit einer engen Treppe, die sich in den ersten Stock schlängelt. Die Tür zum Rechnungsprüfungsamt ist abgeschlossen. Eine Kamera erspäht jeden, der vor der Tür um Einlass bittet. Sicherheit à la Fort Knox? Nein, denn wer die Räume betritt, den erwarten offene Türen – auch während des Gesprächs.

Albert ist ein alter Hase in der Stadtverwaltung. 1979 begann er seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. In der Stadtkasse arbeitet er seit 1987, parallel dazu absolvierte er ein FH-Studium zum Diplom-Verwaltungswirt. Seit 2001 ist er stellvertretender Kämmerei-Leiter, seit 2009 führt er das Rechnungsprüfungsamt. "Ich bin in 33 Jahren mehrere Abteilungen durchlaufen", sagt Albert und zählt auf: "Ordnungsamt, Finanzverwaltung, Standesamt." Halt. Standesamt? Albert lacht laut. "Wenn ich das bei Trauungen erzähle, können sich die Gäste ein Schmunzeln nicht verkneifen", sagt er und grinst.

Doch dann kommt er auf seine neue Stelle zu sprechen, und seine Stimme stockt. Denn er beerbt Stephan Vonrhein, der Anfang Januar plötzlich an Herzversagen gestorben ist. "Stephan Vonrhein und ich sind gute Freunde gewesen", sagt Albert und blickt auf die Tisch-Unterlage. "Er ist nur zwei Jahre älter als ich. Wir hatten vor, gemeinsam auf unseren Stellen alt zu werden."

Die Stelle war vakant, es musste jemand den Platz von Vonrhein einnehmen, den Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr als "engen, wichtigen Mitarbeiter und absoluten Leistungsträger" bezeichnet hat, auf den er sich "voll und ganz verlassen konnte". Albert flüstert fast, als er sagt: "Ich habe mich beworben, weil ich lange Jahre Stephan Vonrheins Stellvertreter war, die Abläufe kenne und mit den Mitarbeitern befreundet bin." Er habe sich schnell entschlossen, die Stelle annehmen zu wollen.

Dass Albert nicht schneller die Leitung der Kämmerei übernehmen konnte, liegt vor allem an einer Tatsache: Das Stadtparlament musste die Personalentscheidung absegnen – was es dann auch einstimmig tat. Albert lacht wieder, als er an die Sitzung denken muss. "Ich habe ja schon viele Trauungen vollzogen", sagt er, "aber ich bin vorher jedes Mal nervös." So habe er sich auch im Parlament gefühlt. "Ich war nicht vorbereitet, sollte dann aber trotzdem ein paar Worte sagen." Mit Improvisation habe er es gemeistert. Dann fügt er noch hinzu: "Vor der Stadtverordnetenversammlung steht man immerhin auch nur einmal."

Es ist nicht so, dass auf Albert nun ein entspannter Job wartet. Die Kommunen sind klamm, "die Ausgaben sind höher als die Einnahmen", sagt der 49-Jährige lapidar. Er gehe nicht "unbedarft" an die Aufgabe, betont er, denn er sehe, vor welchen Problemen die Stadt stehe. Zuerst einmal wäre da die Umstellung auf die doppische Haushaltsführung. "Wir müssen den Jahreshaushalt auf den Weg bringen, und 2015 sollen wir einen konsolidierten Abschluss vorlegen." Der städtische Haushalt muss dabei zusammen mit den Zahlen der Beteiligungen wie den Stadtwerken präsentiert werden. "Das sind unterschiedliche Buchhaltungssysteme" – auf die Verwaltung wartet also eine Heidenarbeit.

Trotz der Schwere der Aufgaben ist Albert kein harter Hund. "Ich bin mehr Kollege als Vorgesetzter", sagt er. "Es ist mir wichtig, Probleme gemeinsam zu lösen." Teamarbeit sei für ihn "gang und gäbe". Grund sei eine größere Arbeitszufriedenheit. Und: "Wenn ich krank oder im Urlaub bin, wissen alle Bescheid, woran ich gerade arbeite."

Seine neue Stelle bringt es mit sich, dass Albert in Zukunft abends seltener zu Hause ist. Die Kinder – eine 23 Jahre alte Tochter und ein 25-jähriger Sohn – sind aus dem Haus. Seine Frau trage die Entscheidung aber mit. "Ich werde weiterhin morgens um 7 Uhr anfangen", betont er. "Denn das ist die beste Zeit, um sich einzulesen und ruhig in den Tag zu starten."

Wenn er nicht arbeitet, freut er sich vor allem auf eines: "Sport. Sport, Sport", sagt Albert und lacht. Früher habe er Faustball gespielt, heute trainiere er Kraft- und Ausdauer. Die wird er bei den Sitzungen im Parlament, Ausschüssen und Ortsbeiräten brauchen. Und für die Arbeit am Schreibtisch.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare