Präsentieren das Hygienekonzept für den Theatersommer in der Bad Vilbeler Wasserburg (von links): Ruth Schröfel, Sandra Malinowski und Beate Ochs. Vor allen Eingängen wird es Desinfektionsspender geben. 	FOTOS: HOLGER PEGELOW
+
Präsentieren das Hygienekonzept für den Theatersommer in der Bad Vilbeler Wasserburg (von links): Ruth Schröfel, Sandra Malinowski und Beate Ochs. Vor allen Eingängen wird es Desinfektionsspender geben. FOTOS: HOLGER PEGELOW

»Theatersommer«

Ohne Kuss-Szenen: In der Bad Vilbeler Burg wird wieder Theater gespielt

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
    schließen

In der Bad Vilbeler Burg wird ab heute wieder Theater gespielt. Coronabedingt geht der »Theatersommer« mit zwei Komödien unter ganz besonderen Auflagen über die Freilichtbühne im Kurpark.

An vieles haben wir uns in den letzten Monaten gewöhnen müssen: Dass man sich die Hände desinfizieren muss, wenn man ein öffentliches Gebäude betritt, aber auch, dass man eine Mund-Nase-Bedeckung aufsetzen muss, wenn man beispielsweise mit dem Bus fährt oder Bücherei und Verwaltung betritt. Nun kommt ein neuer Ort hinzu, an dem man beides beachten muss: die Wasserburg im Kurpark. Dort wird jetzt wieder Theater gespielt, aber es gelten in Corona-Zeiten auch hier verschärfte Auflagen.

Schauspieler schminken sich

Dass die Festspiele in gewohnter Form nicht stattfinden würden, war den allermeisten klar. Dann, als die hessische Landesregierung wieder kulturelle Veranstaltungen mit bis zu 100 Zuschauern erlaubte, keimte bei manchem doch Hoffnung auf, das beliebte Freiluft-Sommervergnügen würde doch noch stattfinden. »Nein, mit maximal 100 Zuschauern wäre das nicht machbar gewesen«, sagt Dramaturgin Ruth Schröfel, die auch für die Öffentlichkeitsarbeit der Freilichtspiele zuständig ist. Als dann aber kurze Zeit später die Grenze auf 250 Zuschauer angehoben wurde, entschloss sich die Intendanz doch dazu, wieder Theater zu spielen.

Ab da kam alles in Gang: Einige der in Kurzarbeit befindlichen Regisseure, Regieassistenten und Schauspieler wurden quasi aus der Kurzarbeit zurückgeholt, zwei Komödien wurden ausgewählt. Das Ergebnis kann man ab heute Abend auf der Bühne sehen: »Ladies Night« sowie »Mondschein und Magnolien« werden bis Mitte September aufgeführt.

Allerdings unter Bedingungen, die es so vorher noch nie gegeben hat. Diese sind in einem Konzept dargelegt, das im Laufe der letzten Wochen bis ins kleinste Detail ausgearbeitet worden ist.

»Wir haben mit Beate Ochs eine Hygienebeauftragte in unseren Reihen«, erklärt Schröfel. Eigentlich hat sie im Festspielbüro ganz andere Aufgaben. Nun hat sie für diese ganz spezielle Zeit ein Hygienekonzept erstellt, an das sich alle halten müssen: Angestellte, Schauspieler und Besucher. Die allgemeine Kontaktsperre-Verordnung in der Fassung vom 1. Juli hat sie auf die aktuelle Theatersaison in Bad Vilbel übertragen und gezielt den einzelnen Abteilungen zur Verfügung gestellt.

»Eine ganz spezielle Situation haben wir in der Maske«, sagen Ochs und Schröfel. Denn dort wäre der vorgeschriebene 1,50-Meter-Abstand gar nicht einzuhalten. Also gilt: »Die Schauspieler müssen sich weitgehend selbst schminken.« Bei den Proben erhalte zudem jeder einen Umhang, der nach den Proben in eine eigene Kiste geworfen und wieder gewaschen werde.

»Und eine Kaffeemaschine steht auch nicht mehr auf der Probenbühne«, ergänzt Schröfel. Kaffee oder Tee müsse sich jeder selber mitbringen. Die Festspiele hätten allen Beteiligten aber Thermobecher zur Verfügung gestellt.

Auch in der Schneiderei, wo die Kostüme genäht werden, ist in diesem Jahr alles anders. »Das war sonst ein ziemliches Kommen und Gehen, das darf nicht mehr sein«, sagen Schröfel und Ochs. Vielmehr müsse derjenige, der in die Schneiderei möchte, am unteren Ende der Treppe eine Handklingel betätigen. »Dann muss er warten, bis er die Treppe hoch darf und eingelassen wird.«

Zudem sind die beiden Stücke für den Theatersommer so ausgewählt worden, dass sich die Schauspieler nicht zu nahe kommen. »Kuss-Szenen gibt es in beiden Stücken nicht«, schmunzelt Schröfel, »auch wenn es um Liebe geht«.

Es wird auf der Bühne also Abstand geben, aber auch im Zuschauerraum. Die Stadt hat eine kleinere Tribüne geordert, als man sie von den Burgfestspielen gewohnt ist. »Wir wollten aber auch keine Bierzeltgarnitur aufstellen«, sagen Schröfel und Ochs. Die kleinere Tribüne bietet die Möglichkeit, die Stühle weiter voneinander entfernt aufzustellen. Statt wie sonst 730 werden nur 210 Besucher die jeweilige Vorstellung verfolgen dürfen. Die Zuschauer werden auf ihren Plätzen keinen Mundschutz tragen. »Wenn wir ein schönes Theatererlebnis haben wollen, dürfen wir die Zuschauer während der Vorstellungen nicht zum Mundschutz verdonnern«, sagt Ruth Schröfel.

Ampeln vor den Toilettenanlagen

Im Hof der Burg gilt die Vorschrift aber sehr wohl. »Schon jeder, der die Burg betritt, muss einen Mundschutz tragen.« Auch die Desinfektion der Hände sei vorgeschrieben. Mehrere mobile Desinfektionsspender hat die Stadt beschafft. Sie werden an beiden Aufgängen zum Burghof platziert.

Das Hygienekonzept sieht ebenso veränderte Regelungen für die Pausen vor. Sowohl vor der Damen-, als auch vor der Herrentoilette werden Ampeln aufgebaut. Gewartet werden muss dann an der Litfaßsäule nahe dem Burgeingang. »Wir werden im Prinzip nur drei Leute gleichzeitig in den Toiletten haben dürfen«, hat Ochs errechnet. Die nebeneinander hängen Waschbecken seien der sensible Bereich, von denen zwar mehr als drei in jeder Toilettenanlage vorhanden sind, wo die Menschen sich aber zu nahe kommen würden. Damit sich die Menschen auch sicher fühlen, gehört mit zum Hygienekonzept, dass vor jeder Vorstellung, vor und nach der Pause sowie nach den Vorstellungen die Toilettenanlagen desinfiziert werden.

Damit alles klappt, werden die Festspiel-Hostessen mehr zu tun haben. Sie werden die Eintrittskarten nicht wie früher anfassen, sondern elektronisch scannen, und die Besucher dann zu ihren Plätzen führen. Mit zum Konzept gehören personalisierte Eintrittskarten.

Nun hoffen alle, dass das Konzept greift. »Wir haben alles bis ins Detail geregelt, um uns, unsere Mitarbeiter, die Schauspieler und die Besucher zu schützen.«

Sieben Wochen lang

Vielerorts ist der Kulturbetrieb eingestellt. Nicht so in Bad Vilbel. Hier bietet die städtische Kulturpflege immerhin sieben Wochen Freilichttheater in der Wasserburg. Die öffentliche Generalprobe zu »Ladies Night« fand gestern Abend statt, heute Abend ist dann die Premiere. Die Generalprobe mit Zuschauern für »Mondlicht und Magnolien« geht am kommenden Freitag, 31. Juli, über die Bühne, die Premiere des Stücks ist dann am Samstag. Gespielt wird bis einschließlich 13. September täglich; Vorstellungsbeginn ist wie bei den Burgfestspielen jeweils um 20.15 Uhr. pe

Vielerorts ist der Kulturbetrieb eingestellt. Nicht so in Bad Vilbel. Hier bietet die städtische Kulturpflege immerhin sieben Wochen Freilichttheater in der Wasserburg. Die öffentliche Generalprobe zu »Ladies Night« fand gestern Abend statt, heute Abend ist dann die Premiere. Die Generalprobe mit Zuschauern für »Mondlicht und Magnolien« geht am kommenden Freitag, 31. Juli, über die Bühne, die Premiere des Stücks ist dann am Samstag. Gespielt wird bis einschließlich 13. September täglich; Vorstellungsbeginn ist wie bei den Burgfestspielen jeweils um 20.15 Uhr. pe

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare