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Ohne Heizung und warmes Wasser

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Heizungsbauer Gregor Hillmann zeigt auf das vom Schornsteinfeger beanstandete Rohr. Die Stadtwerke legten die von ihm gebaute Heizungsanlage still. 	(Fotos: pe)
Heizungsbauer Gregor Hillmann zeigt auf das vom Schornsteinfeger beanstandete Rohr. Die Stadtwerke legten die von ihm gebaute Heizungsanlage still. (Fotos: pe) © Holger Pegelow

Bad Vilbel (pe). Weil der Schornsteinfeger einer neuen Heizungsanlage in der Dresdner Straße die Zulassung verweigert hat, haben die Stadtwerke Bad Vilbel den Zähler entfernt und die Anlage stillgelegt. Mit fatalen Folgen: Die Mieter sitzen seit Tagen im Kalten, zwei Kinder sind laut Vermieter deshalb krank geworden.

Das Mietshaus Dresdner Straße 7 im Stadtteil Gronau sieht von außen ganz normal aus. Innen ist aber einiges im Gange, was jetzt den Ärger überkochen ließ. Das Gebäude gehört Helmut Morcinek, der die drei Wohnungen vermietet hat. »Sehen Sie«, sagt er zum WZ-Redakteur, »das ist der neue Heizkessel«, zeigt er im Keller seines Hauses. Bis Mittwoch lief die neue Heizung auch noch, laut Mieter Rainer Wokun völlig störungsfrei.

Der Hausbesitzer sagt, er habe die 30 Jahre alte Anlage gegen eine Brennwerttherme neuesten Typs ersetzt. Nachdem die Anlage vier Wochen gelaufen war, erhielt Morcinek Besuch von Schornsteinfegermeister Karlheinz Lindenstruth. Der habe die Anlage für nicht zulassungsfähig erklärt, weil ein Rohr falsch installiert und eine nötige Sonderzulassung nicht vorhanden wäre.

Das ärgert nicht nur den Gebäudeeigentümer, sondern auch den Installateur. Der Nidderauer Unternehmer Gregor Hillmann kann das nicht verstehen. Der Schornsteinfeger habe beanstandet, dass ein Rohr waagerecht und nicht schräg installiert worden sei. Deshalb könne das Kondenswasser nicht abfließen. Das Kondenswasser sei für solche Anlagen aber völlig normal, davon gehe keine Gefahr aus.

Der Schornsteinfeger machte, wie vorgeschrieben, Meldung beim städtischen Gasversorger, das sind die Stadtwerke Bad Vilbel. Und jetzt fing der Ärger erst richtig an. »Ohne Voranmeldung« seien zwei Monteure der Stadtwerke erschienen und hätten den Zähler ausgebaut. »Das geschah gegen meinen Widerstand«, sagt Morcinek. »Ich habe die Leute von den Stadtwerken angefleht, das schon wegen der Kinder nicht zu tun.« Aber die hätten sich nur auf die Vorschriften berufen und die Anlage stillgelegt.

Doch Morcinek bekam noch mehr Ärger, nämlich mit seinen Mietern. Die saßen plötzlich im Kalten und hatten auch kein warmes Wasser. In zwei der drei Wohnungen leben Familien. »Zwei Kinder sind schon krank«, empört sich der Eigentümer. Er kaufte zwei Heizlüfter, eine Familie zog ins Hotel.

Sowohl der Eigentümer als auch der Installateur sind über das Vorgehen der Stadtwerke außer sich. »Wenn Gefahr im Verzuge gewesen wäre oder es nach Gas gerochen hätte, hätte ich das noch verstanden«, sagt der Nidderauer Heizungsbauer. »Aber das gab es nicht.« Und deshalb sei das Vorgehen »völlig unverständlich«. Mieter Wokan spricht gar von »Behördenwillkür« und wendet sich an die WZ.

Die Stadtwerke hingegen sagen, die Heizung sei illegal betrieben worden. »Die haben wir wegen betrieblicher Unsicherheit stillgelegt«, betont der technische Leiter, Klaus Rotter. Der Eigentümer habe die Anlage illegal in Betrieb genommen, ohne die Stadtwerke vorher zu informieren. Der Eigentümer widerspricht: Für die Heizanlage liege seit 38 Jahren eine Genehmigung vor, er habe jetzt lediglich den Kessel ausgetauscht.

Gestern Nachmittag rückten Techniker der Stadtwerke an und bauten den Zähler wieder ein, die Anlage läuft also wieder. Doch damit ist der Streit nicht vom Tisch. Die Kosten, die ihm entstanden seien, reiche er an die Stadtwerke weiter, sagt der Eigentümer, der nach eigenen Angaben einen Anwalt eingeschaltet hat. Der Ärger geht also weiter.

Auf der Homepage der Stadtwerke gibt es ein Verzeichnis der Firmen, die Gasheizungen einbauen. Bis auf eine sind hier nur Vilbeler Firmen empfohlen. Der Nidderauer Gregor Hilmann ist nicht dabei. Allerdings weisen die Stadtwerke darauf hin, dass »auch jede andere qualifizierte Firma berechtigt« sei, »nach Anmeldung bei den Stadtwerken Arbeiten in unserem Gebiet durchzuführen«. Diese Anmeldung habe der Vermieter der Dresdner Straße nicht gemacht.

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