Dottenfelderhof

Öko-Pioniere erinnern sich

  • VonChristine Fauerbach
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Der Dottenfelderhof ist etwas besonderes. Bereits seit 50 Jahren wird der Hof biologisch-dynamisch bewirtschaftet. Die Öko-Pioniere erinnern sich an die harten Aufbaujahre.

Der 8. April 1968 ist der Geburtstags des Dottenfelderhofs in seiner heutigen Art. Damals begann eine neue Ära. Johannes Klein, Irmgard und Ernst Becker, Manfred und Li Klett, Johanna und Knud Brandau, Ebba und Dietrich Bauer unterzeichnen ihren ersten, auf fünf Jahre befristeten Pachtvertrag mit dem Land Hessen. Ihr Ziel: Den Hof gemeinsam biologisch-dynamisch zu bewirtschaften. Das Projekt wird von der Uni Gießen begleitet. Die Pioniere bilden eine Betriebsgemeinschaft. 50 Jahre später erinnern sich Dietrich und Ebba Bauer, Knud Brandau (84) und Dr. Manfred Klett (86) in einer Podiumsdiskussion auf dem Hof an die Anfänge. Moderiert wird die Expertenrunde von Michael Olbrich-Majer von der Zeitung »Lebendige Erde«. 100 Besucher lauschen der Runde.

Das Fundament der Zusammenarbeit gründet sich auf die Kriegserfahrungen aller, auf der Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit, auf die Funktionsfähigkeit der Betriebsgemeinschaft »die neue Art des Zusammenlebens und -arbeitens muss gelingen«, und die anthroposophische Weltanschauung von Rudolf Steiner (1861–1925). Vor allem harte Arbeit kennzeichneten den Aufbau.

»Wir haben in den 1970er und 1980er Jahren durch viel Arbeit ziemlich unter Wasser geschwommen«, erinnert sich Landwirt Knud Brandau. »Wir haben nachts unsere Maschinen repariert, um tagsüber auf dem Feld arbeiten zu können. Wir haben alle wie in einem Guss zusammengearbeitet und gewirkt. Das war eine unsichtbare Hilfe neben der Unterstützung durch viele Menschen«, sagt Agraringenieur Dr. Manfred Klett.

Meinungsverschiedenheiten haben wir im offenen Streit ausgetragen, um dann eine Stunde später wieder sachlich miteinander über Arbeitsthemen zu reden«, erzählt Dietrich Bauer, der als Gärtner- und Pflanzenzüchter dem Hofteam der ersten Stunde angehört.

Der tägliche Arbeitsplan wurde in morgendlichen Runden besprochen, in wöchentlichen Treffen Personal- und Investitionsfragen erörtert. »Wir haben stets alle Entscheidungen einstimmig gefällt und gemeinsam ein Konto gehabt, von dem sich jeder nahm, was er dachte, dass er es braucht«, sagt Hauswirtschaftsmeisterin Ebba Bauer, die während ihres Berufslebens sich auch zur Bäcker- und Käsemeisterin fortbildete.

Ein zinsloser 1,7 Millionen Euro Kredit der Bochumer GLS Gemeinschaftsbank ermöglichen den Kauf des Hofes mit 20 Hektar Land. »Äußerste Sparsamkeit war wichtig. Wir haben unser Konto nur ein einziges Mal überzogen, keine neuen Schulden gemacht, waren 1980 schuldenfrei«, sagt Klett. »Wenn die Not am allergrößten, die Zielsetzung aber klar ist, Risiken, nur um der Sache willen aufgenommen werden, dann bekommt man oft Hilfe von außen«, ergänzt er.

Unterstützung gab es für die Betriebsgemeinschaft durch den damaligen Landwirtschaftsminister Tassilo Tröscher (SPD), aber vor allem durch dessen Beauftragten Dr. Kolz. »Der Dr. Kolz und seine Kolchose« war ein geflügeltes Wort. Die Betriebsgemeinschaft suchte zur Sicherung des Hofes 500 Mitunternehmer, gründete eine Landwirtschaftsgemeinschaft, was zu Streitereien mit dem Finanzamt führte. 1974 kommt die Landbauschule hinzu. Gemüsezucht und Anbau des eigenen Saatgutes gemeinsam mit Gärtnern der heutigen Bingenheimer Saatgut bilden neben der späteren Direktvermarktung der Produkte wie Brot, Käse, Fleisch, Wurst, Gemüse und Obst, weitere Standbeine.

Für die Zukunft wünschen die Pioniere den heutigen neun Mitgliedern der Betriebsgemeinschaft: Gemeinsam in eine Richtung in die Zukunft zu blicken. »Die biologisch-dynamische Landwirtschaft wächst nur nach innen, nicht nach außen. Wirtschaftliche, rechtliche, geistliche Impulse und der gesamtgesellschaftliche Auftrag müssen eine Einheit bilden. »Heute ist die Suche nach einer Fortsetzung des christlichen Kulturimpulses der biologisch-dynamischen Landwirtschaft das Ziel«, sagt Klett.

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