Letzte Vorbereitungen und dann geht es endlich los: Der erste Süße wird auf dem Obsthof am Steinberg gepresst. Inhaber Andreas Schneider (M.) freut sich auf diese Keltersaison, waren die vergangenen Jahre doch von Frost zur Falschen Zeit, Hitzesommern und einer Baumkrankheit gezeichnet.
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Letzte Vorbereitungen und dann geht es endlich los: Der erste Süße wird auf dem Obsthof am Steinberg gepresst. Inhaber Andreas Schneider (M.) freut sich auf diese Keltersaison, waren die vergangenen Jahre doch von Frost zur Falschen Zeit, Hitzesommern und einer Baumkrankheit gezeichnet.

Apfelweinsaison eröffnet

Obsthof am Steinberg: Der erste Süße glänzt im Glas

Es geht wieder los. Pünktlich hat Andreas Schneider, Inhaber des bei Bad Vilbelern beliebten Obsthofs am Steinberg, die Keltermaschine angeworfen. Es gibt gute Nachrichten zu vermelden.

Nieder-Erlenbach - Traditionell macht Andreas Schneider aus den ersten gekelterten Äpfeln im Jahr ein kleines Event. In diesem Jahr natürlich noch kleiner - die Gründe dafür sind bekannt. Rund zehn Personen versammelten sich am Freitagvormittag um die Keltermaschine auf dem Obsthof am Steinberg zwischen Dortelweil und Nieder-Erlenbach. Viele Vilbeler schätzen den Nieder-Erlenbacher Hof, gerade Dortelweiler zieht es an warmen Sommerabenden nach einem Spaziergang durchs Feld unter die vielen Obstbäume.

Schneiders Mitarbeiter führen letzte Prüfungen aus, die letzten Kisten mit Äpfeln und Birnen werden herangeholt. »Wir haben bisher knapp 250 Kilogramm Äpfel und 70 Kilogramm Birnen geerntet. Da dürften etwa 220 Liter Süßer draus werden«, schätzt der erfahrene Obstbauer und Gastronom. Dann wird der Knopf gedrückt, die Maschine beginnt zu rattern und das Obst verschwindet - heraus läuft der helle, trübe und erste Süße in 2020. Ein Glas nach dem anderen wird gefüllt und den Gästen schmeckt’s.

Apfelernte in den vergangenen Jahren: Rekordsommer und Feuerbrand

Rund 8500 Obstbäume kultiviert der Obsthof am Steinberg auf den eigenen Wiesen, und diesen geht es nach vielen Jahren endlich wieder richtig gut: »Wir sind so früh dran wie selten und wahrscheinlich dauert die Keltersaison bis in den Dezember hinein«, freut sich Schneider. Denn die hängen Bäume allesamt nahezu voller Äpfel. »Das hatten wir in diesem Ausmaß seit 2016 nicht mehr, die Ernte wird richtig gut«, meint er glücklich. Denn der Obstbauer hat schwierige Jahre hinter sich. »2017 hat Frost die Obst- und Traubenernte ruiniert. 2018 sah es zwar gut aus, doch dann kam die Sommerhitze im Rekordsommer und hat keine gute Ernte mehr möglich werden lassen.« 2019 seien die Bäume davon noch merklich geschwächt gewesen, zudem hätte eine Feuerbrand-Epidemie die Bäume zusätzlich geschwächt, was zum Verlust der halben Ernte geführt hätte. »Dieses Jahr kommen wir wieder auf 80 bis 90 Prozent des Solls.«

Wegen den Folgen der Feuerbrand-Krankheit mussten auf dem Obsthof am Steinberg in diesem Winter dennoch knapp 1000 Bäume gerodet werden. Die Aussichten sind jedoch wie beschrieben gut - und jeder Hesse weiß: Der süße Apfelsaft ist nur der Anfang der Keltersaison, denn dieser wird zum goldenen Apfelwein weiterverarbeitet.

Apfelwein in diesem Jahr: Recht starkes Stöffchen

Die Temperaturen des vergangenen Jahres und der letzten Monate versprechen hohe Öchslegrade, weiß der Experte: »Das messen wir, denn anhand dieser Werte können wir sehen, wie viel Zucker der Apfelsaft hat und ob er sich zur Apfelweinherstellung eignet.«

Die grobe Faustregel dabei ist bekannt: Hat der Apfelsaft viel Zucker, können die Hefepilze mehr Kohlendioxid und Ethanol produzieren. Sprich: Höhere Öchslegrade im Apfelsaft, höherer Alkoholgehalt im Apfelwein. Die Hessen können sich in diesem Jahr also auf ein recht starkes Stöffchen freuen. »Mit dem Genuss des Apfelsafts hat das aber wenig zu tun, denn auch Apfelsaft mit niedrigeren Öchslewerten ist köstlich«, weiß Andreas Schneider.

135 Apfel- und 40 Birnensorten sind auf seinem Hof zu finden und versprechen eine gute Keltersaison. Gerade nachdem die Corona-Pandemie den Obstbauern wie allen anderen auch, das Leben nicht gerade einfacher gemacht hat, sei er doppelt froh, dass die Obstgehölze dieses Jahr so gut tragen. »Das kleine Eröffnungsevent ist für uns auch immer ein emotionaler Moment, meine ganze Familie hat das ja schon gemacht. Außerdem ist das für uns immer der Startschuss, denn jetzt geht es für uns und das Team erst richtig los mit dem Ernten und Keltern.« Nach den drei schwierigen Jahren sei es nun besonders schön, die wortwörtlichen Früchte der vielen Arbeit seit 2017 ernten zu können.

Der Obsthof am Steinberg ist in der Straße Am Steinberg in Nieder-Erlenbach gelegen. Der kaltgepresste Apfelsaft ist für den Preis von drei Euro pro Liter im Hofladen zu erwerben.

Im Zuge der Corona-Pandemie hatte der Obsthof von Andreas Schneider zudem sein Angebot erweitert und auf kleinerer Fläche mit Unterstützung des Dottenfelderhofs Zucchini, Freilandtomaten und Bio-Erdbeeren der Delikatess-Sorte »Mara des Boís« angebaut. Auch diese sind im Hofladen erhältlich, der Obsthof bittet um Vorbestellung unter der Telefonnummer 0 61 01/415 22. Die Tische in der Gastronomie können zudem online auf www.obsthof-am-steinberg.de reserviert werden. nma

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