Kleiner Fluss mit starker Strömung: Der Erlenbach ist nach starken Regenfällen über die Ufer getreten.
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Kleiner Fluss mit starker Strömung: Der Erlenbach ist nach starken Regenfällen über die Ufer getreten.

Noch einmal verschont geblieben

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Am Wochenende wurden Soziale Netzwerke buchstäblich überflutet von Fotos aus der Wetterau, die gewaltige Wassermassen zeigen. Auch in Bad Vilbel befand sich die Nidda auf einem sehr hohen Stand, der Erlenbach trat über die Ufer. Passiert ist nichts, doch laufen in der Quellenstadt die Vorbereitungen, um gegen weitere Regenfälle gewappnet zu sein.

Bad Vilbel/Karben. Wer sich Fotografien aus Büdingen anschaut, die durch das Internet wandern, auf dem Feuerwehrleute in Schlauchbooten zwischen den Fachwerkhäusern umherfahren, bekommt eine Ahnung, was viel Wasser anrichten kann. In Bad Vilbel werden schnell Erinnerungen an den Sommer 2016 wach, als der Bereich um den Ritterweiher komplett unter Wasser stand.

Doch die Quellenstadt hat das jetzige Hochwasser-Wochenende gut überstanden, wie Stadtbrandinspektor Karlheinz Moll weiß: »Es gab keinen vollgelaufenen Keller. Wir mussten nichts auspumpen«, erzählt er am Samstagnachmittag auf Anfrage dieser Zeitung. Die Feuerwehren der Stadtteile seien dennoch im Einsatz und generell in Alarmbereitschaft.

»Am Erlenbach war es am Freitagabend recht grenzwertig. Das Wasser stand schon ziemlich hoch«, so Moll. Die Feuerwehr habe deshalb die Rad- und Fußwege auf den Erlenbachauen abgesperrt. »Da sind in der Dunkelheit Eltern mit ihren Kindern herum, um sich das anzusehen. Aber man sollte das Wasser nicht unterschätzen.« Gerade bei schwindendem Tageslicht seien die Stellen, wo das Wasser tiefer wird, schlecht zu erkennen und die Strömung bei Hochwasser generell sehr stark. »Da wünsche ich mir mehr Vorsicht und dass die Leute die Absperrungen respektieren.«

Nidda nicht im kritischen Bereich

Die Nidda hingegen halte sich gut. »Das ist unproblematisch derzeit«, sagt Moll. Die Feuerwehr könne die Pegelstände regelmäßig abfragen und mit 3,5 Metern sei man weiterhin in einem unkritischen Bereich. »Wir waren als Vilbeler Wehr in anderen Wetterauer Kommunen unterwegs und haben dort unterstützt. Auch in Büdingen.« Denn Bad Vilbel beherbergt unter anderem einen Abrollbehälter, eine Komponente, die für den ganzen Kreis gedacht ist. »Weiterhin haben wir in Bad Vilbel gemeinsam mit dem Bauhof Vorbereitungen getroffen, falls noch mehr Wasser kommt.«

Eine Sandsackfüllanlage sei notfalls aus Frankfurt und Offenbach zu holen. »Die geringe Vorbereitungszeit ist meist das Problem bei Hochwasser. Aber falls noch etwas kommt, sind wir vorbereitet«, ist sich Karlheinz Moll sicher. Auch Gewässerökologe und Nidda-Experte Gottfried Lehr warnt vor zu seichtem Umgang mit Hochwasser: »Die Natur wird oft unterschätzt.« Bad Vilbel liege in der Südspitze der Wetterau. Die große Schmelzwasserwelle sei weiter nördlich abgeklungen, bevor sie auf die Quellenstadt traf.

»Wir hatten gefrorene Böden, eine Schneeschmelze und dazu noch viel Niederschlag«, fasst Lehr zusammen. Hochwasser, wie es die Wetterau am Wochenende erlebt hat, entstünde eben dann, wenn mehrere Faktoren zusammentreffen. »In Bad Vilbel war aber am Samstagmittag klar, das wir durchatmen können. Da floss gerade der Scheitel durch, also die Wassermenge, bevor es wieder weniger wird.« Die Natur sei für den Menschen eben nur sehr bedingt beherrschbar und auch nicht immer vorhersehbar, erklärt Lehr und erinnert an die Wassermassen, die 2016 am Ritterweiher alles unter Wasser gesetzt haben. »Das ist alles ziemlich komplex«, weiß der Experte.

Weiterer Schnee könnte schmelzen

Dass die Nidda im Stadtgebiet über die Ufer drücke, sei ohnehin nicht wahrscheinlich. Eher würde das Grundwasser bei einem zu hohen Pegelstand des Flusses im Umfeld nach oben drücken. »Am Dienstag kommt wieder ein Warmlufteinschub, der Schnee in den höheren Lagen schmelzen könnte«, meint Gottfried Lehr. Es bleibe abzuwarten, ob erneut so viel Schmelzwasser zusammenkommt. »Wenn es dann zusätzlich auch noch mal so viel regnet, könnte es noch einmal etwas kritischer werden«, überlegt Lehr.

Die Schaffung des Retentionsraumes bei Gronau und Dortelweil habe sich bezahlt gemacht. Hier konnte die Nidda sich am Wochenende ausbreiten. Das schaffe nicht nur neue Lebensräume, sondern sorge eben auch dafür, dass Bad Vilbel nicht von größeren Wassermassen aus dem Norden getroffen werde.

Glimpflich ist auch Karben davongekommen. Die Stadt schrieb am Samstag auf Facebook, in Karben sehe die Lage gelassener aus als im Ostkreis. Bisher sei von keinen Schäden zu berichten. Stadtbrandinspektor Christian Becker und weitere Vertreter der Feuerwehr rückten am Wochenende regelmäßig aus, um das Nidda-Ufer zu kontrollieren. Auch wenn der Fluss viel Wasser führt, stehe doch viel Überflutungsfläche zur Verfügung.

Vor einigen Jahren war die Nidda im Bereich des Stadtzentrums bis an die Sportanlagen von Klein-Karben renaturiert worden. Diese Renaturierungsflächen, beziehungsweise Retentionsflächen, haben jetzt Überflutungen verhindert. Die Nidda könne sich laut Stadt also ausbreiten.

Arbeitslos waren die Karbener Feuerwehrleute gleichwohl nicht. Am Freitagabend haben sie die Kameraden im Ostkreis mit Säcken voller Sand unterstützt. »Wir haben 1000 Säcke nach Ortenberg und weitere 500 nach Hirzenhain gefahren.« Weil die Stadt Karben im Bauhof immer 2000 gefüllte Sandsäcke gelagert hat, mussten die Wehrleute die Bestände sogleich wieder auffüllen.

So waren die Feuerwehren denn auch am Samstag fünf Stunden lang mit dem Befüllen neuer Sandsäcke beschäftigt. Dabei kam auch eine große Sandsackfüllmaschine zum Einsatz, die der Stadt Karben gehört. Auch das Bauhofpersonal packte kräftig mit an. Unterstützt wurden die fleißigen Helfer vom Verpflegungszug des DRK Florstadt/Niddatal mit einem Mittagessen, das in den Hallen des Bauhofes ausgegeben wurde.

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