Von Ufer zu Ufer: Die Renaturierung der Nidda bei Dortelweil ist seit einiger Zeit ins Stocken geraten. Doch im nächsten Jahr soll sich was tun. FOTO: HOLGER PEGELOW
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Von Ufer zu Ufer: Die Renaturierung der Nidda bei Dortelweil ist seit einiger Zeit ins Stocken geraten. Doch im nächsten Jahr soll sich was tun. FOTO: HOLGER PEGELOW

Nidda in Dortelweil

Niddarenaturierung in Dortelweil voranbringen

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Die seit langem geplante, aber immer wieder verschobene Renaturierung der Nidda in Dortelweiler Gemarkung könnte im nächsten Jahr in Angriff genommen werden. Zumindest schätzt das der Gewässerökologe Gottfried Lehr, der dafür die Pläne erarbeitet hat. In der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats hat er sie in Kurzform vorgestellt.

A us welchen Gründen wurde mit der Renaturierung des östlichen Nidda-Ufers noch nicht begonnen?, fragte der Grüne Clemens Breest in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats. Wann soll mit der Renaturierung des Ufers in Dortelweil begonnen werden?, lautete die zweite Frage. Und die dritte stellte Breest gleich hinterher: "Wird dem Ortsbeirat und den interessierten Bürgerinnen und Bürgern das Renaturierungsprojekt durch Gottfried Lehr vorgestellt?" Die letzte Frage konnte gleich beantwortet werden, denn Ortsvorsteher Herbert Anders (CDU) hatte Lehr in diese Sitzung eingeladen.

Der sagte zu Beginn, die Renaturierung der Nidda sei "kein Hobby, sondern Europarecht". Seit den 1960er-Jahren sei die Nidda in einer Art Trapezprofil verlaufen. Darin durfte kein Baum stehen, um den Abfluss nicht zu stören. So weit, so bekannt.

Fluss soll sich mehr schlängeln

Heute haben Fachleute andere Vorstellungen davon, wie ein Fluss verlaufen soll. Er soll mehr mäandrieren (sich schlängeln), die Ufer sollen flacher werden und es sollen kleine und größere Mittel-inseln entstehen. Sinn des Ganzen ist, heimische Fischarten wieder anzusiedeln beziehungsweise sie wieder "zurückzuholen", damit sie dauerhaft im Fluss leben können. Die Nasen und die Barben sind Beispiele für Fischarten, die Lehr in dem renaturierten Flussabschnitt in der Kernstadt entdeckt hat.

Mittelinsel nahe Sportplatz geplant

Anhand von Skizzen machte Lehr im Ortsbeirat deutlich, dass nach dem Steg zum Sportplatz eine Mittelinsel geplant sei. Diese solle mit Bäumen bepflanzt werden. Zunächst sei in ersten Plänen eine riesige Retentionsfläche (Überflutungsfläche) zwischen der Niddertalbahn und dem Dottenfelderhof geplant gewesen. Die Maßnahme gegen Hochwasser hätte schon umgesetzt sein können, aber die Verantwortlichen des Dottenfelderhofes hätten doch Bedenken geäußert.

Wie bereits berichtet, sind die Verantwortlichen des Hofes grundsätzlich bereit, das Projekt zu unterstützen. Bedenken gibt es deshalb, weil die renaturierten Flächen gut zwei Jahre nicht mehr als Flächen für die Weidetiere genutzt werden können. Wie Lehr im Ortsbeirat weiter berichte, sei "ein halbes Jahr nicht kommuniziert" worden. Warum, könne er nicht sagen.

Jedenfalls habe sich Ortsvorsteher Anders im Februar/März eingeschaltet. Letztlich werde es in den überarbeiteten Plänen etwas weniger Retentionsfläche geben, die Aue werde weniger genutzt, als zunächst geplant.

Die Gerty-Strohm-Stiftung, die das Projekt mitfinanziert, habe Grundstücke zum Tausch angeboten. "Nun sind die Pläne für die zweite Variante der Nidda-Renaturierung genehmigungsreif", erklärte Lehr in der Ortsbeiratssitzung. "Die Behörden haben keine Bedenken."

Nachpflanzungen nach Erdarbeiten

Die von den Grünen ebenfalls nachgefragten Nachpflanzungen von Bäumen auf der östlichen Uferseite könnten jedoch erst erfolgen, wenn die Renaturierungsmaßnahmen abgeschlossen worden seien. Die Bäume könnten erst nach Abschluss der Erdarbeiten angepflanzt werden und dann in Ruhe wachsen. Ortsvorsteher Anders geht nach eigenen Angaben davon aus, "dass alle das Niddaprojekt wollen". Insofern werde man das im nächsten Jahr voranbringen. Lehr müsste die Detailplanung noch anpassen. "Sobald die steht, wird er sie uns im Ortsbeirat nochmals vorstellen", versprach der Ortsvorsteher.

Die Bad Vilbeler Stadtverordnetenversammlung hatte sich bereits mit der Nidda-Renaturierung zwischen Dortelweil und dem Dottenfelderhof befasst. Im Juni 2019 fasste sie einstimmig den Beschluss, ein flussnahes, acht bis zehn Hektar großes Grundstück an die Frankfurter Gerty-Strohm-Stiftung zu verkaufen. Sie will den Fluss dort in seinen natürlichen Zustand zurückversetzen. Wie es der Vorlage heißt, wolle die Strohm-Stiftung unter der Führung von Dr. Hansgeorg Jehner die Renaturierung zwischen Dortelweil und dem Dottenfelderhof auf der östlichen Flussseite fortsetzen. "Dabei werden in großem Umfang Flächen des Dottenfelderhofes beansprucht." Die Stadt sei bei der Maßnahme mit einer Fläche südlich der Sportplätze vertreten. Sie hat der Stiftung einen Streifen von 40 bis 50 Metern Tiefe veräußert. Wie aus der Vorlage hervorgeht, hat die Stadt den Streifen, der im Flächenplan als Bauerwartungsland ausgewiesen war, preisgünstig an die Stiftung verkauft, nämlich zu 25 Euro je Quadratmeter. Bei Neuerwerb hätte die Stadt rund 50 Euro je Quadratmeter bezahlen müssen. Der Verkaufspreis spiegele das Interesse der Stadt an der Renaturierung wider. pe

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