Mit Unterstützung der Hessischen Kulturstiftung: Nicole Wächtler realisiert ein Kunstprojekt in ihrem Vorgarten. 	FOTO: CHRISTINE FAUERBACH
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Mit Unterstützung der Hessischen Kulturstiftung: Nicole Wächtler realisiert ein Kunstprojekt in ihrem Vorgarten. FOTO: CHRISTINE FAUERBACH

Bad Vilbeler Künstlerin

Nicole Wächtler: Kunstprojekt im Vorgarten

  • vonChristine Fauerbach
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Künstlerin Nicole Wächtler macht aus der durch Corona bedingten Not eine Tugend. Sie lädt in ihr Bad Vilbeler Vorgarten-Open-Air-Atelier ein. Es liegt direkt an der Straße.

K ultur ist Nahrung für die Seele. Trotzdem kämpfen viele freischaffende Künstler seit Ausbruch der Corona-Pandemie mit viel Kreativität ums Überleben. Zu ihnen gehört die Künstlerin und Diplom-Designerin Nicole Wächtler.

Dabei sah Anfang des Jahres für die Künstlerin aus Passion alles vielversprechend aus. Ausstellungen, der Hessentag, Projekte und vieles mehr hatten für einen gut gefüllten Terminkalender gesorgt. Ausstellungen, der Hessentag und Workshops wurden abgesagt, einige Projekte auf das kommende Jahr verschoben. Neben der Tortur des verordneten Nichtstuns schmelzen die Rücklagen dahin. Auf Material- und Produktionskosten bleibt die erfolgreiche Künstlerin und Designerin vorerst wie viele andere Künstler sitzen.

Mensch und Raum verschmelzen

Ein Lichtblick war da die Zusage eines mit 2000 Euro dotierten Kunst-Arbeitsstipendiums vom Land und der Hessischen Kulturstiftung für ein Vorhaben der Künstlerin. Von dieser Soforthilfe hatte sie durch Zufall erfahren, sich mit einem Projekt beworben und eine Zusage erhalten. »Im August sollte meine Einzel-Ausstellung Endless Colours in der Kulturscheune Kilianstädten gezeigt werden. Sie wurde von der Gemeinde Schöneck und der Kunstwerkstatt Schöneck-Nidderau um ein Jahr verschoben.

Geplant war, den Raum mit großflächiger Malerei und Cutout-Skulpturen »in Farbe zu tauchen« und ein Spiel mit den Grenzen zwischen Malerei und Skulptur, Werk und Betrachter anzuregen. »Mensch und Raum verschmelzen und alles ist Teil eines bewegten und bewegenden Ganzen.« Ehemann und Musiker Friedemann Kuhl wollte die Vernissage auf der Jazzgitarre begleiten. Satt zu jammern griff die Künstlerin die Forderung von Matthias Horx auf. Der Zukunftsforscher rät allen, in der Krise kreativ zu werden und sich selbst neu zu erfinden, da der Umbruch auch viele Chancen biete. Die Idee von Nicole Wächtler ist einfach und genial zugleich. Sie will die Ausstellung in einer an die Corona-Situation angepassten Form stattfinden lassen und der Öffentlichkeit präsentieren.

Wetterfeste Außeninstallation

Und zwar in doppelter Form. Einmal als wetterfeste Außeninstallation und zum zweiten auf digitalen Plattformen. »Seit dem Lockdown habe ich erste Erfahrungen mit Kunstvideoclips, Webinaren und täglichen Instagram-Posts gesammelt. Diese möchte ich für die Ausstellung nutzen und ausbauen.« Kurzerhand erklärt sie ihren Vorgarten zum Open-Air-Atelier. Für einen farbenfrohen Hintergrund sorgt die von ihr 2016 bemalte Fassade ihres Hauses.

Mit Besuchern ins Gespräch kommen

»Unser Vorgarten liegt direkt an der Straße. Dadurch können Passanten und Besucher mir beim Arbeitsprozess zusehen, ihn miterleben und verfolgen. Und mit mir und untereinander ins Gespräch über meine Werke und Kunst kommen. Ich freue mich auf den Austausch, denn ich arbeite immer im öffentlichen Raum.« Zurzeit wartet sie auf eine Lieferung von Multiplexplatten. Aus diesen will sie drei bis fünf Cutout-Skulpturen sägen und mit Acryllack bemalen. »Die wetterfesten Cutouts werden zur Reflexionsfläche. Betrachter werden vor Ort direkt und andere im virtuellen Raum durch Filme und Fotos in den sozialen Netzwerken indirekt so zu einem Teil der Installation. Alle sind in den künstlerischen Prozess eingebunden.« Hinzu kommen großflächige Bilder.

Das Hauptmedium von Wächtler ist die Farbe, die sie auf Leinwand, Wand-, Holz- oder Autoteilen verarbeitet. Ihr thematischer Schwerpunkt sind Menschen und das Wechselspiel zwischen Abstand und Nähe. »Spannend wird für mich sein, in welcher Anordnung ich die Skulpturen im Vorgarten aufstelle. Mit Abstand oder besonders nah?« Ihr Ziel ist , Menschen einander näher zu bringen. Dafür sei Kunst mit Farben und Symbolen, die auf der ganzen Welt zu finden sind, ideal.

Geöffnet ist das Open-Air-Atelier in der Elisabethenstraße 62 ab Freitag, 24. Juli. Täglich werden Fotos und Videos auf Instagram und Facebook von Wächtlers aktuellen und anderen Projekten hochgeladen.

Das Land und die Hessische Kulturstiftung kooperieren für das Hilfsprojekt »Hessen kulturell neu eröffnen«. So sollen die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Kulturschaffende abgefedert und Freiräume zum Arbeiten geschaffen werden. Insgesamt stellt das Land für Fördermaßnahmen rund 50 Millionen Euro als zusätzliche Mittel zur Verfügung. Die Hessische Kulturstiftung übernimmt mit dreimonatigen Arbeitsstipendien zu je 2000 Euro als Soforthilfe und einer für die zweite Jahreshälfte geplanten Projektförderung die Verteilung der Gelder an Kulturschaffende und begleitet den Auswahlprozess für die Projektstipendien. Antragsberechtigt sind Kunstschaffende aus sämtlichen Sparten, die ihren Wohnsitz in Hessen haben und in der Künstlersozialkasse (KSK) versichert sind. Infos unter www. hkst.de/de/ und unter rp-kassel. hessen.de/pressemitteilungen/ foerderung-kulturschaffender-hessen-arbeitsstipendien. cf

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