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Johanna Ruppert, Steffen Merle und Elisabeth Krause-Vilmar segnen die Gronauer von der Straße aus. FOTO: NIKLAS MAG

Nicht auf den Segen verzichten

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Bad Vilbel(nma). Die Sonne strahlt, der Himmel ist blau. Mehr als 40 Gronauer nutzten am Donnerstagmorgen das schöne Wetter, um an einem ganz besonderen Mini-Gottesdienst teilzunehmen. Der Oberdorfelder Pfarrer Steffen Merle positioniert sich an einem höher gelegenen Hauseinang, der in Corona-Zeiten als Kanzel herhalten muss. "Wenn Jesus nicht in den Himmel aufgefahren wäre, könnte er jetzt nicht überall gegenwärtig sein", zitiert der Pfarrer mit lauter Stimme Martin Luther. Die Gronauer stehen in der Kirchstraße verteilt, hören entspannt zu.

Einige tragen Maske, viele filmen mit dem Smartphone, alle halten Abstand. "Manchmal muss man erkennen, wie aus dem Quadrat ein Würfel wird", fährt Merle fort. "Kirche muss nicht an einen Ort gebunden sein. Kirche sind ihr und wir", ruft er den Zuhörern zu.

Danach setzt sich das Modell der Gronauer Kirche in Bewegung, das auf einem Anhänger steht, der von einem Auto gezogen wird. Und die drei Pfarrer machen sich auf den Weg durch Gronau, bis nach Niederdorfelden, Oberdorfelden und Kilianstädten. "Uns führt der Herr und uns fährt der Guido", dankt Elisabeth Krause-Vilmar dem Fahrer des Fahrzeugs noch einmal vor aller Ohren, dann geht es los. Einige Gronauer warten entlang der Route bereits auf die Pfarrer, diese sind in bester Stimmung, begrüßen die Menschen und rufen ihnen jeweils ein "Gott segne dich!" zu. "Das ist in Gronau eigentlich Tradition, deshalb hatten wir das Modell auch schon", erklärt Elisabeth Krause-Vilmar, die Gronauer Pfarrerin. Die Kirche solle jedoch gerade in dieser schweren Zeit so als Symbol zu den Menschen nach Hause gebracht werden. Mit den entsprechenden Sicherheitsabständen und im Freien. Der Segen solle Zuversicht, Geborgenheit und Halt schenken.

"Bei uns gibt es jeden Sonntag einen Sonntagsgruß, wir machen Telefonkirche." Jeder könne sich sonntags in eine Art Telefonkonferenz mit einwählen. "An Ostern haben wir einen Videogottesdienst gemacht und ab Pfingsten wollen wir die Kirche wieder öffnen", kündigt die Gronauer Pfarrerin an.

Die Kirche erfülle in Zeiten wie diesen eine wichtige Aufgabe, ist sie sich sicher. Das sei allein schon an den gestiegenen Seelsorge-Anfragen zu erkennen. "Das ist wirklich viel momentan. Die Situation ist schwierig", beschreibt Krause-Vilmar. "Viele haben finanzielle Probleme, teilweise existenzbedrohend."

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