Hängepartie

Aus für die neue Mega-Therme in Bad Vilbel?

  • vonThomas Kopp
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Das Hallenbad wird jetzt abgerissen: Doch ob die neue Mega-Therme nach Bad Vilbel kommt, steht in den Sternen. Zur immer längeren Hängepartie wächst sich der geplante Bau des Kombibads aus.

Dass Bäderkönig Josef Wund am 14. Dezember vergangenen Jahres bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, kann man schon als tragisch bezeichnen. Wenige Tage zuvor hatte es noch freudige Nachrichten gegeben, dass der erste Spatenstich für das rund 200 Millionen Euro teure Palmenparadies in Bad Vilbel für März angesetzt werde.

Doch nach dem Tod Wunds war dieser Termin wieder passé. Nun kommen bei der Bad Vilbeler Opposition Zweifel daran auf, ob es überhaupt noch zum Spatenstich kommt. Zumal es eine weitere Nachricht gibt, die nicht gerade Optimismus aufkommen lässt.

Für die SPD etwa werden die Fragezeichen zum Bau der Wund-Therme immer größer. Denn wie der "Südkurier", eine Tageszeitung mit Sitz in Konstanz, berichtete, schließt das Architekturbüro der Firmengruppe mit Sitz in Friedrichshafen Ende Juli seine Pforten. Die Mitarbeiter sollen demnach entlassen werden. Bezüglich des Wund’schen Testaments, das Klarheit darüber geben soll, wer künftig im Konzern den Taktstock führt, gibt es noch keine Neuigkeiten.

Das Architekturbüro indes gilt als "Keimzelle" der Bäderprojekte, von hier stammen die Entwürfe für die modernen Bauten. Hier entstanden die Skizzen für die Thermen in Bad Wörishofen, Erding, Sinsheim, Euskirchen oder das Badeparadies Schwarzwald in Titisee-Neustadt. Die Besonderheit der Thermen sind die riesigen Glasdächer, die sich in Minutenschnelle öffnen lassen.

Vertrauen auf Tiefpunkt

Für die SPD ist dies eine Nachricht, die die geplante Umsetzung der Therme in Bad Vilbel noch unsicherer machen wird. "Die SPD-Fraktion hat in den vergangenen Monaten keine weiterführenden Informationen zum Projekt Wund-Therme erhalten. Unser Vertrauen in eine kooperative, fraktionsübergreifende und konstruktive Herangehensweise an das Projekt ist auf dem Tiefpunkt", sagt dazu der Fraktionsvorsitzende Christian Kühl. Sollte sich diese "unzureichende Informationspolitik" fortsetzen, werde die SPD ihre Zustimmung zur Wund-Therme überdenken.

Unser Vertrauen in eine kooperative, fraktionsübergreifende und konstruktive Herangehensweise an das Projekt ist auf dem Tiefpunkt

Christian Kühl (SPD)

SPD-Parteichef Horst Seißinger erläuterte die weitere Vorgehensweise: "Bevor über Alternativen diskutiert wird, sollte die rechtliche Situation geklärt werden. Sollte ein Ausstieg der Stadt sich aber als sinnvolle Alternative erweisen, würde die SPD die gesamte Diskussion neu aufrollen. Dann würde man nach der Sommerpause eine Mitgliederversammlung zu dem Thema durchführen und sicher auch die Idee eines Kombibads am Standort des jetzigen Freibads wieder aufgreifen."

Auch bei den Grünen gibt es kritische Stimmen: "Wir wollen schnellstmöglich vom Bürgermeister wissen, wie wahrscheinlich es noch ist, dass das Kombibad von den Wund-Erben oder der Stiftung gebaut wird", sagt der Fraktionsvorsitzende Jens Matthias. "Seit Monaten werden wir hingehalten, obwohl es immer mehr beunruhigende Informationen über das Projekt gibt."

Auch Grüne sind besorgt

So habe Stadtwerke-Betriebsleiter Klaus Minkel bereits im Mai von Unsicherheiten beim Projekt berichtet. Die Grünen seien aus zwei Gründen sehr besorgt. "Gerade werden mit dem Abriss des Hallenbads Fakten geschaffen, die dazu führen können, dass wir als Kurstadt auf Jahre hinaus kein Hallenbad mehr haben. Und zweitens sind wir auf die Einnahmen aus dem Kombibad angewiesen, um uns den Betrieb der neuen Stadthalle leisten zu können", sagt Christopher Mallmann, Mitglied im Finanzausschuss.

Die Grünen erwarten spätestens nach der Sommerpause vom Bürgermeister eine klare Stellungnahme, ob die Stadt noch von einer Realisierung des Projekts in den nächsten Jahren rechnet und welche Verpflichtungen bereits unumkehrbar gegenüber Wund eingegangen wurden. Minkel hatte tatsächlich im Mai von Unsicherheiten gesprochen.

Es mag Friktionen auf dem Weg zum Ziel geben. Das Ziel wird aber nicht aufgegeben

Stadtwerke-Betriebsleiter Klaus Minkel

Auch jetzt sagt er: "Es mag Friktionen auf dem Weg zum Ziel geben." Allerdings: "Das Ziel wird aber nicht aufgegeben. Der Nutzen und die finanziellen Vorteile für unsere Stadt sprechen für das Projekt." Denn Minkel hält daran fest, dass die Kernkompetenzen der Wund-Gruppe trotz der Schließung des Büros erhalten bleiben. Und Bad Vilbel sei nach wie vor erste Wahl: "Wir haben bundesweit den besten Standort anzubieten. Die Rentabilität der Wund-Bäder ist enorm hoch."

Deswegen rät Minkel dazu, einen kühlen Kopf zu bewahren. "Die schlechten Nerven der Genossen möchte ich nicht haben. So kann man keinen Blumentopf gewinnen", sagt er in Richtung der SPD.

Info

Pacht-Einnahmen fehlen

Laut bisheriger Planungen sollte die Wund-Gruppe den städtischen Teil des Bades und die Parkhäuser zwar bauen, die Stadt aber die Kosten tragen. Im Gegenzug verpflichtete sich Wund zu einer Pachtzahlung von 5,4 Millionen Euro im Jahr. Diese Summe wurde immer wieder angeführt, wenn es um die Kosten für den Umbau des Kurhauses und den Neubau der Stadthalle ging. Doch fällig werden sollten die Zahlungen erst, wenn der erste Besucher des Kombibads das Drehkreuz passiert hat. (kop)

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