Ehrenamtliches Engagement, das seinesgleichen sucht: Rosemarie Cleve hat jahrzehntelang zahlreiche Ämter innegehabt. Auch ihr Mann Manfred Cleve hat sich in der Stadt Bad Vilbel verdient gemacht. FOTO: NIKLAS MAG
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Ehrenamtliches Engagement, das seinesgleichen sucht: Rosemarie Cleve hat jahrzehntelang zahlreiche Ämter innegehabt. Auch ihr Mann Manfred Cleve hat sich in der Stadt Bad Vilbel verdient gemacht. FOTO: NIKLAS MAG

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Neinsagen fällt ihr schwer

  • vonNiklas Mag
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Rosemarie Cleve hat vor Kurzem den Hessischen Verdienstorden am Bande verliehen bekommen. Die zahlreichen ehrenamtlichen Engagements der Bad Vilbelerin verdienen einen genaueren Blick. Auch ihr Mann teilt die Begeisterung, sich für die Gemeinschaft ehrenamtlich einzusetzen.

Neinsagen ist nicht Rosemarie Cleves Ding. Und das zeigt sich in der langen Liste ihrer ehrenamtlichen Tätigkeiten: Vorsitz in der Vilbeler Frauen-Union, Elternbeiratsvorsitzende, CDU-Kreistagsmandat, Sozialausschussvorsitzende und stellvertretende Kreistagsvorsitzende, Anstaltsbeirätin der JVA Rockenberg, ehrenamtliche Richterin in Darmstadt und Gießen, Schöffin am Jugendgericht in Frankfurt und aktiv im Vorstand des Deutschen Frauenrings. Die 79-Jährige hat sich wahrlich um die Gesellschaft verdient gemacht. Deshalb wurde sie auch vor Kurzem mit dem Hessischen Verdienstorden am Bande ausgezeichnet. 2001 hat sie bereits das Bundesverdienstkreuz erhalten. Dabei hatte Cleve ursprünglich gar nicht geplant, in die Politik zu gehen.

Plötzlich Nachrücker gebraucht

Seit 1971 lebt Rosemarie Cleve mit ihrem Mann Manfred in Bad Vilbel. 1973 trat sie in die CDU ein. "Drei Jahre später saß ich dann schon im Vorstand der Vilbeler Frauen-Union", erinnert sie sich zurück. Seniorennachmittage habe es hier zu organisieren gegeben, außerdem Ausflüge, Vorträge, und 1978 übernahm Cleve den stellvertretenden Vorsitz. "Ab diesem Moment war ich für die ganze Organisation verantwortlich." In der CDU-Geschäftsstelle habe sie damals ehrenamtlich gearbeitet, später sei der Arbeitsaufwand jedoch so groß geworden, dass die Aufgaben zu einem kleinen Nebenjob wurden. Doch sollte das der Beginn von Rosemarie Cleves zahlreichen Engagements werden.

"Ich war auch im Elternbeirat Vorsitzende, aber groß politisch aktiv zu werden, hatte ich eigentlich gar nicht geplant." Eher aus bürokratischen Gründen sei sie 1982 auf die Liste für die Kreistagsmandate gesetzt worden. Doch die Wahl verlief gut, plötzlich wurden Nachrücker gebraucht. "Und ab diesem Moment saß ich dann 30 Jahre für die CDU im Kreistag", sagt Cleve und lacht. Die aktive Vilbelerin beließ es nicht bei einem einfachen Mandat. 18 Jahre lang hatte sie zudem den Vorsitz des Sozialausschusses inne, weitere zehn Jahre den stellvertretenden Vorsitz im Kreistag. "Da gab es immer mal sehr spannende Zeiten und auch Zeiten, die nicht so schön waren. Aber besondere Anekdoten kann ich eigentlich keine erzählen", überlegt die Vilbelerin.

"Über die Jahre wurden diese Engagements von selbst immer mehr, eines kam zu anderen", erzählt sie weiter. Als Vorsitzende des Sozialausschusses habe sie immer wieder Kontakt mit der Justizvollzugsanstalt für jugendliche Straftäter in Rockenberg gehabt. So sei sie schließlich im dortigen Anstaltsbeirat gelandet.

Dieser arbeitet als Gremium in der Schnittstelle zwischen der Leitung der Anstalt und den Insassen. "Wir hatten dort beispielsweise einen Briefkasten, in denen die Häftlinge ihre Anliegen einwerfen konnten, die wir dann mit der Leitung besprochen haben." Regelmäßig habe sich der Anstaltsbeirat getroffen und sich dieser Probleme angenommen. "Das waren meistens keine großen Dinge und über die Jahre hat sich das alles wiederholt", beschreibt Rosemarie Cleve. "Die Auswahl an Fernsehkanälen wurde oft bemängelt und oftmals auch das Essen." Welche Zutaten in die Anstalt geliefert wurden, sei vorgeschrieben gewesen, "doch kann man damit ja etwas kreativer werden und das haben wir dann arrangiert." So seien die jungen Häftlinge doch mal an Pizza oder eben Gerichte gekommen, die den Alltag ein wenig Abwechslung verschafft haben. "Aber das ist das, was ich meine. Nach einiger Zeit haben Personal und Häftlinge gewechselt und dann ging das von vorne los", schildert Cleve lachend.

20 Jahre lang hat sie sich in der Anstalt für die Belange der Jugendlichen eingesetzt. Die ehrenamtliche Arbeit in der Justiz begleitete Rosemarie Cleve aber auch außerhalb der Rockenberger Anstalt. Im Verwaltungsgericht in Darmstadt und Gießen beschäftigte sie sich als ehrenamtliche Richterin. "Das war manchmal ziemlich trocken".

24 Jahre lang Schöffin

Spannender sei es als Schöffin an Frankfurter Gerichten und am Jugendgericht gewesen. "Das war schon sehr belastend, diese jungen Schicksale zu erleben, gerade weil meine Kinder im selben Alter waren", beschreibt die Vilbelerin. 24 Jahre lang übte sie diese Tätigkeiten aus, bis zu ihrem 70. Lebensjahr. Und das war noch immer nicht alles: Im Deutschen Frauenring engagierte sie sich vielfältig, sogar im Landes- und Bundesvorstand.

Das Neinsagen zu diesen Engagements sei ihr immer schwergefallen, gibt Rosemarie Cleve mit einem Schmunzeln zu, doch würde sie ihre Aussage nach der Verleihung des Ordens durch Staatsministerin Lucia Puttrich jederzeit wieder unterschreiben: "Ich habe die Arbeit immer gerne gemacht. Auch wenn man manchmal keine Lust hat oder privat vieles liegen bleibt. Ich würde es immer wieder so machen."

Rosemarie und Manfred Cleve haben drei Kinder und diesen waren die Eltern offenbar ein gutes Vorbild. Ihr Sohn Andreas Cleve ist in Bad Vilbel beispielsweise als langjähriges Mitglied des Stadtparlaments und des Dortelweiler Ortsbeirats bekannt. Doch auch Manfred Cleve trägt mittlerweile das Bundesverdienstkreuz und ist Ehrenstadtverordnetenvorsteher in der Quellenstadt. "Es gab Zeiten, da konnten wir unsere Geburtstage nicht zusammen feiern, weil wir so beschäftigt und unterwegs waren", erzählt das glückliche Ehepaar lachend. nma

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