Vilbus-Ärger

Ruf nach altem Fahrplan

  • VonJochen Brings
    schließen

Die 4. öffentliche Sitzung des Vilbeler Seniorenbeirats prägten hitzige Diskussionen rund um das Vilbus-Angebot. Die Bürgerinnen und Bürger kritisierten unter anderem den Busfahrplan

Mehr als zwei Dutzend Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich an der zweistündigen Debatte im Haus der Begegnung (HdB), zu dem das Gremium neben dem Ersten Stadtrat Sebastian Wysocki die Vilbus-Verantwortlichen Rüdiger Milke und Marc Hebbel geladen hatte.

Zwar wurde festgestellt, dass das durch den Fahrplanwechsel im Dezember 2017 verursachte Chaos inzwischen weitgehend behoben sei. Allerdings wies Beirat Jochen Brings darauf hin, dass es zu bestimmten Tageszeiten weiterhin zum Teil deutliche Verspätungen gebe. Dies sei aber vor allem dem »zunehmend völlig überlasteten Straßennetz« in Bad Vilbel geschuldet. Hier müsse die Politik »endlich eine große Lösung schaffen«.

Busfahrerlöhne als zu niedrig kritisiert

Kritisch wurde die erneute Vergabe an die Firma Viabus gesehen. Rüdiger Milke erläuterte, dass die Vergabe nach geprüften juristischen Kriterien und öffentlichem Vergaberecht erfolgt sei. Zudem habe das Unternehmen das günstigste Angebot abgegeben. Der finanzielle Aspekt dürfe nicht außer Acht gelassen werden, zumal der Vilbus jährlich 600 000 bis 700 000 Euro Defizit mache.

Die Finanzen spielten auch bei der Diskussion um Verhalten und Fahrweise der Busfahrer eine große Rolle. Diese würden nach dem Tarif des Landesverbandes Hessischer Omnibusunternehmer (LHO) bezahlt, der derzeit bei rund 13 Euro in der Stunde liege, dazukomme eine Ballungsraumzulage, so Milke. Dies sei aber dennoch ein sehr niedriges Lohnniveau, weshalb kaum Fahrer zu gewinnen seien. Im Einsatz seien viele Osteuropäer, die oft »ein gewisses Sprachproblem« hätten.

Dennoch sei das Verhalten mancher Fahrer nicht zu entschuldigen, sagte Vilbels Behindertenbeauftragter Hajo Prassel. Er schilderte Fälle, in denen einfach weitergefahren wurde, obwohl ein Rollstuhlfahrer an der Haltestelle wartete. Die nötige Hilfe hätte den Fahrer Zeit gekostet, die er offenbar nicht verlieren wollte. Zudem würden manche schon anfahren, obwohl die Türen noch offen seien. Viele Ältere, sagte Prassel, hätten richtiggehend Angst, mit dem Bus zu fahren.

Auch die fehlende Ausstattung vieler Haltestellen mit Bänken und Unterständen wurde bemängelt. Wysocki begründete dies zum einen mit Platznot, zum anderen mit technischen Problemen und der Beachtung von Aus- und Einfahrten. Heftig kritisiert wurde der Wegfall einiger Haltestellen, wie beispielsweise der Huizener Straße und der Berliner Straße, dadurch würden viele Bürgerinnen und Bürger »regelrecht abgehängt«. Eine ältere Vilbelerin appellierte an Wysocki: »Führen Sie den alten Fahrplan wieder ein und Sie machen uns alle glücklich«.

Einstimmig beschloss der Beirat einen Antrag an den Magistrat: Dieser solle prüfen, inwieweit die Fahrzeiten der Vilbusse am Wochenende ausgeweitet werden können. Diese seien angesichts der zunehmenden Zahl der Seniorinnen und Senioren sowie 5500 Bürgern mit einer anerkannten Behinderung in Bad Vilbel nicht mehr bedarfsgerecht und zeitgemäß. Vorstellbar seien die Ausweitung der Fahrzeiten samstags auf 20 Uhr (wie montags bis freitags) sowie einmal pro Stunde sonntags zwischen 10 und 16 Uhr.

Neuer Internetauftritt gefällt

Große Anerkennung erhielt danach Beirätin Iris Stockbauer, die die neue Homepage (www.seniorenbeirat-bv.de) des Gremiums vorstellte. Diese bietet den Nutzern einen Überblick über die Mitglieder sowie die Sitzungen und Projekte des Beirats. Via »Vilbel Links« sind alle wichtigen Ämter, Vereine, Institutionen sowie Adressen für altersrelevante Bereiche wie Gesundheit und Pflege abrufbar. Alle Daten werden stets auf den neuesten Stand gebracht. (bf)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare