Weg mit dem Müll im Erlenbach

Die GBG-Schüler Paul Czaja und David Mittag wollen nicht hinnehmen, dass der Erlenbach in Massenheim vermüllt. Sie fürchten um den ökologischen Zustand des Gewässers, an dem sie zwei Jahre zur Wasserqualität geforscht haben. Deshalb räumen sie jetzt am Ufer und im Wasser auf. Ihre Tüten werden immer voll.

Lange muss Paul Czaja nicht suchen. Kaum hat er einen Fuß in den Erlenbach gesetzt, entdeckt der 15-Jährige eine Plastiktüte, die von einem Ast hinab ins Wasser hängt. Kurzentschlossen greift er den Unrat, stopft ihn in seinen Müllsack und stiefelt weiter bachaufwärts, wo sein Freund David Mittag bereits die nächsten unerfreulichen Fundstücke aus der Uferböschung holt.

"Es ist schon erschreckend, wie viel Müll man im Erlenbach findet", sagt David, der 16 Jahre alt ist und wie Paul auf das Georg-Büchner-Gymnasium geht. Zum zweiten Mal treffen sich die beiden Bad Vilbeler heute, um in dem 30 Kilometer langen Nidda-Zufluss die Hinterlassenschaften anderer aus dem Wasser zu fischen oder im Gebüsch aufzulesen. Die Idee zu ihrer Aufräumaktion hatten die Schüler schon vor einer ganzen Weile.

Seit zwei Jahren am Bach

Vor zwei Jahren begannen David und Paul für ein Forschungsprojekt die Wasserqualität des Erlenbachs zu untersuchen (wir berichteten). Hunderte Messungen mussten sie dafür vornehmen. Von ihrer ersten Messstelle im Massenheimer Mühlengrund bis hinunter zur Nidda-Mündung entdeckten sie dabei immer wieder Einwegflaschen, Dosen und Tüten im Bachbett. "Den Müll haben wir mitgenommen und weggeworfen. Aber wenn wir mal eine Woche weg waren, war der Erlenbach direkt wieder genauso verschmutzt wie vorher", erzählt David. "Das trifft einen schon." Wie viel Abfall es ist, der im Erlenbach treibt, ist unklar. Offizielle Untersuchungen gibt es nach Angaben des Wetteraukreises nicht. Schon mit ihren Analysen der Sauberkeit des vergleichsweise kleinen Gewässers, das im Taunus entspringt, haben Paul und David Pionierarbeit geleistet. Sie bewiesen, dass die Renaturierung von Teilen des Erlenbachs dessen Wasserqualität verbessert hat, aber auch, dass diese rund um die Kläranlage in Ober-Erlenbach deutlich schlechter ist.

"Auf Mikroplastik konnten wir den Erlenbach leider nicht testen. Die Geräte, die man braucht, sind zu teuer", erklärt David. Davon, dass vor allem der Plastikmüll durch seine Ablagerungen dem Öko-Systems ihres Bachs schadet, sind die Schüler aber auch ohne wissenschaftliches Zahlenwerk überzeugt. Und führende Forscher geben ihnen recht: Demnach kommt ein Großteil des Mikroplastiks, das unsere Weltmeere verschmutzt, vom Festland. Es gelangt über die Flüsse bis in den Ozean. Erlenbach, Nidda, Main, Rhein. Nordsee – der Weg der unachtsam weggeworfenen Limo-Flasche.

Im Kampf gegen die Müllmengen in den Gewässern der Region seien die Möglichkeiten der Behörden leider beschränkt, erklärt Michael Elsaß, der Sprecher des Wetteraukreises: "Im Grunde können wir nur an die Menschen appellieren, Müll nicht unachtsam wegzuwerfen."

Große Aufräumaktionen überlassen die Ämter privaten Initiativen, meist sind es Anglervereine, die sich engagieren. Die Bußgelder für sogenannten "wilden Müll" legen die Kommunen, an denen die Bäche und Flüsse verlaufen, eigenständig fest. Je nach Müllmenge kann die Strafe vierstellig ausfallen, meist ist sie jedoch deutlich geringer – vorausgesetzt, die Ordnungswidrigkeit wird überhaupt gemeldet. An der Eigenverantwortung ihrer Mitmenschen hegen David und Paul derweil Zweifel. "Als wir im März das erste Mal an der Nidda-Mündung Müll gesammelt haben, sah es da teils apokalyptisch aus", berichtet David. Sie fanden Spielzeugautos, eine Kassette, unzählige blau-weiße Perlen, einen Autoreifen, eine Baustellenlampe und am aller häufigsten Bierflaschen. David: "Das sind nicht alles Zufälle. Ein paar Sachen wurden auf jeden Fall absichtlich in den Erlenbach geworfen."

Regelmäßiges Sammeln

Die Jungforscher wollen jedenfalls nicht aufstecken. Alle zwei, drei Wochen steigen sie in Angler-Hose und Gummistiefel und gehen aufräumen. Nur wohin mit dem Müll ist noch nicht abschließend geklärt. Einen Mitstreiter könnten sie auch noch gebrauchen, sagen sie. Auf eigene Faust sollte niemand größere Räumaktionen starten, warnt David. Ein paar Engagierte halte der Bach aus, ein Ansturm der Aufräumer könne jedoch die Wasservögel verschrecken. Die Schüler selbst haben eine Genehmigung. "Wir würden uns aber freuen, wenn jeder einfach mehr darauf achtet, wo er seinen Müll hinterlässt", sagt Paul, der wie David auch die "Fridays for future"-Bewegung unterstützt. Paul ergänzt: "Wir wollen ein Problembewusstsein schaffen. Luftreinheit ist ein großes Thema, das Meer auch. Aber um Flüsse und Bäche macht sich kaum jemand Gedanken."

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