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Auf literarischen Spuren: Im Park um die Wasserburg scheinen die Bäume Sonette von Shakespeare zu erzählen.

Projekt der Burgfestspiele

Mit Shakespeare im Burgpark unterwegs

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Ein besonderes Theaterprojekt haben jetzt die Bad Vilbeler Burgfestspiele gestartet. Sie bieten Interessierten einen literarischen Spaziergang zu William Shakespeare an. Wer sich einen Audio-Guide leiht und ein wenig spazieren geht, wird Spannendes entdecken.,

In dem Projekt haben sich sämtliche Katastrophen, in denen wir uns gerade bewegen, gespiegelt«, sagt Theaterregisseurin Milena Wichert. Sie spricht von Chips, die für die GPS-Technologie nicht geliefert werden konnten, weil in China nicht produziert werden konnte während des ersten Lockdowns und es noch immer zu Engpässen kommt. Lichtröhren könnten aktuell nicht ausgeliefert werden. LED-Lampen hätten nicht geliefert werden können.

Als Shakespeare das erste Mal begonnen habe, Gedichte zu schreiben, habe auch er zu Hause gesessen, weil aufgrund einer Pandemie die Theater geschlossen waren. Von diesen Gedichten ausgehend, seien später die Sonette entstanden, in denen es um toxische Liebe gehe und darum, wie Liebe in der Gesellschaft ausgelebt werden könne. Das Team arbeite im Kollektiv als Hella Lux und habe sich auf audiobasierte Hörerlebnisse mit GPS-getrackten Audiowalks spezialisiert, teils in Eigenproduktionen und für Institutionen.

Soundcollage selbst zusammenstellen

Für die Inszenierung im Park rund um die Wasserburg spricht Wichert von 100 Scheinwerfern sowie eigens angefertigten Sonderbauten für die Bäume.

Pünktlich zur Generalprobe zeigten sich neben den akribisch positionierten Scheinwerfern als zweite große Mitspieler die Mobiltelefone und Kopfhörer. »Jeder Besucher bekommt ein Audioset im Kartenbüro und geht auf eigenen Wegen durch den Park. Das Handy weiß durch die GPS-Lokalisierung, wo sich jeder befindet. Sie können mit ihrer Bewegung durch den Park ihre eigene Soundcollage bauen«, sagt Wichert. Die GPS-Lokalisierung arbeite über Satelliten. Die Show beginne, wenn man auf den Startbutton des Mobiltelefons drücke. Jeder Einzelne bestimme die Länge seines Spazierganges.

Claus-Günther Kunzmann, Intendant der Burgfestspiele, erwähnt, dass die Idee aus dem Thema Shakespeare entstanden sei. Die Komödie »Was ihr wollt« sei auf dem Spielplan gewesen. Eine Ausstellung zu Shakespeare laufe in der Alten Mühle. »Das ist ein drittes Projekt. Es hätte mehr sein können, aber Corona hat uns ein bisschen die Luft zum Atmen genommen«, sagt er. Finanziert worden sei das Projekt vom Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main und dem Förderverein der Burgfestspiele.

Das Ende seiner Worte ist der Anfang der Show. Nach dem Abholen der Audiosets und einer Einweisung im Kartenbüro beginnt die Erlebnistour im Park. Die beleuchteten Bäume sind die Wegweiser. Eine Lichtinstallation in Blau fällt auf.

Spaziergang wird zur Meditation

Plötzlich ertönt eine Stimme am Ohr. Ein Sonett ist zu hören, als stünde jemand neben einem. In der Ferne ist eine Gruppe illuminierter Bäume zu sehen sowie eine vielfarbige Lichtinstallation. »Ein weibliches Gesicht gab die Natur dir. Herr und Herrin meiner Leidenschaft«, flüstert eine Stimme. Der Spaziergang wird zur Meditation, untermalt von Licht und Tönen. Die sind laut, dann wieder leise und manchmal weg. Farben werden von gespenstischen Geräuschen gebrochen. Stimmen überlagern sich. Unerwartet schnell kommen Schritte näher, als kämen zwei Menschen von hinten angerannt. Eine Stimme spricht von rechts, die andere von links. Dann beide zusammen. »Du liebst nur die, die sehen und ich bin blind.«

Dann kraftvolle Musik, als wäre der Baum im Vordergrund wütend darüber, dass man sich ihm genähert hat. Ein Flugzeug weit oben produziert seinen eigenen Sound. Dazwischen ein Sonett: »Für mich bist du das Urbild alles Schönen, mir war’s wie Winter, als wir uns nicht hatten. So war für mich all dies nur wie dein Schatten«. Plötzlich ruft eine Stimme: »Hey du, komm mal her, setz dich auf die Bank«.

»Es war eine wunderschöne Klangreise. Ich wusste nicht, auf was ich mich zuerst konzentrieren sollte. Auf das Licht, die Sinneseindrücke, die Sprache«, sagt Bettina Hoffmann. Und Alexandra Grünewald fand es überwältigend. »Das Zusammenspiel von Sonetten, Musik, Stimmsprache, teilweise wirr gesprochen, dann wieder sehr deutlich. Da möchte man zurück gehen und es ein zweites Mal hören«.

Noch bis zum 8. September können Besucher den Burgpark begehen. Jeder kann sich für den Audio-Walk zweieinhalb Stunden Zeit nehmen - von 21 bis 23.30 Uhr.

Tickets für den Audio-Walk sind im Kartenbüro Bad Vilbel erhältlich. Die Kopfhörer und Mobiltelefone werden vom Kartenbüro verliehen und müssen auch dort wieder abgegeben werden. Das Kartenbüro ist telefonisch erreichbar unter 06101/559455 oder per E-Mail an tickets@bad-vilbel.de. geo

Dank ihres Engagements präsentieren die Burgfestspiele dieses Jahr eine außergewöhnliche Inszenierung im Park rund um die Wasserburg.
Lichtinstallationen und viele eigens angefertigte Bauten machen neugierig auf einen besonderen Spaziergang.

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