Burgfestspiele »Was ihr wollt«

Mit enormer Dynamik

  • VonNiklas Mag
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Auch in dieser Spielzeit bieten die Burgfestspiele das klassische Theater an. Shakespeares »Was ihr wollt« hatte am Freitagabend Premiere. Die Bad Vilbeler Inszenierung fand viel Zuspruch.

Das Bühnenbild, das sich den in die Burg kommenden Besuchern zeigt, ist ziemlich schlicht. Eine rautenförmige Rampe steht auf einem Holzboden, eine Wand aus demselben Material bildet gemeinsam mit der Burgmauer den vertikalen Teil der Kulisse. So lenkt kein pompöser Aufbau vom Geschehen auf der Bühne ab. Denn wer sich vor Beginn des Stücks nicht noch einmal mit den verschiedenen Figuren, die in Shakespeares Komödie vorkommen, befasst hat, könnte zumindest zu Beginn der Verwechslungskomödie Probleme bekommen.

Die Kurzzusammenfassung: Ein Zwillingspaar verliert sich nach einem Schiffsunglück aus den Augen. Die Schwester, Viola (Bo-Phyllis Strube) gibt sich am Hof des Herzogs Orsino (Julian Keck) als ihr Bruder aus. Dieser ist jedoch unsterblich in Gräfin Olivia (Simone Müller) verliebt, deren Trunkenbold-Onkel (Martin Bringmann), sein Kumpel (Steffen Weixler) und Kammerfrau Maria (Silke Buchholz) nichts Gutes im Schilde führen, was Verwalter Malvolio (Peter Albers) schnell zu spüren bekommt. In das Verwechslungsspiel werden außerdem Antonio (John Wesley Zielmann) und der verloren geglaubte Zwillingsbruder (Christian Manuel Oliveira) verwickelt.

Sebastian Zumpe als Narr steht zwischen all diesen Figuren, trägt einen punkig anmutenden Zylinder mit Schweißerbrille und sorgt hin und wieder für Musik. Gerade diese kommt in Verbindung mit den beiden Trunkenbolden besonders gut beim Publikum an.

Bühnenbild wurde recycelt

Regisseurin Milena Paulovics lässt ihre Darsteller auf der Bühne wie vor einer weißen Leinwand spielen. Bis auf die Rampe, gibt es kaum Interaktionsmöglichkeiten für die Figuren, der Fokus liegt also voll und ganz auf dem zwischenmenschlichen Geschehen. Hinzu kommt die enorme Dynamik, die das Stück von der ersten Sekunde an den Tag legt. Die Darsteller rauschen nach ihren Dialogen durch den Mittelgang der Burg ab, direkt an den Zuschauern vorbei. Ständig wechseln die Akteure auf der Bühne, sie kommen von rechts, von links, von oben und von unten.

Damit bietet die Inszenierung stets einen fließenden und vor allem rasanten Übergang zwischen den Szenen. Für die Zuschauer gibt es kaum Zeit, Luft zu holen - im positiven Sinne. Paulovics vermischt William Shakespeares Dialoge mit Situationskomik. Fast schon Slapstick-Elemente zeigen die Darsteller beim Degenkampf, das Publikum hat seinen Spaß.

Die beiden Säufer verstecken sich vor Malvolio, während dieser in ihre Falle tappt, auch diese Szene und der darauf folgende Kleiderwechsel des Verwalters, der wegen eines gefälschten Briefs der Säufer glaubt, Olivia wolle ihn in gelben Strumpfhosen sehen, hat kein bisschen an Witz verloren. Das Publikum lacht, spendet Szenenapplaus und hat sichtlich Freude an dem Verwechslungsspiel. Gleichwohl: Wer wer ist und wer wen für wen hält wird im Laufe der Handlung schnell klar. Das Bühnenbild übrigens wurde recyclet, dieses kam bereits im Jahr 2019 bei der Inszenierung »Shakespeare In Love« in großen Teilen zum Einsatz. »Wir sehen es als unsere künstlerische Aufgabe an, unsere Sichtweise auf das Stück mit unserem nachhaltigen Anspruch zu verbinden«, erklärte dazu die Regisseurin in der Festspielzeitung.

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