Jetzt ist es klar: Jochen Lukarsch wird seine Filiale in Dortelweil nach dem Tod einer langjährigen Mitarbeiterin nicht wieder eröffnen.
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Jetzt ist es klar: Jochen Lukarsch wird seine Filiale in Dortelweil nach dem Tod einer langjährigen Mitarbeiterin nicht wieder eröffnen.

Bad Vilbel: Metzger Lukarsch schließt Filiale in Dortelweil endgültig

  • vonNiklas Mag
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Der Metzgerladen von Jochen Lukarsch ist nun nach fast 20 Jahren für immer geschlossen.Das hat einen traurigen Grund.

Nur noch nackte Fliesen und die typischen roten Jalousien vor dem Fenster erinnern daran, was sich einst in dem kleinen Laden in Dortelweil befunden hat. Seit 2002 war die Metzgerei Lukarsch hier beheimatet. Jochen Lukarsch hat sich von dort aus einen Namen in Bad Vilbel gemacht. »Es ist schon komisch, hier drin zu stehen und auch bewegend. Im Juni vergangenen Jahres mussten wir wegen dem Tod einer langjährigen Mitarbeiterin vorerst schließen.« Doch nun streicht der Metzgermeister dort endgültig die Segel.

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Eigentlich kommt Jochen Lukarsch aus Gedern. »Dass ich hier gelandet bin, kam damals durch Gerhard Manasek, den ehemaligen Dortelweiler Ortsvorsteher. Hier in Dortelweil hatte der Metzger zugemacht und wir hatten samstags Zeit, uns hier mit unserem neuen Verkaufswagen aufzustellen«, erinnert sich Lukarsch. Das sei gut gelaufen, weshalb schließlich der Mittwoch hinzukam und anschließend der Montag. »Dann hat die Bäckerei Rumpf umgebaut und diese Räume wurden frei«, erklärt der Metzger und deutet auf die leeren Fliesen. »2002 haben wir eröffnet, es war wahnsinnig heiß damals. Durch den Bau von Dortelweil West lief es damals ziemlich gut für uns«, meint er.

Metzger Lukarsch Dortelweil: Konkurrenz durch Kantine im Rathaus

Schließlich liegt die Metzgerei nur wenige Meter von der Friedberger Straße entfernt, die den alten und den neuen Ortsteil trennt. »Außerdem haben noch viele Dortelweiler hier im alten Ortsteil gewohnt, die mittags gekocht haben. Mittlerweile haben viele jüngere Familien hier die Häuser gekauft und gehen mittags aber arbeiten.« Stück für Stück habe er gespürt, dass die Kaufkraft der Dortelweiler über die Jahre zurückging. Auch die öffentliche Kantine im neuen Rathaus sei eine weitere Konkurrenz im Mittagsgeschäft gewesen. In Summe habe man sich dann entschlossen, den Metzgerladen aufzugeben. »Das tut mir auch weh, muss ich schon sagen. Das ist der Ursprung unserer Arbeit in Bad Vilbel.«

Roswitha Stafflinger hatte zuvor elf Jahre für die Metzgerei gearbeitet und die Filiale in Dortelweil am Laufen gehalten. »Eine Zeit lang haben wir gar nicht zusammen gearbeitet, weil ich im Laden in der Kernstadt war, doch zufällig einen Tag vor ihrem Tod haben wir noch mal zusammen gearbeitet. Sie ist dann leider über Nacht sehr plötzlich verstorben.«

Bevor die Entscheidung, den Laden zu schließen, getroffen war, hatte Jochen Lukarsch noch nach einem Nachfolger für Stafflinger gesucht. »Das ging etwa bis November und dann haben wir die Reißleine gezogen.«

Metzger Lukarsch Dortelweil: Größere und modernere Filiale

Die Arbeit verlagert Lukarsch nun also vor allem in die Kernstadt, wo er direkt am Marktplatz in Reichweite des Alten Rathauses eine deutlich größere und modernere Filiale führt, die für den täglichen Imbiss Außengastronomie bietet. Lukarsch hat sich dort zudem mit den umliegenden Gastronomen vernetzt und unter anderem den Altstadtgarten realisiert. Dennoch: »Mir tut das mit Dortelweil schon weh.«

Vor einigen Jahren hat Jochen Lukarsch mitten in der Vilbeler Kernstadt eine größere Filiale eröffnet.

Obwohl dem Metzgermeister nun eine Filiale fehlt, kann er ohne finanzielle Sorgen aus Dortelweil abziehen. »Ich mache den gleichen Umsatz in Bad Vilbel, da viele Stammkunden, die vorher dort eingekauft haben, jetzt in die Kernstadt fahren.« Das Einkaufsverhalten sei anders, die Kunden kauften nun eher für eine längere Zeit ein, statt nur Wurst für das Abendbrot zu holen.

Metzger Lukarsch Dortelweil: Geld für Hessentag investiert und verloren

Auch möchte Lukarsch die Dortelweiler Filiale nicht durch eine Neueröffnung ersetzen. »Da habe ich nichts im Visier, es ist momentan okay, wie es ist. Gerade die Corona-Krise hat noch einmal gezeigt, wie wichtig es ist, auch etwas Geld anzusparen. Man weiß nie was kommt.«

Auch für den Hessentag habe Lukarsch bereits Geld investiert, das nun verloren sei. »Außerdem wird es nicht unbedingt einfacher, Fachmitarbeiter zu finden.« Derzeit arbeiten für Jochen Lukarsch acht Mitarbeiter in Bad Vilbel, ähnlich viele in der Produktion und der Filiale in Gedern.

Gemeinsam mit den Gastronomen der Bad Vilbeler Altstadt hat Metzgermeister Jochen Lukarsch im vergangenen Jahr kleine kulinarische Feste auf dem Marktplatz unter dem Namen »frei Tag« organisiert. Seit einigen Wochen hat die selbe Gruppe nun bunte Stühle und Tische vor dem Alten Rathaus platziert, um einerseits die Restaurants und Lukarschs Metzgerfiliale während der Corona-Krise zu entlasten und um andererseits den Vilbelern mit diesem Altstadtgarten eine völlig neue Aufenthaltsqualität in der alten Mitte zu bieten. nma

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