Nicht nur kleine Projekte werden gefördert: Auch die renommierten Burgfestspiele werden vom Kulturfonds finanziell unterstützt. ARCHIVFOTO: HOLGER PEGELOW
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Nicht nur kleine Projekte werden gefördert: Auch die renommierten Burgfestspiele werden vom Kulturfonds finanziell unterstützt. ARCHIVFOTO: HOLGER PEGELOW

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Mehr Zuschüsse als Beiträge

  • vonPatrick Eickhoff
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Drei Jahre Probezeit sind vorbei: Seit einigen Wochen ist die Stadt Bad Vilbel offiziell vollwertiges Mitglied des Kulturfonds Frankfurt RheinMain. Die Verantwortlichen sprechen von einer Bereicherung für die Stadt. Doch was bringt die Mitgliedschaft der Stadt und auch den Bürgern?

Darmstadt, Frankfurt, Bad Vilbel. Die Quellenstadt reiht sich in eine prominente Reihe ein und ist seit Kurzem das zehnte Mitglied des Kulturfonds Frankfurt RheinMain. Dessen Ziel ist es, die kulturelle Vernetzung in der Region zu fördern und damit die gemeinsame Identität zu stärken. Nach drei Jahren Testphase wird Bad Vilbel nun vollwertiges Mitglied. "Die Kooperation mit dem Kulturfonds hat sich als echte Bereicherung für Bad Vilbel erwiesen. Wir konnten durch die hervorragende Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn in Frankfurt spannende Veranstaltungen nach Bad Vilbel holen", sagt Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr.

Die Städte zahlen aktuell jeweils zwei Euro pro Bürger und Jahr für ihre Beteiligung am Kulturfonds ein, für die Kreise gilt ein Satz von 1,60 Euro pro Bürger und Jahr; der Fonds gewinnt zusätzlich an Durchschlagskraft, da das Land Hessen jeden kommunalen Euro verdoppelt.

Bürgermeister Stöhr ist begeistert. "Die Zahlungen in den Kulturfonds sind ja nur die eine Seite der Medaille. Die weitaus wichtigere, andere Seite der Medaille ist die Tatsache, dass das Land Hessen jeden kommunalen Euro verdoppelt. Als Mitglied des Kulturfonds können wir daher für unsere Projekte auf eine sehr großzügige Förderung zugreifen, auf die wir sonst keinen Zugriff hätten." Man könne die Beiträge als eine Art Investition sehen, aus der die Stadt Bad Vilbel direkt Dividenden in Form von Zuschüssen erhält. "Die vergangenen Jahre zeigen ja sehr klar, dass die Zuschüsse, die an uns flossen, die Beiträge deutlich überstiegen, womit jeder investierte Euro gerechtfertigt ist."

Austausch über kulturelle Arbeit

Als der Fonds gegründet wurde, durften diesem zunächst nur kreisfreie Städte und Landkreise beitreten. Bad Vilbel war seinerzeit eine der ersten kreisangehörigen Städte, die dem Fonds als Kooperationsmitglied beigetreten ist. Nach dieser erfolgreichen Testphase entschied die Stadtverordnetenversammlung einstimmig dem Kulturfonds als vollwertiges Mitglied beizutreten. "Der Austausch mit anderen Städten, Landkreisen sowie dem Land Hessen und den Verantwortlichen des Kulturfonds ist für die Kulturarbeit in Bad Vilbel äußerst wertvoll", betont Stadtpressesprecher Yannick Schwander.

Bei der finalen Vertragsunterzeichnung im Rathaus sprach der Rathauschef davon, dass zahlreiche Veranstaltungen ohne die Unterstützung aus dem Fonds nicht möglich gewesen seien. Dabei geht es vor allem um die Veranstaltungsreihe "Blickachsen", Projekte wie das Kino Varieté im Theater Alte Mühle oder die Lyriktage. Auch das Bad Vilbel Musical, das in der Alten Mühle in den Jahren 2017/2018 mehrfach aufgeführt wurde, wäre ohne die Beteiligung des Kulturfonds so nicht möglich gewesen. Die renommierten Burgfestspiele, die im Sommer zu Theater und Musicals inmitten der Burgruine einladen, wurden vom Kulturfonds finanziell unterstützt. "Die Kooperation mit dem Kulturfonds hat das ohnehin bereits reichhaltige Kulturprogramm in unserer Quellen- und Festspielstadt noch einmal erweitert und um attraktive Projekte ergänzt", erklärt Bürgermeister Stöhr.

Jährliche Kosten von 68 000 Euro

Die jährlichen Kosten belaufen sich auf rund 68 000 Euro, die so im Haushalt veranschlagt sind. Es gibt keinen Betrag, den der Stadt zusteht. Der Kulturfonds fördert Projekte. "Das heißt, je mehr Projekte für eine Förderung genannt werden, desto mehr Zuschüsse erhalten wir. In den vergangenen Jahren haben wir jeweils deutlich mehr Zuschüsse erhalten, als wir Beiträge gezahlt haben", berichtet Pressesprecher Schwander.

Die Gelder seien ausschließlich für Veranstaltungen oder Projekte im Bereich Kunst und Kultur vorgesehen. Etwaige Sanierungsarbeiten können damit nicht finanziert werden. Doch während der Rathauschef und auch Pressesprecher Schwander die Vorteile der Förderung betonen, lässt sich derzeit kaum in die Zukunft blicken. "Konkrete Planungen von Veranstaltungen, die auch mit Zuschüssen des Kulturfonds durchgeführt werden sollen, können derzeit nicht beantwortet werden, da wir Stand heute leider nicht wissen können, wie der Veranstaltungsbetrieb weitergehen wird", bedauert Schwander. Dennoch ist der Pressesprecher von dem Projekt überzeugt. "Derzeit können wir keine Nachteile in der Mitgliedschaft erkennen. Ganz im Gegenteil, es gibt hier für alle Seiten nach den Erfahrungen der Testphase große Vorteile."

Neben Bad Vilbel treten auch Oestrich-Winkel und Offenbach in diesem Sommer dem Kulturfonds bei, sodass der Fonds fortan zehn Mitglieder zählt: das Land Hessen, die Städte Bad Vilbel, Darmstadt, Frankfurt, Hanau, Oestrich-Winkel, Offenbach am Main und Wiesbaden sowie der Main-Taunus- und der Hochtaunuskreis. Mit der Unterzeichnung reiht sich Bad Vilbel in den Kreis der Gesellschafter ein. wpa

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