Patrouille: Katharina Rodriguez und Daniel Hollerbach auf ihrem Kontrollrundgang in der Innenstadt. Beschwerden wegen der Weihnachtsbaum-Aktion können die beiden nicht verstehen. "Die meisten sind so angebracht, dass dort ohnehin ein Pfosten steht", sagt Rodriguez.
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Patrouille: Katharina Rodriguez und Daniel Hollerbach auf ihrem Kontrollrundgang in der Innenstadt. Beschwerden wegen der Weihnachtsbaum-Aktion können die beiden nicht verstehen. »Die meisten sind so angebracht, dass dort ohnehin ein Pfosten steht«, sagt Rodriguez.

Maskenkontrolle

Maskenpflicht: Auf Streife mit der Bad Vilbeler Stadtpolizei

  • vonPatrick Eickhoff
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Bad Vilbel hat die höchsten Corona-Infektionszahlen im Kreis. Deshalb herrscht in der Frankfurter Straße Maskenpflicht. Doch wie halten sich die Vilbeler daran?

Bad Vilbel - Freitagmorgen. 10 Uhr. Katharina Rodriguez und Daniel Hollerbach stehen am Ende der Frankfurter Straße. Es fängt leicht an zu regnen. Immer wieder weht ein kräftiger Wind. »Es gibt schönere Bedingungen zum Kontrollieren und auch zum Einkaufen«, sagt Rodriguez und lacht. Gleich beginnt die Einsatzkoordinatorin der Stadtpolizei gemeinsam mit ihrem Stellvertreter die Maskenkontrolle in der Innenstadt. Bad Vilbel hat die höchste Corona-Infiziertenzahl im Wetteraukreis. Deshalb gilt in der gesamten Frankfurter Straße Maskenpflicht. Rodriguez blickt die Straße entlang. »Mittlerweile halten sich fast alle daran. Wir rechnen mit keinen größeren Problemen«, sagt die 35-Jährige.

Es sind nur wenige Meter, die die beiden Stadtpolizisten kommen, dann läuft ihnen eine ältere Dame entgegen. Sie trägt die Maske nicht über die Nase. »Entschuldigen Sie, würden Sie die Maske bitte nach oben ziehen«, sagt Rodriguez höflich. Die ältere Dame nickt, zieht die Maske etwas höher und geht weiter. Einen solchen Gesprächsverlauf werden die beiden Ordnungshüter allein in der ersten Stunde heute mehrmals erleben. »Manchmal reicht auch ein einfache Geste«, sagt Rodriguez. »Wir versuchen immer höflich zu sein, die meisten Leute vergessen es einfach oder die Maske verrutscht. Das ist kein Grund direkt mit einem Bußgeldverfahren wegen einer Ordnungswidrigkeit zu drohen. Wir hauen nicht gleich mit der Keule drauf.«

Maskenpflicht in Bad Vilbel: Umgang deutlich gereizter

Und so verlaufen die ersten Meter von Woolworth bis zur Stadtschule relativ ruhig. Dort steht ein jüngerer Mann und telefoniert. Die Maske hängt an einem Ohr herunter. Während Katharina Rodriguez ihn darauf hinweist, welche Auflagen im Stadtzentrum gelten, beobachtet Daniel Hollerbach die Straße. »Dort vorne steht eine weitere Person, die wir gleich ansprechen«, sagt er. In diesem Moment fährt ein Radfahrer unbemerkt an beiden vorbei entgegengesetzt der Einbahnstraße. Sofort steht eine Passantin parat. »Wieso haben sie beide da nicht eingegriffen? Es ist unerhört, welchen Gefahren wir als Fußgänger ausgesetzt werden.« Noch bevor die beiden Ordnungspolizisten sich erklären können, ist die Dame bereits weitergelaufen. »Wir können leider nicht fünf Fälle zeitgleich betrachten«, sagt Rodriguez.

Die 35-Jährige hat in den vergangenen Monaten registriert, »dass der Umgangston gerade auch uns gegenüber deutlich gereizter geworden ist«. Es werde nur noch gemeckert und kritisiert. »Letztens haben wir in einem Geschäft kontrolliert und wurden gefragt, ob es denn sein müsse, dass wir in voller Montur reinkommen.« Das würde den Mitarbeitern Angst einjagen. »Dass die schusssichere Weste und die Ausrüstung nur für unsere Sicherheit da ist, dass ist dann egal«, bedauert sie. Viele Bürger würden sich allerdings verständnisvoll zeigen. »Wir versuchen angemessen zu reagieren«, sagt Bernd Hollerbach. »Ganz nach dem Motto: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.«

Maskenpflicht in Bad Vilbel: Verstoß mit Vorsatz kostet 50 Euro

Und während die beiden durch die Frankfurter Straße laufen, halten sie auch nach anderen Ordnungswidrigkeiten die Augen offen. Falschparker gebe es immer mal wieder. »Es handelt sich nicht um eine reine Corona-Auflagenkontrolle«, sagt Rodriguez. Dann bricht sie das Gespräch kurz ab und läuft zu einer Familie. »Bitten halten Sie sich an die Maskenpflicht und setzten Sie sie nicht nur auf, weil wir gerade vorbeigelaufen sind.« Denn genau das nehmen auch die beiden Ordnungshüter wahr. »Wenn wir gleich zurücklaufen, werden wir sehen, ob sie sich daran gehalten haben.« Nur wenige Minuten später begegnen sich alle Beteiligten wieder. Die Masken sitzen im Gesicht. »Sehr schön«, sagt Hollerbach. Wer sich wiederholt nicht an die Maskenpflicht hält oder sich vorsätzlich nicht daran hält, dem droht ein Bußgeld von 50 Euro.

Aus dem Nichts spricht eine weitere Frau die Stadtpolizisten an, zählt Abstandsregelverstöße in Geschäften auf. Doch wo genau, das wolle sie nicht sagen. »Ich möchte ja niemand verraten«, sagt sie und lässt die beiden Einsatzkoordinatoren sprichwörtlich im Regen stehen. »Mit so etwas können wir nichts anfangen«, sagt Rodriguez. »Wir können nur handfesten Meldungen nachgehen.«

Maskenpflicht in Bad Vilbel: Kontrolle an Bushaltestellen

Nach eineinhalb Stunden endet die morgendliche Patrouille durch die Frankfurter Straße. Ohne Ordnungswidrigkeit, ohne Streitigkeiten. Rodriguez und Hollerbach sind zufrieden und laufen in Richtung Auto zurück.

Am Südbahnhof-Kreisel werfen beide noch einen Blick auf die Bushaltestellen. »Dort gilt die Maskenpflicht. Das wissen die meisten gar nicht«, sagt die 35-Jährige. Das sei aber auch nicht verwunderlich. »Die Auflagen ändern sich so häufig, es ist schwierig, auf dem aktuellsten Stand zu bleiben.« Eine echte Herausforderung für die beiden Einsatzkoordinatoren und die sechs weiteren Stadtpolizisten der Stadt Bad Vilbel. »Corona ist das dominierende Thema. Wir hoffen, dass wir dank der Maßnahmen alle schnell und gesund durch die Zeit kommen.«

Noch bevor es für die Stadtpolizisten und zwei Einsatzkoordinatoren auf die Straße geht, gibt es eine morgendliche Lagebesprechung. Matthias Stengel, Fachbereichsleiter Öffentliche Sicherheit und Ordnung, sagt: »Dort werden besondere Vorkommnisse des gestrigen Tages und Pläne für den aktuellen Tag besprochen.« Dabei gehe es darum, Einsatzschwerpunkte zu erarbeiten. Massive Verstöße gegen die Corona-Auflagen würden dem Wetteraukreis gemeldet. »Der entscheidet dann, ob es zu einem Verfahren kommt.« Doch darum gehe es nicht primär. »Wir müssen keine Zahlen präsentieren.« Ziel sei, angemessen zu reagieren und viele Leute zu sensibilisieren. »Eine flächendeckende Kontrolle können wir allerdings nicht leisten. Wichtig ist, dass jeder auch eine gewisse Eigenverantwortung an den Tag legt.« wpa

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