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Christa Hillenbrand engagiert sich für die Nachbarschaftshilfe "Wir Dortelweiler". Um die Nachbarschaft noch besser untereinander zu vernetzen, will Hillenbrand die Bürger auf das Internetportal "nebenan.de" aufmerksam machen. FOTOS: LSF

"Man muss selbst aktiv werden"

Um die Nachbarschaft besser erreichen zu können und sich schneller untereinander auszutauschen, will die Nachbarschaftshilfe Bad Vilbel-Dortelweil auf ihr Internetangebot aufmerksam machen. Doch der Austausch funktioniert nur, wenn die Anwohner auch bereit sind, sich für ihre Nachbarn zu engagieren.

Manchen Großstädtern ist in der schnelllebigen Gesellschaft niemand so egal wie der eigene Nachbar. Dabei sei eine gute Nachbarschaft heutzutage wichtiger denn je, sagt Christa Hillenbrand, Leiterin der Nachbarschaftshilfe "Wir Dortelweiler". "Nachbarschaft ist für mich die dritte wichtige gesellschaftliche Säule neben der Familie und Freunden. Nachbarn, das sind wir alle."

Seit zwanzig Jahren setzen sich die Helfer der Nachbarschaftshilfe für ein geselliges Miteinander in Dortelweil ein. Am Donnerstag hatten interessierte Zuhörer die Möglichkeit, ihre Anliegen und Fragen mit der Nachbarschaftshilfe zu besprechen. In erster Linie ging es dabei um die Frage, wie man sich untereinander noch besser vernetzen könne. "Das geht natürlich am besten über das Internet", regt Hillenbrand an. "Das ist für uns jedoch etwas vollkommen Neues."

Nachbar in der virtuellen Welt

Christa Hillenbrand möchte das Treffen nutzen, um die Dortelweiler Nachbarschaft auf das Internetportal "nebenan.de" aufmerksam zu machen. Auf diesem können sich Anwohner einer Straße, ähnlich wie bei Facebook oder WhatsApp, mit ihrer direkten Nachbarschaft vernetzen. "Wir haben erst überlegt, eine eigene Homepage zu gründen. Das bedeutet aber einen enormen organisatorischen und technischen Aufwand. Daher haben wir uns entschieden, die Plattform von "nebenan.de" zu nutzen.

Auf dem Portal können Nutzer ihre Hobbys und Interessen eingeben und auf diesem Wege neue Kontakte knüpfen. Durch diese Kontakte können sich dann Gruppen bilden. "Wenn Sie beispielsweise eine Skatrunde suchen, können Sie genau sehen, wer noch an einer Skatrunde interessiert ist und dann eine Gruppe in der virtuellen und in der realen Welt gründen", sagt Hillenbrand.

Das gilt jedoch nicht nur für Spielrunden, sondern auch für Nachbarschaftsdienste. "Früher war es doch selbstverständlich, für die alte Dame von nebenan einzukaufen. Heute blickt jeder auf sich selbst. Mit der Plattform "nebenan.de" können sich Nachbarn zusammentun und die Einkäufe, Gassi-Runden oder Gartenarbeiten organisieren." Zusätzlich soll auch die Hemmschwelle gesenkt werden, den Nachbarn um Hilfe zu bitten: "Oft ist es uns unangenehm, unseren Nachbarn zu fragen, ob er uns beispielsweise einen Bohrer leihen kann. Auf ›nebenan.de‹ antwortet dann nur derjenige, der auch wiklich bereit ist, seinen Bohrer zu verleihen", sagt Hillenbrand.

Doch das funktioniert nur, wenn sich auch Bürger finden, die bereit sind, sich in einer Gruppe zu engagieren. Daher sammelten die Zuhörer auch gleich erste Ideen, welche Bedürfnisse mit einer Gruppe befriedigt werden könnten. Und so bildete sich noch am Donnerstagabend eine Gruppe, die den Wochenmarkt für Dortelweiler wieder interessanter machen möchte, besonders was die Öffnungszeiten betrifft.

Stadt soll integriert werden

"Es ist super, dass Sie gleich ein gemeinsames Thema gefunden haben. Doch jetzt benötigen wir eben auch jemanden, der die Organisation übernimmt, Werkzeuge und Materialien besorgt und die Ideen umsetzt. Das benötigt eben auch Zeit", sagt Hillenbrand.

Um leichter einen Raum oder Materialien für die Gruppen zu besorgen, soll auch die Stadt in die Nachbarschaftsarbeit integriert werden: "Nichts ist einfacher, als die Stadt zu kontaktieren und nach Werkzeugen wie beispielsweise Müllzangen zu fragen", sagt Hillenbrand.

Aktuell wird "nebenan.de" von 1500 Vilbelern genutzt. Um das Internetportal besser kennenzulernen, wünschen sich die Anwohner regelmäßige Treffen. Besonders für ältere Menschen sei es schwieriger, alle technischen Möglichkeiten zu nutzen. "Das lässt sich alles irgendwie in die Wege leiten", beruhigt Hillenbrand. "Doch Sie müssen schon selbst dafür aktiv werden und sich auch einbringen."

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